MOUZ musste sich im Grand Final der BLAST Open Porto 2026 mit 1:3 gegen Team Spirit geschlagen geben. Nach dem Finale suchte IGL Dorian „xertioN“ Berman allerdings keine Ausreden. Spirit sei an diesem Tag schlicht besser gewesen – und für ihn aktuell sogar das beste Counter-Strike-Team der Welt. Gleichzeitig sieht der Israeli den zweiten großen Finaleinzug in Folge als wichtigen Schritt für das noch junge MOUZ-Line-up.
Die Niederlage fiel insbesondere auf Ancient und Nuke deutlich aus. Nachdem MOUZ auf Mirage noch eine starke Aufholjagd hingelegt und die Serie zum 1:1 ausgeglichen hatte, übernahm Spirit wieder vollständig die Kontrolle. Das Finale endete mit 13:8 auf Dust2, 11:13 auf Mirage, 13:3 auf Ancient und 13:6 auf Nuke aus Sicht von Spirit.
Für MOUZ endet damit ein starker Turnierlauf ohne zweiten BLAST-Titel in Folge. Beim vorherigen BLAST Bounty Season 2 hatte MOUZ Spirit im Finale noch mit 3:1 bezwungen. In Porto drehte Spirit das Ergebnis nun um.
xertioN: MOUZ war mental zu lange nicht im Spiel
Direkt nach dem Finale wollte xertioN noch keine endgültige taktische Analyse abgeben. Dafür müsse das Team die Serie zunächst noch einmal gemeinsam ansehen.
Ein Problem konnte er allerdings bereits klar benennen.
Auf Dust2 habe MOUZ mehrere wichtige Runden auf der T-Seite aus der Hand gegeben. Über das komplette Finale hinweg sei das Team zudem phasenweise mental nicht vollständig präsent gewesen.
„Wir waren über alle Maps hinweg einfach etwas zu lange mental raus und haben sie uns in zu vielen Momenten überrollen lassen.“
Für xertioN war deshalb weniger eine einzelne verlorene Runde entscheidend als die Dauer dieser schwächeren Phasen.
Gegen ein Team wie Spirit reichen bereits wenige Minuten ohne vollständigen Fokus aus, um eine Map praktisch aus der Hand zu geben. Genau das zeigte sich besonders deutlich auf Ancient.
Ancient wird zum Wendepunkt des Finals
Nach Spirits Sieg auf Dust2 sah es auf Mirage zunächst ebenfalls nach einem klaren Verlauf aus.
Spirit führte bereits mit 11:4, bevor MOUZ eine beeindruckende Serie startete und neun Runden hintereinander gewann. Mit 13:11 gelang der Ausgleich zum 1:1.
Das hätte eigentlich der Moment sein können, in dem das Finale kippt.
Stattdessen folgte das Gegenteil.
Auf Ancient dominierte Spirit MOUZ mit 13:3. Anschließend machte die Mannschaft auf Nuke mit einem 13:6 den Turniersieg perfekt.
Gerade diese beiden Maps dürften erklären, warum xertioN nach dem Spiel so eindeutig über den Gegner sprach.
„Spirit ist aktuell das beste Team der Welt“
Auf die Frage, ob MOUZ aufgrund der noch relativ kurzen gemeinsamen Zeit möglicherweise einfach noch nicht weit genug für solche Finals sei, wollte xertioN die Niederlage nicht darauf reduzieren.
Natürlich könne man darauf verweisen, dass MOUZ ein junges Team sei.
Für ihn ist die einfachere Erklärung allerdings:
„Heute war Spirit einfach das bessere Team. Sie sind meiner Meinung nach aktuell das beste Team der Welt.“
Das ist bemerkenswert, weil MOUZ selbst zuletzt mehrere Mannschaften aus der absoluten Weltspitze schlagen konnte.
Auf dem Weg zum Porto-Finale gewann das Team unter anderem gegen Falcons und schaltete Vitality im Halbfinale mit 2:0 aus. In der Gruppenphase hatte MOUZ ebenfalls den ersten Platz seiner Gruppe erreicht.
Spirit war am Sonntag trotzdem eine Stufe stärker.
Die Revanche für BLAST Bounty ist geglückt
Zwischen Spirit und MOUZ entwickelt sich damit zunehmend eines der interessanteren direkten Duelle der aktuellen CS2-Saison.
Beim BLAST Bounty Season 2 hatte MOUZ Spirit noch mit 3:1 bezwungen und damit seinen ersten Titel des Jahres geholt.
xertioN hatte anschließend davon gesprochen, dass dieser Erfolg ein wichtiger Beweis für das neue Line-up gewesen sei. Nun bekam Spirit in Porto die Gelegenheit zur Revanche – und gewann ebenfalls mit 3:1.
Damit steht es in den beiden jüngsten großen Finals zwischen den Teams praktisch ausgeglichen.
Der Unterschied: Spirit kommt zusätzlich mit dem Titel beim Esports World Cup nach Porto und hat damit nun zwei große Turniere hintereinander gewonnen.
Das macht xertioNs Einschätzung der aktuellen Nummer eins zumindest nachvollziehbar.
xertioN wächst immer stärker in die IGL-Rolle
Neben dem Finale sprach der 22-Jährige auch über seine eigene Entwicklung.
xertioN hat inzwischen die Rolle des In-Game Leaders bei MOUZ übernommen. Auffällig ist dabei, dass er seitdem auch nach außen deutlich präsenter wirkt.
