Die Beta von World of Warcraft: Forever ist offenbar deutlich größer gestartet, als Blizzard selbst erwartet hatte. Warteschlangen, Verbindungsabbrüche und massive Verzögerungen beim Plündern oder Annehmen von Quests bestimmten zunächst den Start. Senior Game Designer Josh Greenfield zeigt sich trotzdem begeistert: In seinen 17 Jahren bei Blizzard habe er noch nie vergleichbare Zahlen erlebt. Konkrete Spielerzahlen veröffentlicht das Unternehmen allerdings nicht.
World of Warcraft: Forever ging am 17. September 2026 in die Beta und stößt dabei offenbar auf enormes Interesse.
Wie groß der Ansturm tatsächlich ist, lässt sich bislang nicht beziffern. Blizzard veröffentlicht weder gleichzeitige Spielerzahlen noch die Anzahl der aktivierten Beta-Accounts.
Die Reaktion der Entwickler zeigt allerdings, dass die Nachfrage intern für Überraschung gesorgt hat.
„Die verrücktesten Zahlen, die ich in 17 Jahren gesehen habe“
Josh Greenfield gehört seit Jahren zu den bekanntesten Entwicklern des Classic-Teams und arbeitet nach eigenen Angaben seit 17 Jahren bei Blizzard.
Nach dem Start der Forever-Beta schrieb er, dass die vergangenen Stunden „crazy“ gewesen seien. Es handle sich um die außergewöhnlichsten Zahlen, die er während seiner gesamten Zeit bei Blizzard erlebt habe.
Greenfield arbeitet seit fast acht Jahren speziell an World of Warcraft Classic.
Seine Reaktion lässt damit auf einen ungewöhnlich großen Beta-Ansturm schließen.
Eine konkrete Einordnung liefert Blizzard jedoch nicht. Es ist deshalb nicht bekannt, ob Greenfield beispielsweise Login-Versuche, aktive Spieler, erstellte Charaktere oder eine andere interne Kennzahl meint.
Ebenso wenig lässt sich daraus belastbar ableiten, dass die Forever-Beta bereits größere Spielerzahlen erreicht als der Start von WoW Classic im Jahr 2019.
Warteschlangen waren nur das erste Problem
Dass Blizzard mit dieser Nachfrage offenbar nicht gerechnet hatte, zeigte sich unmittelbar nach Öffnung der Server.
Spieler berichteten unter anderem über:
- lange Warteschlangen
- Disconnects nach dem Login
- verzögertes Plündern
- langsam angenommene Quests
- hohe Serverlatenzen
- zwischenzeitliche Neustarts
Senior Game Producer Tom Ellis erklärte anschließend ungewöhnlich detailliert, was hinter den Problemen steckte.
Der wichtigste Punkt: Die Forever-Beta läuft nicht auf derselben Infrastruktur, die Blizzard für einen regulären WoW-Release bereitstellt.
Blizzard nutzte eine deutlich kleinere Beta-Infrastruktur
Laut Ellis handelt es sich um Blizzards Beta-/PTR-Umgebung.
Diese sei technisch weit von einem vollständigen Produktions-Stack entfernt.
Der Grund dafür ist vergleichsweise simpel: Normale World-of-Warcraft-Betas erzeugen nach Erfahrung des Studios üblicherweise keinen vergleichbaren Ansturm. Entsprechend war die dafür vorgesehene Infrastruktur deutlich kleiner dimensioniert.
Besonders problematisch war, dass die Beta zunächst nur über einen regionalen Realm beziehungsweise eine kleine regionale Infrastruktur abgewickelt wurde.
Die ungewöhnlich hohe Zahl gleichzeitiger Verbindungen führte dazu, dass ein internes Schutzsystem den Zugriff begrenzte.
Das Resultat waren unter anderem Spieler, die zunächst die Warteschlange überstanden und anschließend trotzdem aus dem Spiel flogen.
Blizzard fand den ersten Engpass nach rund 30 Minuten
Interessanterweise waren die eigentlichen Server zunächst nicht vollständig ausgelastet.
CPU- und Speicherauslastung deuteten laut Ellis zunächst nicht auf den offensichtlichen Flaschenhals hin.
Erst nach ungefähr einer halben Stunde identifizierten die Entwickler das System, das die Verbindungen begrenzte.
