Hagens Berman hat eine zweite Sammelklage gegen Valve eingereicht. Das neue Verfahren erhöht den Druck erheblich – ein Kläger kaufte Loot Boxes auch für seinen minderjährigen Sohn.
Zweite Klage, gleiche Vorwürfe – aber ein entscheidender Zusatz
Die US-Anwaltskanzlei Hagens Berman hat nach ihrer ersten Klage gegen Valve nun eine zweite Beschwerde eingereicht – diesmal im Namen von Nutzern aus Washington und Texas. Die Vorwürfe sind dieselben: Loot Boxes in Counter-Strike seien faktisch Glücksspiel, da Käufer beim Öffnen einer Box für 2,49 Dollar in der Regel wertlose Items erhalten und auf den seltenen, wertvollen Drop hoffen – vergleichbar mit dem Mechanismus eines Spielautomaten.
Was die neue Klage brisanter macht: Einer der Kläger, Robert Brogan aus Texas, kaufte Loot Boxes nicht nur für sich selbst, sondern auch für seinen minderjährigen Sohn. Damit steht nicht nur der Vorwurf illegalen Glücksspiels im Raum, sondern auch der mögliche Vorwurf, dass Valve Minderjährige als Zielgruppe akzeptiert – oder zumindest nicht ausreichend schützt. Hagens Berman nutzt diesen Aspekt aktiv für ihre Kampagne: Auf ihrer Website rufen sie Eltern auf, sich der Sammelklage anzuschließen, falls ihre Kinder Geld für Loot Boxes in CS, Dota 2 oder Team Fortress 2 ausgegeben haben.
Valve widerspricht – und verweist auf eigene Maßnahmen
Valve hat auf die Klagen von Hagens Berman bisher nicht direkt reagiert, äußerte sich aber bereits zur Klage von New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James vom letzten Monat. Das Unternehmen vergleicht Loot Boxes mit Baseball- oder Pokémon-Karten – beliebte Produkte mit zufälligem Inhalt, die niemand als Glücksspiel einstuft. Zudem betont Valve aktiv gegen Drittanbieter-Glücksspielseiten vorzugehen und bereits über eine Million Steam-Accounts gesperrt zu haben, die für Gambling, Betrug und Diebstahl missbraucht wurden.
Die Branche schaut genau hin
Das Verfahren hat Signalwirkung weit über Valve hinaus. Adam Starr, General Counsel bei Do Big Studios, einem der führenden Roblox-Entwicklerstudios, verfolgt die Klagen aufmerksam und analysiert öffentlich, welche Unterschiede zwischen Valves System und Plattformen wie Roblox oder Fortnite rechtlich relevant sein könnten. Entscheidend dabei: Valve ermöglicht einen Sekundärmarkt, auf dem Skins gehandelt und verkauft werden – was Roblox und Epic explizit verbieten. Außerdem kaufen CS-Spieler Keys direkt mit echtem Geld, während Roblox und Fortnite eigene Währungen als Zwischenschritt nutzen.
Roblox ist übrigens selbst nicht aus dem Schneider: Eine Klage, die dem Unternehmen vorwirft, Gambling auf Drittanbieter-Seiten über Robux zu ermöglichen, läuft ebenfalls. Ein kalifornisches Gericht hat Fahrlässigkeitsansprüche gegen Roblox bereits zugelassen.
Der Gesamtstreitwert der Klage gegen Valve übersteigt laut Einreichung fünf Millionen US-Dollar – ohne Zinsen und Kosten.


