Die Leidenschaft der Silent Hill-Community ist legendär – und sie hat offenbar auch ihre dunklen Seiten. In einem aktuellen Interview spricht Regisseur Christophe Gans offen über Morddrohungen, die ihn während der Arbeit an der ersten Silent-Hill-Verfilmung erreicht haben.
Gans, der 2006 die erste Kinoadaption der Kultreihe verantwortete und nun mit Return to Silent Hill zurückgekehrt ist, beschreibt die Situation rückblickend als belastend, aber prägend für seine Arbeit.
„Eine respektvolle Adaption eines Klassikers zu schaffen, war eine enorme Herausforderung. Wir wissen, dass Videospiel-Fans sehr leidenschaftlich sind. Als ich den ersten Film drehte, wurde ich bedroht. Man schrieb mir: ‚Wenn du diesen Film ruinierst, finden wir dich.‘ Deshalb bin ich dieses Projekt mit großer Verantwortung angegangen – und das zweite umso mehr.“
Zwischen Fan-Erwartungen und Kinopublikum
Gans betont, dass er sich stets in einem Spannungsfeld bewegte. Einerseits wollte er der Vorlage gerecht werden, andererseits auch Zuschauer erreichen, die nie ein Silent-Hill-Spiel angerührt haben.
„Gleichzeitig war es mir wichtig, auch an die Menschen zu denken, die keine Spiele gespielt haben – und es auch heute nicht tun“, erklärt der Regisseur.
Diese Balance sei eine der größten Herausforderungen bei Videospielverfilmungen überhaupt. Silent Hill, mit seiner dichten Atmosphäre und psychologischen Symbolik, eigne sich zwar für das Kino, bringe aber extrem hohe Erwartungen mit sich.
Vom Verriss zum Kultstatus
Zum Zeitpunkt seines Kinostarts wurde die erste Silent Hill-Verfilmung von Kritikern weitgehend zerrissen. Auf Rotten Tomatoes kam der Film lediglich auf 34 Prozent Zustimmung. Über die Jahre wandelte sich die Wahrnehmung jedoch deutlich.
Christophe Gans zeigt sich heute sichtlich zufrieden mit dieser Entwicklung:
„Ich habe mit großer Freude beobachtet, wie der Ruf dieses Films im Laufe der Zeit gewachsen ist. Bei internationalen Pressekonferenzen sagen mir Journalisten oft: ‚Ich habe Ihren Film mit 13 oder 14 gesehen und er hat mir wirklich gefallen.‘„
Für den Regisseur ist das ein besonderer Moment. Statt nur mit zeitgenössischer Kritik konfrontiert zu sein, trifft er inzwischen auf eine neue Generation von Fans, die den Film neu entdeckt hat.
„Der Test der Zeit ist die ultimative Prüfung. Und wenn man ihn besteht, merkt man, dass die Arbeit nicht umsonst war.“
Return to Silent Hill enttäuscht Kritiker
Ganz anders fällt bislang jedoch die Resonanz auf Return to Silent Hill aus. Der neue Film, der lose auf Silent Hill 2 basiert und diese Woche weltweit in den Kinos gestartet ist, stößt auf deutliche Ablehnung. Aktuell liegt die Bewertung auf Rotten Tomatoes bei nur 16 Prozent – sowohl Kritiker als auch Fans äußern sich überwiegend negativ.
Ob auch dieser Film mit der Zeit eine Neubewertung erfährt, bleibt offen. Christophe Gans weiß jedoch aus eigener Erfahrung, dass gerade Silent Hill ein Werk ist, das sich nicht sofort erschließt – und dessen Wirkung sich oft erst Jahre später entfaltet.
Fest steht: Kaum eine Videospielmarke zeigt so deutlich, wie schmal der Grat zwischen Fanliebe, Erwartungsdruck und offener Feindseligkeit sein kann.
