Was war der erste Esport?

Computerspiele gibt es nun schon seit mehr als einem halben Jahrhundert. In den frühen Jahren wurden solche Games noch von Professoren an Universitäten entwickelt und auf Rechnern abgespielt, die heutzutage nicht mehr in ein gewöhnliches Wohnzimmer passen würden. Irgendwann wurden diese Spiele dann professionell gezockt, doch wann kam eigentlich der erste Esport?

Schaut man sich die Esport-Industrie heute an, dann ist es kaum nachzuvollziehen, wie klein früher alles angefangen hat. Vor 20 Jahren gab es die Stadien noch nicht. Die Spieler kämpften um Gutscheine und Magazin-Abos, und nicht um siebenstellige Preissummen. Events wurden vor einem Dutzend Zuschauern gecastet, nicht vor Hunderttausenden.

In den 70er Jahren ging der Videospiel-Boom so richtig los. Konsolen wie die Magnavox-Odyssey machten den Genuss im Eigenheim möglich. Der PC war aber noch weit von der Massentauglichkeit entfernt und stand – wenn überhaupt – im Rechenzentrum der Uni. Die ersten Spiele gab es tatsächlich schon in den 50er Jahren, doch die Mainstream-Spielkultur entwickelte sich erst mit den Konsolen und den Arcade-Hallen, die die 80er dominierten.

SPACEWAR!

Was zählt denn nun als der erste Esport? Da sind sich die Experten nicht vollständig einig, aber der früheste Kandidat ist ein Spiel namens “Spacewar!”. Steve Russel und einige seiner MIT-Universitätskollegen entwickelten diesen Raumschiff-Shooter im Jahre 1962. Lauffähig war er auf dem DEC PDP-1 Computer.

Zwei Raumschiffe trafen im Kampf aufeinander. Ihnen standen nur begrenzte Munition und Treibstoff zur Verfügung. Die Schiffe befanden sich im Sog eines Sterns, und so wurde das Manövrieren zur wichtigsten Herausforderung des Spiels. “Spacewar!” wurde zu einem Phänomen der IT-Community und verbreitete sich schnell an den Universitäten in den Vereinigten Staaten.

Doch warum ist dieses Spiel nun der erste Esport? Im Jahr 1972 veranstaltete die Stanford University die “Intergalactic-Spacewar-Olympics”. 24 Spieler trafen zusammen, um sich zu messen und den besten “Spacewar!”-Spieler zu bestimmen. Dabei ging es um einen saftigen Preis: Ein Jahresabo für das “Rolling Stone”-Magazin!

Auch wenn es sich dabei natürlich um eine extrem wertvolle Preissumme handelt, kann das Event mit The International oder dem Fortnite World Cup nicht ganz mithalten. Keiner der Spieler, die damals an dem Turnier teilgenommen hatten, erhofften sich, aus “Spacewar!” eine Karriere zu machen. Es dauerte noch weitere 25 Jahre, bis es den ersten Großverdiener im Esport gab.

THRESH: DER ERSTE ESPORT-PROFI

Das Guiness Buch der Rekorde führt Dennis “Tresh” Fong als den ersten professionellen Zocker. Als das Spiel “Quake” im Jahr 1996 Wellen machte, wollten Microsoft und id Software ein Zeichen setzen. Sie veranstalteten das Turnier “Red Annihilation”, bei dem es um ganze $5000 ging. Doch der Chefentwickler des Spiels, John D. Carmack, setzte noch einen drauf, denn er bot seinen eigenen Ferrari als großen Preis an.

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Als Thresh dann das Finale gegen Tom “Entropy” Kimzey gewinnen konnte, war Carmack sogar noch bereit, die Autoversicherung zu unterschreiben. Mit diesem saftigen Preis wurde Thresh zum ersten professionellen Spieler. Viele Zocker folgten in seinen Fußstapfen, doch der Weg zur Esports-Industrie, wie wir sie heute kennen, war noch lang und steinig. Über die World Cyber Games, die Intel Extreme Masters, bis hin zu den League of Legends Worlds und Dota’s The International brauchten die kompetitiven Spieler Jahre, um zu professionellen Athleten zu werden, die mit diesem Wettkampf auch ihren Lebensunterhalt verdienen können.