Nach wiederholten Störungen bei der Weltmeisterschaft in Shanghai greift Riot Games durch. Sämtliche Spieler sollen vorerst ausschließlich Mäuse mit Kabel benutzen. Verantwortlich dafür sind eigens angefertigte Tische aus Metall.
Metalltische stören die Funkverbindung
Die Ursache liegt nicht im Spiel, sondern im Mobiliar. Angefertigt hatte Riot für das Turnier eigene Tische aus Metall.
Bestätigt hat diesen Zusammenhang Leo Faria, der weltweite Leiter des Esport bei Valorant. Nach seiner Darstellung verursachten bestimmte Metallbauteile der Tische die Störungen.
Betroffen waren dabei die Mäuse mit Funkverbindung. Aussetzer traten mitten in laufenden Partien auf, teils in entscheidenden Momenten. Für die Weltmeisterschaft von Valorant ist das ein erheblicher Vorfall.
Warum Metall die Funkverbindung schluckt
Technisch ist dieser Effekt lange bekannt. Metallflächen wirken auf Funksignale wie eine Barriere.
Abgeschirmt oder reflektiert werden die Wellen an solchen Oberflächen. Trifft das auf die Verbindung zwischen Maus und Empfänger zu, brechen Eingaben weg.
Verschärft wird das Problem durch die Bauweise. Der Empfänger steckt üblicherweise direkt am Rechner unter dem Tisch. Dazwischen liegt dann eine durchgehende Metallplatte. Erfahrungsgemäß reicht bereits eine dünne Schicht für massive Störungen aus.
Riot ordnet den Wechsel ans Kabel an
Veröffentlicht hat das Unternehmen seine Stellungnahme am 1. Oktober 2026. Eingeräumt wird darin ein deutlicher Fehler.
Nach eigener Darstellung entsprach der Ablauf nicht den eigenen Ansprüchen an Spieler und Zuschauer. Gebeten werden nun sämtliche Teilnehmer, ihre Mäuse mit Kabel anzuschließen.
Freiwillig hatten viele Profis diesen Schritt bereits vollzogen. Verbindlich gilt die Vorgabe bei Valorant Champions als vorübergehende Maßnahme.
Bemerkenswert offen zeigt sich Riot bei den Nachteilen. Eingeräumt wird ausdrücklich, dass eingeübte Bewegungsabläufe eine große Rolle spielen. Genau darin liegt der Haken dieser Lösung. Ein Wechsel des Eingabegeräts mitten im Turnier bleibt ein Eingriff in die Vorbereitung.
Der Fall xeus brachte die Debatte zum Kochen
Ausgelöst hat die öffentliche Kritik eine einzelne Runde bei Valorant Champions. Gespielt wurde am 30. September zwischen FUT Esports und 100 Thieves.
Betroffen war die zweite Runde auf der Karte Split. Der FUT-Spieler xeus konnte seine Waffe nicht abfeuern, obwohl er in Überzahl stand.
Fortgesetzt wurde die Partie damals ohne Wiederholung dieser Runde. Gewonnen hat 100 Thieves anschließend mit 2:0.
Riot räumt den Fehler ein und behält das Ergebnis
Nachträglich fiel das Urteil anders aus. Wiederholt hätte die Runde werden müssen, erklärte Riot später selbst.
Geändert wurde das Ergebnis trotzdem nicht. Begründet wird das mit der Lage der Gegenseite, die unter denselben Bedingungen antrat.
Nachvollziehbar wirkt diese Abwägung nur bedingt. Eine falsche Entscheidung bleibt bestehen, weil eine Korrektur neue Nachteile schaffen würde. Protestiert hat daraufhin der FUT-Spieler yetujey, indem er die Pressekonferenz ausfallen ließ. Ähnlich deutlich äußerten sich weitere Profis in den sozialen Netzwerken.
Auch europäische Mannschaften traf es
Keineswegs handelte es sich um einen Einzelfall. Gemeldet wurden Störungen bereits in den ersten Turniertagen.
| Mannschaft | Vorfall |
| FUT Esports | Waffe des Spielers xeus feuerte nicht |
| Nongshim RedForce | Probleme mit Maus und Rechner beim Spieler Francis |
| Team Liquid | Anhaltende Störungen beim Spieler trexx |
| Karmine Corp | Wechsel auf eine Ersatzmaus beim Spieler LêwN |
Besonders für Anhänger in Europa wiegt diese Liste schwer. Team Liquid und Karmine Corp zählen zu den bekanntesten Vertretern der Region.
Gelöst hat Karmine Corp das Problem mit einem Gerätewechsel. Genau diese Notlösung wurde später zur allgemeinen Vorgabe. Zusätzlich häuften sich Unterbrechungen, deren Dauer Riot nicht bezifferte. Angaben zur Gesamtzahl betroffener Partien fehlen ebenfalls.
Störungen trafen beide Seiten gleichermaßen
Ein Vorwurf lässt sich Riot immerhin nicht machen. Benachteiligt wurde keine einzelne Region.
Betroffen waren Mannschaften aus Europa, Asien und Nordamerika. Verteilt traten die Ausfälle über mehrere Arbeitsplätze in der Halle auf.
Entlastend wirkt das für den Veranstalter nur teilweise. Gleichmäßig verteilte Störungen bleiben Störungen bei einer Weltmeisterschaft. Entschieden werden Partien bei Valorant regelmäßig durch einzelne Runden. Genau dort richtet ein kurzer Aussetzer den größten Schaden an.
Eine erste Korrektur hielt nicht lange
Aufschlussreich ist der Verlauf der Ereignisse. Reagiert hatte Riot nämlich bereits früher.
