Vitality hat sich mit dem Sieg bei der StarLadder StarSeries Fall 2026 zurückgemeldet – und für Mathieu „ZywOo“ Herbaut war der Erfolg offenbar mehr als nur ein weiterer Pokal. Nach dem 3:1 im Finale gegen Aurora sprach der Franzose im Interview mit HLTV über die Zweifel an seinem Team, wichtige interne Gespräche nach dem Turnier in Porto und die Veränderungen, die Vitality wieder näher an sein bestes Niveau gebracht haben. Das eigentliche Ziel bleibt allerdings das Singapore Major.
Für ZywOo selbst endete das Wochenende in Barcelona gleich doppelt erfolgreich. Neben dem Turniersieg sicherte sich der 25-Jährige seine 33. MVP-Auszeichnung der Karriere und die erste der laufenden Saison.
Mit einem durchschnittlichen Rating von 1,50 dominierte er die StarSeries Fall deutlich. Im Grand Final gegen Aurora legte er noch einmal ein 1,51-Rating nach.
Zweifel an Vitality waren längst aufgekommen
Dass der Titel emotional eine besondere Bedeutung hatte, machte ZywOo nach dem Finale deutlich.
Vitality hatte die CS2-Szene über lange Phasen dominiert, war zuletzt aber mehrere Monate ohne Turniersieg geblieben. Entsprechend wurden zunehmend Fragen gestellt, ob das Team seine frühere Überlegenheit verloren habe.
ZywOo nimmt diese Diskussion durchaus wahr.
Nach dem Finalsieg erklärte er, dass bereits Stimmen aufgekommen seien, Vitality könne möglicherweise nicht mehr an seine früheren Leistungen anknüpfen. Die Antwort darauf sei für ihn das Turnier in Barcelona gewesen.
„Dieses Turnier hat gezeigt, dass wir immer noch eines der besten Teams sind.“
Dabei räumte er gleichzeitig ein, dass Formschwankungen dazugehören. Entscheidend sei, innerhalb des Teams offen miteinander umzugehen und Probleme frühzeitig anzusprechen.
Gespräche nach Porto lösten offenbar eine Blockade
Einen wichtigen Wendepunkt sieht ZywOo nach BLAST Open Fall in Porto.
Nach dem Turnier führte Vitality laut dem Franzosen Einzelgespräche mit nahezu allen Spielern. Dabei ging es nicht nur um taktische Fragen, sondern offenbar auch darum, wie sich die einzelnen Teammitglieder fühlten und wie sie die gemeinsame Situation wahrnahmen.
Diese Gespräche hätten viel Druck gelöst.
ZywOo beschreibt die Veränderung vor allem als Vertrauensgewinn. Die Mannschaft verstehe nun besser, was einzelne Spieler während und außerhalb eines Matches benötigen.
Das habe Vitality professioneller und strukturierter gemacht.
Interessant ist dabei, dass es offenbar nicht um einen radikalen taktischen Umbau ging. Vielmehr scheint das Team versucht zu haben, Kommunikationsprobleme und Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen.
Aurora zeigte Vitality am Samstag noch die Grenzen
Dass längst nicht alles perfekt läuft, hatte Aurora erst einen Tag vor dem Grand Final gezeigt.
Im Upper-Bracket-Finale verlor Vitality gegen das türkisch-europäische Line-up und musste anschließend über das Lower Bracket zurück ins Endspiel.
Besonders Anubis bereitete Vitality dabei Probleme.
ZywOo erklärte gegenüber HLTV, dass sein Team am Samstag viel zu passiv agiert habe. Vitality habe darauf gewartet, dass Aurora Aktionen startet – doch der Gegner verweigerte genau dieses Spiel.
Das Ergebnis war Unsicherheit.
Für das Finale analysierte Vitality diese Fehler und änderte den Ansatz.
Vitality spielte Anubis im Finale völlig anders
Nur einen Tag später war davon kaum noch etwas zu sehen.
Vitality gewann Anubis im Grand Final mit 13:4 und setzte damit unmittelbar ein Zeichen.
ZywOo führt den Unterschied vor allem auf eine erheblich bessere T-Seite zurück. Die Mannschaft habe aktiver gespielt, ihre eigenen Entscheidungen getroffen und nicht mehr lediglich auf Aurora reagiert.
Dabei zeigte sich, wie schnell sich ein Best-of-Five zwischen denselben Gegnern verändern kann.
Noch am Samstag hatte Aurora Vitality taktisch ausgebremst. Am Sonntag drehte das Team die Situation praktisch vollständig um.
Am Ende gewann Vitality das Finale mit 3:1.
meziis Rückkehr macht den Titel zusätzlich besonders
Für Vitality spielte auch die Rückkehr von William „mezii“ Merriman eine Rolle.
Der Brite war zuvor wegen seiner Vaterschaftspause zeitweise nicht im Line-up gewesen.
ZywOo betonte nach dem Sieg, dass sich das Team auch deshalb besonders über den Erfolg gefreut habe. mezii sei zurück und habe im Finale stark gespielt.
Damit besitzt Vitality wieder sein eigentliches Fünfer-Line-up.
Gerade nach einer Phase, in der das Team mit Veränderungen und Unterbrechungen umgehen musste, dürfte der gemeinsame Titel deshalb zusätzliche Bedeutung haben.
MVP Nummer 33 für ZywOo
ZywOos persönliche Zahlen unterstreichen, wie wichtig er für den Turniersieg war.
Über die gesamte StarSeries Fall hinweg erreichte er ein Rating von 1,50 und lag damit 0,24 Punkte vor dem zweitbesten Spieler KSCERATO.
Zusätzlich führte er das Turnier bei mehreren Statistiken an:
| Statistik | ZywOo |
|---|---|
| Rating | 1,50 |
| ADR | 92,2 |
| Kills pro Runde | 0,89 |
| Deaths pro Runde | 0,57 |
| Round Swing | +6,13 % |
Die Auszeichnung ist bereits die 33. MVP-Medaille seiner Karriere und gleichzeitig Nummer 26 bei sogenannten Big Events.
Das Singapore Major bleibt das eigentliche Ziel
Trotz des Erfolgs will Vitality den Titel offenbar nicht überbewerten.
Als Nächstes wartet die ESL Pro League Season 24. Anschließend folgt PGL Masters Bucharest, wo Vitality laut ZywOo erneut mit jL antreten wird.
Der Franzose machte allerdings deutlich, dass diese Turniere vor allem Teil eines größeren Plans sind.
Der Fokus liege auf dem kommenden Major.
Vitality wolle jedes Turnier nutzen, um Fehler zu identifizieren, Selbstvertrauen aufzubauen und sich spielerisch weiterzuentwickeln. Der StarSeries-Titel ändere daran nichts.
Für ZywOo lautet die Botschaft nach Barcelona deshalb zweigeteilt: Vitality ist noch nicht wieder am Ziel – hat aber gezeigt, dass das Team weiterhin um große Titel spielen kann.
Und nach einigen Monaten ohne Pokal war genau dieser Beweis offenbar dringend nötig.
Quelle: Das Interview mit ZywOo führte Lucas „LucasAM“ Aznar Miles für HLTV.org nach dem Finale der StarLadder StarSeries Fall 2026. Originalinterview bei HLTV lesen

