Microsofts neues Xbox Disc-to-Digital-System ist offenbar noch komfortabler als zunächst angenommen. Besitzer unterstützter Xbox-One- und Xbox-Series-X-Spiele müssen ihre physische Disc nicht regelmäßig erneut einlegen, um den digitalen Zugriff zu bestätigen. Nach der erstmaligen Aktivierung bleibt die digitale Lizenz auf dem Microsoft-Konto bestehen – ohne zeitliches Ablaufdatum.
Die entscheidende Klarstellung stammt von Windows-Central-Journalist Jez Corden. Nachdem in sozialen Netzwerken Behauptungen kursierten, Xbox würde in regelmäßigen Abständen eine erneute Disc-Prüfung verlangen, erkundigte er sich bei Microsoft-Quellen. Die Antwort: Es gibt keinen solchen Timeout. Der digitale Zugriff wird erst entfernt, wenn dieselbe Disc von einem anderen Nutzer auf dessen Microsoft-Konto aktiviert wird.
Einmal aktivieren – danach kann die Disc ins Regal
Das Disc-to-Digital-System funktioniert vergleichsweise unkompliziert.
Spieler legen eine unterstützte Xbox-One- oder Xbox-Series-X-Disc in eine Konsole mit Laufwerk ein. Anschließend kann über das Kontextmenü „Claim Digital License“ ausgewählt werden. Alternativ wird die Berechtigung beim Start des Spiels über die Disc automatisch angefordert.
Danach lässt sich die Disc entfernen.
Das Spiel erscheint anschließend in der digitalen Bibliothek und kann künftig auch ohne eingelegten Datenträger installiert und gestartet werden. Microsoft kennzeichnet solche Titel in der Bibliothek zusätzlich als ursprünglich über eine Disc aktivierte Lizenz.
Der Ablauf sieht damit vereinfacht so aus:
| Schritt | Disc-to-Digital |
|---|---|
| Unterstützte Disc einlegen | erforderlich |
| Digitale Lizenz beanspruchen | einmalig |
| Disc dauerhaft eingelegt lassen | nein |
| Regelmäßig erneut validieren | nein |
| Lizenz läuft nach bestimmter Zeit ab | nein |
| Disc auf anderem Konto aktivieren | bisherige Lizenz wechselt |
Erst ein neuer Besitzer kann die Lizenz übernehmen
Das System löst damit gleichzeitig die Frage, wie Microsoft verhindert, dass eine einzige Disc unbegrenzt viele digitale Kopien erzeugt.
Die digitale Berechtigung bleibt technisch mit dem physischen Datenträger verbunden.
Verkauft ein Spieler seine Disc und der Käufer legt sie anschließend in seine eigene Xbox ein, kann dieser die digitale Lizenz für sein Microsoft-Konto beanspruchen. In diesem Moment verliert der vorherige Besitzer die daraus entstandene digitale Berechtigung.
Corden beschreibt es ausdrücklich so: Es gibt keinen Zeitraum, nach dem Microsoft erneut nach der Disc fragt. Der bisherige Nutzer verliert den Zugriff erst, wenn ein anderes Konto dieselbe Disc registriert.
Damit bleibt auch der Gebrauchtmarkt grundsätzlich erhalten. Die Disc kann weiterverkauft werden, und mit ihr wandert die Möglichkeit zur digitalen Aktivierung zum nächsten Besitzer.
Microsoft selbst spricht von Tausenden unterstützten Spielen
Microsoft hatte Disc-to-Digital bereits Ende August offiziell angekündigt und bezeichnet das System als Teil seiner Strategie zur Spieleerhaltung.
Nach Angaben des Unternehmens unterstützen zum Start Tausende Xbox-One- und Xbox-Series-X-Titel die Funktion. Bei kompatiblen Spielen können außerdem die üblichen Vorteile digitaler Xbox-Lizenzen genutzt werden.