Eingebaut wurde eine vorläufige Lösung am 26. September. Nach Angaben des offiziellen Kanals traten danach keine weiteren Störungen auf.
Widerlegt hat dieser Befund der Vorfall vom 30. September. Zwischen beiden Angaben besteht damit ein Widerspruch. Erklären ließe sich dieser mit unterschiedlichen Arbeitsplätzen in der Halle.
Welche Maßnahme damals griff, teilte Riot nicht mit. Ebenso offen bleibt, warum das Problem zurückkehrte. Genau diese Lücke nährt die Kritik an Valorant Champions. Eine vollständige Aufarbeitung legte das Unternehmen bislang nicht vor.
Was ein Mausewechsel für Profis bedeutet
Für Außenstehende klingt die Vorgabe harmlos. In der Profiszene ist eine Maus jedoch kein beliebiges Zubehör.
Abgestimmt sind Gewicht, Form und Abtastrate über Jahre auf die eigene Hand. Selbst wenige Gramm Unterschied verändern das Gefühl beim Zielen.
Hinzu kommt das Kabel selbst. Ziehen und Schleifen auf der Unterlage verändern die Bewegung spürbar.
| Faktor | Auswirkung beim Wechsel |
| Gewicht | Verändertes Gefühl beim Nachziehen |
| Form | Griff und Auflage der Finger passen anders |
| Kabel | Zusätzlicher Widerstand bei schnellen Bewegungen |
| Abtastung | Abweichende Werte je Gerät möglich |
Gerade bei Valorant wiegt das besonders schwer. Entscheidungen fallen in diesem Spiel oft in Bruchteilen einer Sekunde.
Geübt haben die Profis monatelang mit einer bestimmten Einstellung. Umstellen müssen sie nun mitten im wichtigsten Turnier des Jahres. Fair ist das gegenüber allen Teilnehmern, angenehm jedoch für niemanden.
Die Tische werden komplett ersetzt
Als dauerhafte Lösung kündigt Riot einen Umbau an. Ersetzt werden die Tische durch Modelle aus einem anderen Werkstoff.
Genannt wird dafür ein Zeitraum von wenigen Tagen. Ein genaues Datum nannte das Unternehmen allerdings nicht.
Offen bleibt damit auch das Ende der Vorgabe:
- Wann die neuen Tische stehen, teilte Riot nicht mit
- Unklar bleibt, ab wann Funkmäuse wieder erlaubt sind
- Welcher Werkstoff verwendet wird, nannte das Unternehmen nicht
- Zu einer Prüfung vor dem Turnierstart äußerte sich Riot nicht
Planbar wird die Lage für die Mannschaften bei Valorant Champions damit nicht. Wer sich auf ein Kabel einstellt, möchte diese Umstellung nicht zweimal durchlaufen.
Sinnvoll wäre deshalb ein festes Datum. Vorbereiten ließe sich der Wechsel dann gezielt zwischen zwei Spieltagen. Erfahrungsgemäß vermeiden Veranstalter solche Zusagen jedoch, solange Unsicherheiten bestehen.
Ein Turnier mit besonderem Gewicht
Erschwerend kommt die Bedeutung dieser Ausgabe hinzu. Ausgetragen wird in Shanghai die sechste Weltmeisterschaft von Valorant.
Angetreten sind sechzehn Mannschaften, jeweils vier aus Amerika, China, Europa mit dem Nahen Osten sowie dem Pazifikraum. Verteidiger des Titels ist NRG Esports.
Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt in der Geschichte des Wettbewerbs. Nach dieser Ausgabe endet das bisherige System mit festen Plätzen für ausgewählte Mannschaften. Ab 2027 führt Riot wieder offene Qualifikationsturniere ein.
Ausgerechnet zum Abschluss dieser Phase sorgen technische Pannen für Schlagzeilen. Erwartet hatten Anhänger und Mannschaften einen reibungslosen Ablauf bei Valorant Champions. Geblieben ist stattdessen eine Debatte über Tische und Eingabegeräte.
Ein vermeidbarer Fehler mit richtiger Reaktion
Peinlich ist dieser Vorgang für den Veranstalter in jeder Hinsicht. Die Weltmeisterschaft von Valorant mit Mobiliar auszustatten, das Eingaben verschluckt, wirkt unprofessionell. Geprüft werden müssen solche Arbeitsplätze vor dem ersten Spieltag, nicht während des laufenden Turniers.
Richtig fällt dagegen die Reaktion aus. Ein Wechsel ans Kabel beseitigt die Ursache sofort und betrifft alle Teilnehmer gleichermaßen. Bemerkenswert offen benennt Riot zudem die Nachteile für eingeübte Bewegungsabläufe. Ein Austausch der Tische innerhalb weniger Tage zeigt ebenfalls Ernsthaftigkeit.
Unbefriedigend bleibt allein der Umgang mit der strittigen Runde. Einen Fehler einzuräumen und das Ergebnis dennoch stehen zu lassen, überzeugt kaum. Betroffen davon ist eine Mannschaft, die unverschuldet in eine schlechtere Lage geriet. Verständlich wirkt der Protest der Spieler deshalb durchaus.
Entscheidend wird nun der weitere Verlauf bei Valorant Champions. Treten nach dem Umbau keine Störungen mehr auf, bleibt die Sache eine unschöne Fußnote. Wiederholen sich die Pannen jedoch, stellt sich die Frage nach den Abläufen hinter dieser Veranstaltung. Gerade zum Abschied vom bisherigen System wäre das ein schlechtes Zeichen.
