Was fehlt VALORANT?

VALORANT hat sich in kürzester Zeit bereits eine beachtliche Esports-Szene erarbeitet. Aus Overwatch, CS:GO, Fortnite und PUBG kommen zahlreiche Profispieler und versuchen ihr Glück in diesem neuen Titel. Dabei ist das Spiel noch jung und es fehlen einige Features, die man von anderen Shootern und kompetitiven Spielen gewohnt ist. Wir sehen uns die Wünsche der Profis mal genauer an und beantworten die Frage, was VALORANT momentan noch fehlt.

DEMO-REPLAY

Rainbow Six: Siege, der ultrataktische Shooter von Ubisoft, erhält in den kommenden Monaten ein Replay-System. Damit lassen sich die Matches wie eine Momentaufnahme im Spiel wiederholen. Normale Stream-Aufnahmen eines Turniers können nur eine Perspektive zeigen und offenbaren meistens nur wenig Informationen. Mit dem Replay-Feature können die Matches aber auseinandergenommen, analysiert und diskutiert werden. Das Verhalten einzelner Spieler kann unter die Lupe genommen werden. Möchte man von einem Profi lernen, so kann man sich das gesamte Match aus seiner Perspektive ansehen.

Siege reiht sich damit in eine lange Liste von Esport-Titeln ein, die diese Replay-Funktionalität anbieten. Unter anderem liefern Counter-Strike: Global Offensive, League of Legends, oder Overwatch dieses Feature aus. Profis können mit Turnier-VODs nur begrenzt arbeiten. Die taktische Tiefe des Spiels wird von solch einem System enorm profitieren und zumindest haben sich RIOT bereits dahingehend geäußert, dass sie an Replays arbeiten wollen.

Der CS:GO-Demoviewer: Rudimentär und verbuggt, aber er funktioniert!

MAP-AUSWAHL

In Counter-Strike konnten Spieler seit der Einführung von Matchmaking entscheiden, auf welchen Maps sie spielen wollen. Theoretisch können sie auch eine einzige Map nehmen und so lange spielen, bis sie ihr Gameplay dort perfektioniert haben. In Spielen wie Rainbow Six: Siege und auch VALORANT fehlt diese Option bislang. Die Entwickler begründen dies damit, dass sie die Match-suchenden Spieler nicht aufteilen und somit Wartezeiten kurz halten wollen.

Profi-Spieler können in Scrims gegen andere Teams über eigens erstellte Server spielen und die Rahmenbedingungen festsetzen. Für den Rest der Spielerbasis geht das aber nicht und so sind potenzielle Esport-Interessenten gezwungen, ständig auf zufällig gewählten Maps zu spielen. Es kann theoretisch lange dauern, bis sie endlich auf der Map ankommen, die sie tatsächlich lernen wollen. Momentan dürften sie aber noch Glück haben, schließlich gibt es nur vier Maps in VALORANT – womit wir schon beim nächsten Problem wären.

MEHR MAPS

Wie spielt man Best-of-Five Finale mit nur vier Karten? Viele Veranstalter organisieren ihre Turniere momentan so, dass das Team, welches durch das Upper Bracket ins Große Finale gekommen ist, mit einem 1-0-Vorteil startet. Somit werden nur vier Maps benötigt, aber das ist natürlich keine langfristige Lösung. Spiele wie CS:GO und Rainbow Six besitzen einen bedeutend größeren Pool, was wiederum das Skill-Ceiling des Spiels erhöht. Schließlich sind diese vier Maps schnell zu meistern. Irgendwann werden die Teams einen Punkt erreichen, an dem sie nichts neues mehr erfinden können und in einen Stillstand fallen. Dieser Moment kommt rasch, wenn die Pros nur so wenig Material zum Arbeiten bekommen.

Auf der Agenten-Front sind die VALORANT-Entwickler motiviert unterwegs und haben bereits eine enorme Bandbreite an Spielfiguren eingeführt, die für ein dynamisches Spiel sorgen. Aber wenn RIOT hier nicht vorsichtig sind, können sie dem Wettkampf großen Schaden zufügen.

GEHT VALORANT DEN WEG VON OVERWATCH?

Balancing ist ein kritischer Aspekt für jeden Esport-Titel. Wenn Waffen oder Charaktere ‘overpowered’ sind, wird der kompetitive Aspekt eines Spiels beeinträchtigt. Genau deswegen ist League of Legends so ein beliebter Esport – es geschieht selten, dass ein Champion so stark ist, dass er das ganze Spiel übernimmt und denn Wettkampf ruiniert. Wenn sowas doch einmal passiert, dann handeln RIOT relativ schnell, nehmen die betreffende Figur raus und überarbeiten sie. Mit fast 150 Champions halten sie ein beeindruckende Balance. Dieses Gleichgewicht muss VALORANT auch halten und einige Agenten, wie zum Beispiel Raze, machen das schwer.

Das Skill-Ceiling ist ebenfalls ein vieldiskutierter Aspekt. Overwatch wird schon seit Jahren dafür kritisiert, dass einige Spielfiguren zu leicht zu meistern sind. Noch schlimmer wird es, wenn die Fähigkeiten der Helden gar keine Leistung erfordern. Die Ultimate von Soldier 76, zum Beispiel, liest sich wie folgt: “Automatically aims your weapon at targets in view.” Der Sinn hinter dieser Fähigkeit ist also, dass der Spieler sich nicht anstrengen muss, um einen oder mehrere Kills zu erzielen. Sollte so etwas Bestandteil eines kompetitiven Shooters sein?

Wenn Solider 76 seine Ultimate-Fähigkeit ausführt, zielt seine Waffe automatisch.

VALORANT wurde auf dem Prinzip gebaut, dass die Fähigkeiten den Spielern lediglich helfen sollen, mit ihrem taktischen Denken und mechanischen Können Kills zu bekommen. Auch wenn sich das prinzipiell großartig anhört, wird dieses Mantra nicht immer konsistent umgesetzt. Killjoy, die neueste Agentin des Spiels, kann Turrets aufstellen, die auch ohne ihre Anwesenheit Schaden anrichten können.

Der Schaden ist nicht enorm, nur 11 HP pro Burst, aber hier wird eindeutig eine Kompente ins Spiel gebracht, deren Skill-Ceiling äußerst niedrig ist. Von den Problemen von Overwatch ist VALORANT aber noch weit entfernt, schließlich werden hier keine kostenlosen Kills verteilt. Die Positionierung der Turrets erfordert ebenfalls ein gewisses Können und Spielverständnis.

IST VALORANT EIN GUTER ESPORT-TITEL?

Kein einziger kompetitiver Shooter war so kurz nach seinem Release so poliert und beliebt wie VALORANT – so viel steht fest. Doch mit steigendem Alter wächst auch die Erwartungshaltung an das Spiel. Neue Maps müssen bald her, ansonsten riskieren die Entwickler, sowohl die Profis als auch die normalen Spieler zu langweilen. RIOT haben das Fundament für eine große Esport-Szene gelegt, nun müssen sie aber auch nachliefern und die Spielerbasis bei Stange halten. Denn die kompetitive Seite von VALORANT ist bereits jetzt schon solide und die bestehenden Probleme sind klein im Vergleich zu anderen Shooter-Titeln.

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