Am 10. September erscheint auf Steam ein Aufbau- und Lebenssimulator, dessen Grundidee man in einem Satz erklären kann: Man bewirtschaftet einen Hof, freundet sich mit den Nachbarn an, dekoriert sein Haus — und wird dabei durchgehend von uralten Wesen beobachtet, die kein Interesse an einer guten Kürbisernte haben.
Welcome to Elderfield ist das Erstlingswerk des Einzelentwicklers Chris Cote, verlegt vom britischen Publisher Kwalee. Eine kostenlose Demo steht bereits auf Steam bereit.
Was das Spiel anders macht
Die Grundstruktur folgt dem bekannten Muster: Landwirtschaft, Angeln, Bergbau, Kochen, Sammeln, Wohnungseinrichtung, Beziehungen zu den Bewohnern samt Freundschafts- und Romanzenoptionen sowie ein Kalender mit wiederkehrenden Ereignissen.
Der Unterschied steckt in den Details. Neben Mais und Kürbissen lassen sich Zähne und Augäpfel anbauen. Die Nutztiere sind es nicht im herkömmlichen Sinn. Umherziehende Kreaturen können einen ruhigen Arbeitstag jederzeit beenden. Und die lokalen Nachrichtensendungen, die man im Spiel verfolgen kann, werden von Woche zu Woche merkwürdiger.
Optisch setzt Cote auf handgezeichnete Grafik, die sich erkennbar an Horror-Manga orientiert. Der Soundtrack stammt von Dated und ist als dunkles Lo-Fi angelegt — eine Kombination, die den Widerspruch zwischen Gemütlichkeit und Unbehagen tragen soll, auf dem das ganze Spiel aufbaut.
Dazu kommt ein rundenbasiertes Kampfsystem. Gegen die Alten Götter braucht man gesammelte Ressourcen, Ausrüstung und gezielt eingesetzte Verstärkungen. Der Publisher fasst die erwartete Spielerfahrung in der Ankündigung recht offen zusammen: sterben, lernen, weiter anbauen und sammeln, wieder sterben.
Zwei Wege durch dasselbe Spiel
Bemerkenswert ist die Lösung für ein Problem, an dem viele Genre-Mischungen scheitern. Wer Landwirtschaft will und keinen Horror, spielt im Cozy-Modus — dann bleibt es bei Ernte, Erkundung und dem seltsamen Alltag von Elderfield.
Wer die andere Richtung sucht, wählt den anspruchsvolleren Weg und bekommt die volle Kampf- und Überlebensmechanik. Das ist keine bloße Schwierigkeitsstufe, sondern verschiebt spürbar, welches Spiel man vor sich hat.
Diese Entscheidung dürfte auch erklären, warum die Demo so gut ankommt. Sie steht bei über 500 Bewertungen auf 96 Prozent positiv und wird auf Steam als überwältigend positiv geführt. Spielbar sind darin ein Teil der Stadt, der Hof samt Ranch, der erste Dungeon — ein totes Einkaufszentrum — sowie mehrere weitere Orte.
Wo das Spiel im Genre steht
Kosmischer Horror in Aufbauspielen ist keine völlig neue Idee, die Kombination mit einem Lebenssimulator im Stardew-Format aber schon. Der naheliegendste Vergleich ist Moonlight Peaks, das kürzlich erschien und das Genre in Richtung Pastell-Goth zieht. Elderfield geht deutlich weiter: Hier ist nicht die Ästhetik düster, sondern die Prämisse.
Der schwierigere Teil ist die Sichtbarkeit. Steam ist mit gemütlichen Aufbauspielen inzwischen so gesättigt, dass gute Titel schlicht untergehen — ein Problem, das die gesamte Indie-Szene auf dieser Plattform betrifft. Ein Erstlingswerk eines Einzelentwicklers hat es dabei besonders schwer, selbst mit Publisher im Rücken.
Genau deshalb ist die Demo-Bewertung der interessanteste Wert an dieser Ankündigung. Über 500 Rückmeldungen bei 96 Prozent Zustimmung sind für ein noch nicht erschienenes Spiel dieser Größenordnung eine belastbare Grundlage — und ein besserer Indikator als jeder Trailer.
Ob sich der Blick lohnt
Für alle, die Stardew Valley durchhaben und seither vergeblich nach etwas suchen, das nicht nur dieselbe Formel mit anderen Farben wiederholt, ist Elderfield der derzeit interessanteste Kandidat. Die Grundmechanik ist vertraut genug, um sofort zu funktionieren, und die Abweichungen sind groß genug, um nicht nach Kopie auszusehen.
Der ehrliche Vorbehalt: Erstlingswerke von Einzelentwicklern haben in diesem Genre eine gemischte Bilanz, weil ein Lebenssimulator über Dutzende Stunden tragen muss und nicht über zwei. Ob Elderfield diese Distanz durchhält, lässt sich vor dem Erscheinen nicht sagen — die Demo kostet allerdings nichts und beantwortet zumindest die Frage, ob einem der Ton liegt.
Ein offizieller Release-Trailer ist angekündigt. Welcome to Elderfield erscheint am 10. September für den PC über Steam.

