Blizzard überprüft derzeit die Mythic+-Ranglisten aus Season 1 von World of Warcraft: Midnight auf unrechtmäßig erreichte Platzierungen. Im Mittelpunkt stehen Spieler, die sich ihren Platz innerhalb der besten ein Prozent durch nicht erlaubte Boosting-Dienste verschafft haben könnten. Das ist besonders brisant, weil der Top-1%-Grenzwert über eine exklusive saisonale Belohnung entscheidet und jeder illegitime Eintrag gleichzeitig einen regulären Spieler aus dem berechtigten Teilnehmerfeld verdrängen kann.
WoW Senior Game Director Ion Hazzikostas bestätigte gegenüber PC Gamer, dass das Entwicklerteam eine umfassende Überprüfung der Ergebnisse von Season 1 durchführt. Blizzard will anschließend erklären, wie die Prüfung vorgenommen wurde und zu welchen Ergebnissen sie geführt hat.
Top 1% erhalten erstmals ein exklusives Mount
Mit Midnight hat Blizzard das Belohnungssystem im oberen Mythic+-Bereich erweitert. Wer Season 1 innerhalb der besten ein Prozent aller Mythic+-Spieler seiner Region beendet hat, qualifiziert sich für den Erfolg „Umbral Champion“ und das exklusive Reittier Umbral Ashes.
Darüber liegt zusätzlich die Top-0,1%-Kategorie, die den Titel „Umbral Hero“ vergibt. Blizzard bestätigt beide Grenzen ausdrücklich als prozentuale Ranglistenbelohnungen. Die finalen Cutoffs wurden beim Übergang von Season 1 zur Pre-Season von Season 2 berechnet.
Genau dieser Ansatz macht illegitime Boosts problematischer als bei einem festen Wertungslimit. Bei einer Belohnung, für die beispielsweise lediglich 3.400 Punkte erforderlich sind, verliert niemand seinen Anspruch, wenn ein zusätzlicher Spieler diese Marke durch einen Carry erreicht. Bei einer festen Top-1%-Quote sieht das anders aus: Jeder zusätzliche Account innerhalb des Cutoffs kann einen anderen Spieler unter die Grenze drücken.
Nicht jeder bezahlte Carry ist automatisch verboten
Wichtig ist allerdings die Unterscheidung zwischen verschiedenen Arten von Boosting. Blizzard verbietet nicht grundsätzlich jede Dienstleistung, die gegen WoW-Gold angeboten wird.
Einzelne Spieler oder Gilden dürfen weiterhin über die vorgesehenen Ingame-Kanäle Aktivitäten gegen Spielwährung verkaufen. Verboten sind dagegen organisierte Boosting-Communities, insbesondere realmübergreifende Organisationen, die solche Dienste vermitteln. Echtgeldhandel verstößt ebenfalls gegen die Regeln.
Blizzard hatte diese Richtlinien bereits 2022 verschärft und ausdrücklich klargestellt, dass Verstöße zu Verwarnungen, Sperren oder im Extremfall zur dauerhaften Schließung eines Accounts führen können.
Die aktuelle Prüfung dürfte deshalb nicht einfach alle Spieler erfassen, die sich einen Mythic+-Run mit Gold gekauft haben. Entscheidend ist vielmehr, ob Blizzard die verwendeten Methoden beziehungsweise Anbieter als Regelverstoß einstuft.
Prozentuale Grenze sorgte schon vor Saisonende für Kritik
Das System selbst war bereits vor der aktuellen Boosting-Diskussion umstritten. Anders als bei festen Wertungszielen bewegte sich der notwendige Score für einen Platz unter den besten ein Prozent bis unmittelbar vor Saisonende weiter.
Spieler in der Nähe des Cutoffs konnten sich deshalb nie sicher sein, ob ihre Wertung tatsächlich reichen würde. In der Community berichteten einige Nutzer davon, dass sie sich kurzfristig innerhalb der Top 1% befanden und bereits wenig später wieder aus dem Bereich herausfielen.
Blizzard sieht in der dynamischen Grenze allerdings auch Vorteile. Associate Game Director Paul Kubit erklärte, dass ein prozentuales System die besten Spieler länger dazu motivieren soll, ihre Wertung weiter zu verbessern, anstatt nach Erreichen eines festen Scores die Saison praktisch zu beenden.
Blizzard denkt über Ranglisten für einzelne Specs nach
Gleichzeitig beschäftigt sich das Entwicklerteam bereits mit einer möglichen grundlegenderen Änderung. Für zukünftige Seasons untersucht Blizzard spezialisierungsspezifische High-End-Belohnungen und Ranglisten.
Anstatt beispielsweise einen Feral-Druiden direkt mit allen anderen Klassen und Spezialisierungen um denselben globalen Cutoff konkurrieren zu lassen, könnte seine Leistung künftig stärker im Vergleich mit anderen Feral-Druiden bewertet werden.
Das soll vor allem einem bekannten Mythic+-Problem entgegenwirken: Je höher die Schlüsselsteinstufe, desto stärker konzentrieren sich Gruppen auf wenige Meta-Spezialisierungen. Dadurch können Spieler mit weniger gefragten Specs trotz hoher individueller Leistung erheblich schlechtere Chancen auf Spitzenplatzierungen haben.
Hazzikostas bestätigte, dass Blizzard dieses Modell prüfen möchte. Eine fertige Umsetzung gibt es allerdings noch nicht. Für die bereits laufende Midnight Season 2 ist die Änderung ausdrücklich nicht vorgesehen.
Ergebnisse der Prüfung stehen noch aus
Midnight Season 2 ist inzwischen gestartet und Mythic+ läuft seit dem 18. August mit einer neuen Dungeon-Rotation. Die Diskussion um Season 1 ist dennoch noch nicht abgeschlossen.
Die Top-1%-Belohnungen waren zum Zeitpunkt der von PC Gamer veröffentlichten Entwicklergespräche noch nicht verteilt worden. Blizzard hat damit die Möglichkeit, problematische Platzierungen zu entfernen, bevor die exklusiven Rewards endgültig vergeben werden.
Wie viele Accounts tatsächlich betroffen sind und welche Kriterien Blizzard bei der Bereinigung der Rangliste anlegt, ist derzeit noch offen. Genau diese Details will das Entwicklerteam nach Abschluss der Überprüfung veröffentlichen. Für Spieler nahe am ursprünglichen Cutoff könnte das Ergebnis entscheidend sein: Werden ausreichend illegitime Platzierungen gestrichen, könnten sich die finalen berechtigten Top 1% noch einmal verändern.

