Blizzard hat auf der BlizzCon 2026 in einem eigenen Deep-Dive-Panel offengelegt, wie sich World of Warcraft: Forever vom bestehenden WoW Classic unterscheiden soll. Die Kurzfassung: weniger Reibung, mehr Gründe, andere Spieler überhaupt wahrzunehmen – und ein Azeroth, in dem die alten Lösungswege nicht mehr automatisch funktionieren. Das erklärte Ziel des Teams ist, das über zwanzig Jahre durchoptimierte Spiel wieder in einen Zustand zu versetzen, in dem Experimentieren lohnt.
Realms werden durch Regelwerke ersetzt
Die strukturell größte Änderung betrifft die Server. Forever verzichtet auf klassische Realms. Statt eines Servers wählt man beim Einstieg ein Regelwerk und bleibt für Gruppenspiel und Fortschritt innerhalb dieses Regelwerks.
Zum Start stehen Normal, PvP und Rollenspiel zur Verfügung; ein Hardcore-Regelwerk soll später folgen. Hintergrund ist eine Beobachtung, die jeder Classic-Spieler kennt: Die Bevölkerung konzentriert sich auf wenige populäre Realms, während der Rest verödet. Ohne Realm-Grenzen begegnet man auf dem Weg durch Azeroth deutlich mehr Menschen als in den bisherigen WoW-Varianten.
Lagerfeuer als soziales System
Aus dem alten Kochfeuer wird ein Lagerplatz. Jeder Spieler kann ein Basis-Lagerfeuer aufstellen, an dem sich andere ausruhen, reparieren und Händler platzieren können. Entscheidend ist, dass die Buffs nicht per Mausklick im Vorbeigehen mitgenommen werden: Man muss sich tatsächlich hinsetzen und kurz rasten, um den einstündigen Effekt zu erhalten.
Rundherum lassen sich Objekte platzieren, die aus den Berufen stammen – beim Basis-Lagerfeuer bis zu drei Stück:
- Schmiedekunst: ein Schleifstein, der Angriffskraft erhöht
- Schneiderei: ein Fraktionsbanner, das zusätzliche Willenskraft gibt
- Kräuterkunde: eine Räucherkerze, die Intelligenz steigert
Diese Effekte sind Varianten der bekannten Klassenbuffs und stapeln sich nicht mit ihnen. Köche können später verbesserte Lagerfeuer herstellen, die mehr Objekte tragen; einzelne fortgeschrittene Rezepte fallen als Baupläne bei Dungeon-Bossen. Jeder Beruf bekommt insgesamt über 600 neue Rezepte, verteilt über alle Stufenbereiche.
Transmog, das man abschalten kann
Optische Anpassung von Ausrüstung war der Punkt mit dem größten Konfliktpotenzial – und Blizzard löst ihn über eine Grundsatzentscheidung beim ersten Login. Dort wählt man zwischen zwei Modi: Klassisch blendet Transmog vollständig aus, sowohl bei der eigenen Figur als auch bei allen anderen. Erweitert schaltet das System ein.
Wer es nutzt, kann Erscheinungsbilder nur innerhalb derselben Rüstungsklasse anwenden, dafür aber Sets speichern, die je nach getragener Rüstung greifen. Umhang und Helm lassen sich wie gewohnt ein- oder ausblenden.
Um Streit um Beute zu vermeiden, koppelt Blizzard die Freischaltung vom Würfeln ab: Gegenstände von ungewöhnlicher und seltener Qualität, die beim Aufheben gebunden werden, schalten das Aussehen für alle berechtigten Spieler in der Gruppe frei. Epische Gegenstände sind davon ausgenommen – im Raid gilt weiterhin die normale Verteilung.
Das Legacy-System
Neu ist eine kontoweite Fortschrittsebene. Über Legacy-Herausforderungen – etwa das Hochspielen einer weiteren Klasse oder eines weiteren Berufs – sammelt man Punkte, die sich in drei Bäume investieren lassen.
| Baum | Beispiel-Perk | Wirkung |
|---|---|---|
| Abenteuer | Well Rested | Erhöht die Obergrenze für Ausruh-Erfahrung |
| Berufe | Bountiful Harvest | Mehr Materialien beim Sammeln |
| Findigkeit | Reagent Economy | Klassenfähigkeiten und Lagerfeuer der Stufe 1 brauchen keine Reagenzien mehr |
Die Punkte sind kontoweit, jeder Charakter darf sie aber eigenständig verteilen. Zum Start stehen 16 Punkte zur Verfügung, insgesamt sollen 65 erreichbar sein. Parallel läuft eine Belohnungsleiste für kosmetische Gegenstände, die sich an der Gesamtpunktzahl orientiert. Weitere Bäume sind angekündigt.
Am Rande bestätigte das Team außerdem, dass Reittiere nach dem Modell von Burning Crusade funktionieren – der wesentliche Kostenpunkt ist die Fähigkeit, nicht das Reittier selbst.
Sechs neue Volk-Klassen-Kombinationen
Nach der Eröffnungszeremonie war nur ein Teil der neuen Kombinationen bekannt. Das Deep Dive nannte die vollständige Liste für den Start:
| Volk | Neue Klasse |
|---|---|
| Gnom | Priester |
| Mensch | Jäger |
| Zwerg | Schamane |
| Ork | Magier |
| Troll | Hexenmeister |
| Untoter | Paladin |
Weitere Kombinationen sollen in späteren Updates folgen. Eine komplett neue Klasse hat Blizzard für Forever bislang nicht angekündigt. Das neue Volk der Himmelsgeborenen bringt eigene Regeln mit: Auf beiden Seiten stehen Krieger, Jäger, Schurke und Druide offen, Horde-Himmelsgeborene bekommen zusätzlich den Schamanen, Allianz-Himmelsgeborene exklusiv den Magier.
Ausrüstung, die nicht mehr nur für eine Rolle taugt
Der letzte große Block betrifft die Itemisierung. Ein Großteil der bestehenden Gegenstände wurde überarbeitet oder durch neue ersetzt, mit dem Ziel, dass Beute für mehr als eine Klasse und Rolle brauchbar ist. Bosse werfen durchgängig bessere Ausrüstung ab. Auch die Volksfähigkeiten wurden angefasst: Bestehende Boni sind verstärkt worden, dazu kommen neue.
Genau hier liegt die Nagelprobe für das Projekt. Vanilla-WoW ist seit Jahren vollständig durchgerechnet – jede Klasse hat ihre optimale Skillung, jeder Raid seine bekannte Reihenfolge, jede Rolle ihre feste Ausrüstungsliste. Wenn Blizzard Gegenstände, Talente und Volksboni gleichzeitig verschiebt, bricht diese Wissensbasis auf. Ob daraus echte Entdeckungsfreude wird oder nur eine kurze Phase der Verunsicherung, bevor die Community die neuen Optima ausrechnet, entscheidet sich in den ersten Wochen.
Der Start ist für den 4. November angesetzt, in Deutschland also die Nacht auf den 5. November. Gespielt wird im laufenden WoW-Abo; die Beta läuft ab dem 17. September und setzt den Kauf eines der kostenpflichtigen Pakete voraus.