Dazu gehören beispielsweise Xbox Play Anywhere und Xbox Cloud Gaming, sofern der betreffende Titel diese Funktionen ohnehin unterstützt. Eine ursprünglich physische Version kann dadurch unter Umständen auch auf einem Windows-PC, Handheld oder über die Cloud gespielt werden.
Selbst delistete Spiele funktionieren teilweise
Besonders interessant bleibt die Unterstützung älterer Spiele, die längst nicht mehr digital verkauft werden.
Bereits in den ersten Tagen bestätigten Nutzer funktionierende Aktivierungen für Titel wie Deadpool. Das Activision-Spiel wurde bereits vor Jahren aus dem Xbox Store entfernt, kann über eine passende Xbox-One-Disc aber dennoch eine digitale Berechtigung erzeugen.
Eine von der Community gepflegte Kompatibilitätsdatenbank umfasst inzwischen mehr als 800 konkret getestete Disc-Versionen.
Darin findet sich unter anderem auch LEGO Dimensions. Das Spiel ist insofern interessant, weil seine klassische Xbox-One-Version im regulären digitalen Vertrieb kaum eine Rolle spielte, nun aber über Disc-to-Digital als digitale Lizenz erkannt wird.
Das macht die Funktion besonders für Sammler und Spieleerhaltung interessant: Ein Titel muss nicht zwingend weiterhin im Xbox Store käuflich sein, damit eine vorhandene physische Kopie digital genutzt werden kann.
Nicht jeder Publisher macht bislang mit
Vollständig ist die Unterstützung allerdings noch nicht.
Microsoft selbst weist darauf hin, dass nicht jede Disc funktioniert und während der Testphase weitere Spiele hinzukommen sollen.
Nach aktuellen Auswertungen fehlen derzeit unter anderem viele Titel von:
- Sega
- Square Enix
- Bandai Namco
- Ubisoft
Windows Central weist allerdings ebenfalls darauf hin, dass dies kein endgültiger Zustand sein muss. Lizenzvereinbarungen können im Verlauf des Tests angepasst und weitere Spiele nachträglich freigeschaltet werden.
Ein gutes Beispiel für die Unterschiede innerhalb einzelner Reihen ist Dead Rising: Während Dead Rising, Dead Rising 2 und Dead Rising 4 in der aktuellen Liste auftauchen, fehlt Dead Rising 3 bislang.
Xbox 360 und Original Xbox bleiben vorerst außen vor
Eine klare technische Grenze gibt es weiterhin bei älteren Konsolengenerationen.
Discs der Xbox 360 und der ursprünglichen Xbox können derzeit keine Disc-to-Digital-Lizenz erzeugen. Unterstützt werden physische Spiele für Xbox One und Xbox Series X.
Das gilt auch dann, wenn ein älterer Titel über die Abwärtskompatibilität grundsätzlich auf einer aktuellen Xbox-Konsole spielbar ist.
Microsoft begründet die Einschränkungen mit den für die digitale Zuordnung notwendigen Disc-Kennungen und den jeweiligen Lizenzbedingungen.
Disc-to-Digital jetzt in allen Insider-Ringen verfügbar
Der Test wurde inzwischen außerdem deutlich ausgeweitet.
Disc-to-Digital startete zunächst für Alpha Skip-Ahead, Alpha und Beta. Inzwischen wurde die Funktion auch für Delta und Omega freigeschaltet und ist damit grundsätzlich in allen Xbox-Insider-Ringen angekommen. Bei ganz neu registrierten Omega-Nutzern kann die Freischaltung allerdings noch verzögert erfolgen.
Ein öffentlicher Veröffentlichungstermin für alle Xbox-Nutzer wurde noch nicht genannt.
Die wichtigste Unsicherheit rund um das Lizenzmodell ist nun jedoch geklärt: Wer eine Disc einmal erfolgreich digital aktiviert hat, muss sie nicht alle paar Tage oder Wochen wieder aus dem Regal holen. Solange niemand anderes genau diesen Datenträger für sein Konto beansprucht, bleibt die digitale Xbox-Lizenz bestehen.