Er selbst beschreibt diese Entwicklung nicht als erzwungen.
„Ich versuche einfach, mit gutem Beispiel voranzugehen. Es fühlt sich nicht neu oder gezwungen an. Ich werde einfach immer komfortabler damit.“
Innerhalb des Teams sei er ohnehin offener als es von außen vielleicht wirke.
Als IGL empfinde er nun zusätzlich die Verantwortung, auf der Bühne stärker als Gesicht der Mannschaft aufzutreten, mit dem Publikum zu interagieren und seinen Mitspielern Sicherheit zu vermitteln.
Vom aggressiven Rifler zum Gesicht von MOUZ
Die Entwicklung ist interessant, weil xertioN lange vor allem über seine individuelle Rolle definiert wurde.
Sein aggressiver Spielstil gehörte zu den wichtigen Bausteinen von MOUZ. Die zusätzliche Verantwortung als IGL verändert nun zwangsläufig seinen Aufgabenbereich.
Er muss nicht nur eigene Duelle gewinnen, sondern gleichzeitig:
- das Gesamtbild der Runde lesen
- Entscheidungen für das Team treffen
- Timeouts gemeinsam mit dem Coaching Staff nutzen
- jüngere Spieler führen
- nach verlorenen Runden Ruhe bewahren
- auf der Bühne Verantwortung übernehmen
Dass MOUZ trotz dieser Veränderung direkt zwei große Finals hintereinander erreicht hat, spricht zumindest dafür, dass der Übergang bislang besser funktioniert als viele vor der Saison erwartet hatten.
MOUZ will die Final-Niederlage als Motivation nutzen
xertioN versuchte nach dem 1:3 nicht, das Ergebnis schönzureden.
Die Niederlage tue weh, gerade weil die Mannschaft in den vergangenen Wochen enorm viel Arbeit investiert habe.
Gleichzeitig sieht er genau darin die Motivation für die kommenden Turniere.
Ein Finale sei etwas, auf dem das Team aufbauen könne.
MOUZ befinde sich noch in einer frühen Phase dieser Besetzung, habe aber bereits gezeigt, dass es gegen die größten Namen gewinnen kann.
„Wir nehmen dieses Spiel als Motivation, noch besser zu werden und Spirit beim nächsten Mal zu schlagen.“
Das klingt nach einer deutlich anderen Haltung als der Versuch, die Niederlage mit mangelnder Erfahrung abzuhaken.
MOUZ hat bereits bewiesen, dass das neue Projekt funktioniert
Die bisherigen Ergebnisse sprechen tatsächlich dafür.
Beim BLAST Bounty Season 2 holte MOUZ direkt einen Titel. Wenige Wochen später folgte in Porto bereits das nächste Grand Final.
Dabei schlug das Team auf seinem bisherigen Weg Mannschaften wie:
- Spirit
- Falcons
- Vitality
Das ist für eine Mannschaft in einer laufenden Umbauphase eine bemerkenswerte Bilanz.
Auch torzsi erklärte bereits vor dem Finale, dass er MOUZ aktuell zu den besten Mannschaften der Welt zählt. Die Erwartungen seien zu Beginn aufgrund der Roster-Veränderungen bewusst niedriger gewesen, die Ergebnisse hätten diese Einschätzung jedoch sehr schnell verändert.
Spirit setzt aktuell trotzdem den Maßstab
Der Unterschied zwischen einem starken Team und der momentanen Nummer eins zeigte sich in Porto vielleicht gerade auf Ancient und Nuke.
MOUZ hatte Spirit auf Mirage einen sicher geglaubten Sieg entrissen.
Viele Teams hätten nach einer solchen Map Schwierigkeiten, sofort wieder ihren Rhythmus zu finden.
Spirit antwortete mit 13:3 und 13:6.
Das ist genau die Art von Reaktion, die ein dominantes Team auszeichnet.
Hinzu kommt die aktuelle Form von Spielern wie donk, sh1ro, tN1R und zont1x. Spirit besitzt genügend individuelle Qualität, um selbst dann Spiele zu gewinnen, wenn nicht jeder Spieler gleichzeitig sein bestes Niveau erreicht.
Für MOUZ ist der zweite Platz trotzdem kein Rückschritt
Das Ergebnis selbst ist eindeutig.
Spirit war im Grand Final besser und verdient BLAST-Open-Porto-Champion.
Für MOUZ muss der zweite Platz trotzdem nicht als Scheitern der bisherigen Entwicklung betrachtet werden.
Das Team hat innerhalb kurzer Zeit zwei Finals erreicht, eines davon gewonnen und gegen praktisch sämtliche großen Namen gezeigt, dass es konkurrenzfähig ist.
Die entscheidende Aufgabe besteht jetzt darin, diese Leistungen zu stabilisieren.
Auch xertioN selbst muss seine Entwicklung als IGL fortsetzen. Dass er sich in dieser Rolle zunehmend wohlfühlt, könnte für MOUZ langfristig mindestens genauso wichtig werden wie einzelne Turnierergebnisse.
Spirit hat in Porto gezeigt, wo die Messlatte derzeit liegt.
Und xertioN erkennt das ohne Umwege an: Für ihn ist Spirit aktuell das beste Team der Welt. MOUZ‘ nächstes Ziel ist entsprechend klar – beim nächsten Aufeinandertreffen soll genau dieses Team wieder geschlagen werden.
Quelle: BLAST – „xertioN: Spirit are the best team in the world“

