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Vom Trikot zum Turnier: Wie Dexsport seine Esports-Präsenz ausbaut

Jonas Teichmann
Jonas Teichmann Chefredakteur & Esports-Experte

Esports-Sponsorings haben ein bekanntes Problem: Der Launch ist meistens der lauteste Moment.

Ein neues Trikot erscheint, Social Media bekommt ein paar Tage lang neue Logos, vielleicht folgt ein Giveaway. Danach beginnt der schwierigere Teil. Die Marke muss einen Grund finden, warum sie für Fans auch dann noch relevant sein soll, wenn die Ankündigung längst aus dem Feed verschwunden ist.

Bei OG.Dexsport lässt sich dieser zweite Teil inzwischen besser beobachten.

Seit Mai trägt das Counter-Strike-2-Team den Namen OG.Dexsport. OG selbst kündigte Dexsport damals als neuen Headline-Sponsor des Rosters an und stellte bereits zum Start gemeinsame Fan-Aktionen, Content und Event-Aktivierungen in Aussicht.

Die interessante Frage ist einige Monate später nicht mehr, warum ein Betting-Unternehmen ein CS2-Team sponsert. Solche Partnerschaften gehören im Esports längst zum Alltag.

Spannender ist, was danach tatsächlich passiert.

Die Partnerschaft musste nach dem Launch weiterleben

Schon nach dem ersten Monat zeichnete sich ab, dass OG.Dexsport nicht nur auf Jersey-Fläche setzte. Betrush zog eine erste Bilanz zu Content, Community-Kampagnen und Aktivierungen rund um den Turnierkalender. RaGEZONE beschrieb kurze Zeit später einen ähnlichen Effekt: Die Kooperation blieb nach dem Launch sichtbar, statt nach einigen Wochen in den Hintergrund zu rutschen.

Für einen Sponsor ist das im Esports wichtiger, als es zunächst klingt.

Fans erleben Teams nicht nur während eines Matches. Sie folgen Transfers, Scrims, Social Posts, Streams, Majors und den Wochen zwischen zwei Turnieren. Ein Logo erreicht zwar Broadcast-Reichweite; eine Partnerschaft wird aber erst dann Teil dieses Alltags, wenn sie an genau diesen Punkten wieder auftaucht.

Dexsport hat dafür einen naheliegenden Vorteil: Das eigene Produkt hat ohnehin einen direkten Bezug zu Wettbewerben wie Counter-Strike 2 und Dota 2. Es braucht also keinen künstlichen Umweg von der Marke zum Event.

Genau das wird bei den aktuellen Turnieraktionen sichtbar.

Pick’em statt nur Werbebanner

Für den CS2 Esports World Cup setzte Dexsport im August auf ein eigenes Pick’em-Format.

CS2 EWC Pick’em mit 5.000 US-Dollar Freebet-Pool

Beim CS2 EWC Pick’em können Nutzer für ausgewählte Matches einen Sieger tippen und Punkte für richtige Vorhersagen sammeln.

Die Teilnahme an den Predictions selbst ist kostenlos und erfordert keine Einzahlung. Für die Freebets gelten allerdings zusätzliche Bedingungen: Unter anderem müssen mindestens drei abgeschlossene Echtgeldwetten auf unterschiedliche CS2-EWC-Matches mit insgesamt mindestens 20 US-Dollar Einsatz vorhanden sein.

Der ausgeschriebene Freebet-Pool liegt bei 5.000 US-Dollar.

Interessant ist weniger die Höhe des Pools als das Format.

Ein Pick’em ist einer Esports-Community bereits vertraut. Fans diskutieren ohnehin Brackets, Upsets und Favoriten. Bei großen Turnieren gehört das Vorhersagen fast genauso zum Zuschaueralltag wie die Diskussion über Maps und Formkurven.

Der Sponsor baut seine Aktivierung damit nicht neben das Turnier, sondern auf eine Gewohnheit, die dort bereits existiert.

Dota 2 bekommt eine andere Mechanik

Bei Dota 2 sieht die Mechanik anders aus.

Für The International 2026 legte Dexsport vom 13. bis 23. August eine Turnier-Challenge auf, bei der ein Freebet-Pool von 50.000 US-Dollar über eine Rangliste verteilt wird.