Blizzard erhöhte anschließend die Zahl der Verbindungen beziehungsweise regionalen Instanzen.
Nach dieser Änderung verschwanden die entsprechenden Disconnect-Probleme offenbar weitgehend.
Für Ellis war die Situation selbst nach zwei Jahrzehnten WoW-Infrastruktur ungewöhnlich: Es sei das erste Mal gewesen, dass das System in dieser Form reagiert habe, ohne dass gleichzeitig ein offensichtliches CPU-Problem auftrat.
Danach machte die Datenbank Probleme
Nach den Login-Schwierigkeiten tauchte bereits der nächste Flaschenhals auf.
Spieler konnten zwar in Azeroth unterwegs sein, mussten aber teilweise ungewöhnlich lange auf Aktionen warten, die eine Kommunikation mit der Datenbank benötigen.
Dazu gehörten beispielsweise das Plündern von Gegnern oder die Interaktion mit Quests.
Blizzards Datenbankingenieure mussten daraufhin die entsprechenden Tabellen analysieren und automatisierte Prozesse anpassen.
Die enorm hohe Zahl neuer Einträge hatte laut Ellis dazu geführt, dass vorhandene Datenbankannahmen nicht mehr zur tatsächlichen Belastung passten.
Nach der Korrektur normalisierte sich die Performance.
Leere Maps fraßen anschließend CPU und Speicher
Damit waren die Probleme allerdings noch nicht vollständig gelöst.
Einige Stunden später stellte Blizzard fest, dass die sogenannten WORLD-Pools zunehmend hohe CPU- und Speicherwerte erreichten.
Dabei handelt es sich um die Systeme, auf denen die eigentliche Spielsimulation läuft.
Die Ursache war ein Fehler beim Herunterfahren leerer Karten.
Maps ohne aktive Spieler wurden nicht korrekt beendet und belegten dadurch weiterhin Ressourcen. Mit zunehmender Laufzeit sammelten sich immer mehr dieser Instanzen an.
Blizzard entwickelte einen Fix, musste für dessen Aktivierung allerdings die Server neu starten.
Gleichzeitig wurden zusätzliche WORLD-Instanzen bereitgestellt und die regionale Infrastruktur erweitert.
Danach lief die Beta deutlich stabiler
Nach den Arbeiten berichtete Ellis von einer erheblich stabileren Situation.
Spieler seien anschließend wieder auf die Server geströmt, ohne dass vergleichbare Probleme auftraten.
Das Classic-Team beobachtet die Umgebung weiterhin und greift bei Fehlern ein, die Spieler am Fortschritt hindern.
Damit scheint Blizzard den ungewöhnlich turbulenten Start zumindest vorerst stabilisiert zu haben.
Beta läuft bis zum 21. Oktober
Die World-of-Warcraft-Forever-Beta läuft offiziell vom 17. September bis zum 21. Oktober 2026.
Blizzard öffnet während des Tests schrittweise weitere Inhalte.
Zum Start stehen unter anderem Zoneninhalte bis Stufe 20 und zusätzliche Forever-Inhalte zur Verfügung. Später sollen weitere Zonen, Dungeons und ein neues Schlachtfeld folgen.
Außerdem plant Blizzard während der Beta einen zeitlich begrenzten Server-Stresstest, bei dem die Server für mehrere Stunden für alle Spieler geöffnet werden sollen.
Für die reguläre Beta können Spieler weiterhin auf eine Einladung hoffen. Blizzard nennt außerdem bestimmte Forever-Pakete als Möglichkeit für direkten Betazugang.
WoW Forever erscheint Anfang November
Der reguläre Start folgt nur wenige Wochen nach Abschluss des Tests.
World of Warcraft: Forever erscheint in Deutschland am 5. November 2026 um 00:00 Uhr MEZ.
Der Zugang zum eigentlichen Spiel ist im normalen World-of-Warcraft-Abonnement beziehungsweise über reguläre Spielzeit enthalten.
Bis dahin dürfte Blizzard die außergewöhnlich hohe Beta-Nachfrage vor allem als Belastungstest betrachten.
Konkrete Rekordzahlen fehlen zwar weiterhin. Dass selbst ein Entwickler mit 17 Jahren Blizzard-Erfahrung vom Ausmaß des Ansturms überrascht ist, zeigt jedoch, dass Forever bereits vor dem eigentlichen Release erhebliches Interesse erzeugt.