Hier zählt qualifizierendes Wettvolumen auf das Turnier. Die 50 bestplatzierten Teilnehmer erhalten Freebets.

Zwei Spiele, zwei Aktivierungen. Das ist für die Einordnung wichtiger als die Werbesumme dahinter.

CS2 bekommt ein Prediction- und Leaderboard-Format, Dota 2 eine betting-basierte Challenge rund um The International.

Damit beginnt die Esports-Seite von Dexsport etwas eigenständiger zu wirken als ein angehängter Menüpunkt neben Fußball, Basketball oder Tennis.

Prediction wird selbst zum Produkt

Das Thema Vorhersage reicht inzwischen zudem über klassische Matchwetten hinaus.

Dexsport hat 2026 einen eigenen Bereich für Prediction Markets aufgebaut. Dort können Nutzer Positionen zu zukünftigen Ereignissen beziehen – von Krypto-Preisen über Wirtschaft bis hin zu Sport und anderen Themen.

Ein Markt kann beispielsweise fragen, welches Preisniveau Bitcoin vor Jahresende erreicht.

Pick’em und Prediction Market sind nicht dasselbe

Ein Pick’em und ein Prediction Market sind nicht dasselbe. Trotzdem liegt ihnen eine ähnliche Nutzergewohnheit zugrunde: Fans und Spieler bilden ohnehin ständig Erwartungen darüber, was als Nächstes passiert.

Im Esports ist das besonders ausgeprägt.

Wer ein CS2-Turnier verfolgt, diskutiert schon vor dem Match über Favoriten, Maps und mögliche Überraschungen. Das Produkt muss diese Diskussion nicht erst erfinden.

Es muss nur einen guten Weg finden, daran anzuknüpfen.

Sponsoring wird interessanter, wenn es sich nach dem Spielplan richtet

Das macht die Entwicklung von OG.Dexsport interessanter als die ursprüngliche Namensänderung.

Der Teamname und das Jersey schaffen Sichtbarkeit. Turnieraktionen, Pick’em-Formate und wiederkehrender Content entscheiden eher darüber, ob die Partnerschaft nach einigen Monaten noch mehr ist als eine Sponsorenfläche.

Fragster hat bei anderen Esports-Partnerschaften bereits einen ähnlichen Trend gesehen: Marken versuchen zunehmend, nicht nur Reichweite zu kaufen, sondern über Aktionen und Formate direkt in den Community-Alltag zu kommen.

Bei der deutschen LoL-Partnerschaft von idealo etwa gehören Merchandise, Gewinnspiele und eigene Broadcast-Elemente ausdrücklich zum Konzept.

Dexsport geht denselben Grundgedanken aus einer anderen Richtung an.

Die Plattform ist neben klassischen Sportwetten stark im Esports positioniert und kann ihre Aktivierungen direkt an Turniere koppeln, die ihre Zielgruppe ohnehin verfolgt.

Aus dem Sponsoring wird eine dauerhafte Aktivierung

Ob daraus langfristig eine besonders starke Partnerschaft wird, lässt sich nach wenigen Monaten noch nicht seriös beurteilen.

Aber der interessanteste Teil hat bereits begonnen.

Nicht mehr die Frage, wie groß Dexsport auf dem OG-Trikot steht.

Sondern was während des nächsten Turniers damit passiert.

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Jonas Teichmann

Über den Autor

Jonas Teichmann

Jonas Teichmann ist Texter und E-Sport-Redakteur bei Fragster.de. In seinen Artikeln verbindet er aktuelle News mit klarer Einordnung und einem Blick für die Details, die in der Szene wirklich zählen. Ob CS2, League of Legends oder die großen internationalen Turniere: Jonas bereitet Themen so auf, dass sowohl eingefleischte Fans als auch Neueinsteiger schnell den Überblick bekommen. Sein Fokus liegt auf verständlicher Sprache, sauberer Struktur und dem Anspruch, Entwicklungen nicht nur zu melden, sondern auch nachvollziehbar zu erklären. Dabei greift er Trends, Meta-Änderungen und Teamdynamiken genauso auf wie relevante Hintergrundgeschichten.

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