Die Gaming-Szene in Österreich war lange ein kleiner Spielplatz für Nerds. Inzwischen hat sich daraus jedoch ein solides Business entwickelt. Inmitten von Let’s Plays, Twitch-Marathons und YouTube-Uploads entstehen Reichweiten, mit denen sich nicht nur die Miete zahlen lässt, sondern im besten Fall auch gleich noch das eigene Streaming-Studio.
Namen wie Veyla, Luigikid und Vic0 stehen dabei für mehr als nur Controller und Webcam. Sie zeigen, wie aus Leidenschaft eine Einnahmequelle wird, die sich sehen lassen kann.
Wie groß ist die Streaming-Szene in Österreich überhaupt
Die österreichische Streamer-Landschaft gleicht eher einem eng vernetzten Netzwerk als einer riesigen Industrie. Die Community ist klein, aber engagiert. Twitch dominiert dabei ganz klar, mit YouTube und TikTok im Schlepptau. Viele Content Creator nutzen Deutsch als Hauptsprache. Dadurch erreichen sie nicht nur ein heimisches Publikum, sondern ziehen auch Zuschauerinnen und Zuschauer aus Deutschland und der Schweiz an.
Obwohl die Szene zahlenmäßig überschaubar bleibt, haben sich einige Gesichter etabliert, die regelmäßig Aufmerksamkeit generieren. Veyla, Luigikid und Vic0 gehören zu den bekanntesten, doch auch Namen wie LostInTheWoods oder LetsHugo sind auf dem Radar. Die Inhalte sind oft thematisch klar fokussiert. Manche setzen auf Shooter, andere auf Comedy oder einfach auf gute Unterhaltung mit Wiener Schmäh.
Abos, Werbung und Kooperationen – wie sich Streaming wirklich finanziert
Das Einkommen ergibt sich nicht aus einer einzigen Quelle. Vielmehr handelt es sich um ein Zusammenspiel aus mehreren Bausteinen. Twitch bietet die Möglichkeit, über Abos, Bits und Werbung Geld zu verdienen. Bei einem Standard-Abo fließen meist zwei bis drei Euro direkt an den Creator. Dazu kommen freiwillige Trinkgelder in Form von Bits sowie kleine Werbeeinspieler, die zusätzlich Geld bringen. Wer regelmäßig live geht und eine loyale Zuschauerbasis aufgebaut hat, kann hier monatlich mehrere hundert oder sogar tausend Euro erzielen.
YouTube zahlt über Google AdSense aus. Der Betrag hängt davon ab, wie viele Klicks ein Video erreicht und wie viel Werbetreibende bereit sind, dafür zu zahlen. Der sogenannte CPM liegt im Gaming-Bereich meist zwischen zwei und vier Dollar pro tausend Aufrufe. Veyla erzielt dadurch rund 1.500 Dollar pro Monat. Bei Luigikid sind es deutlich mehr. Mit seiner enormen Reichweite liegt er geschätzt bei etwa 5.500 Euro monatlich.
Zusätzlich fließt Geld durch Sponsoring und Kooperationen. Markenpartnerschaften wie jene mit Red Bull bieten Sichtbarkeit und zudem auch finanzielle Sicherheit. Auch eSport-Teams oder Gaming-Accessoires-Hersteller sind beliebte Partner. Die Höhe der Zahlungen variiert, liegt aber bei bekannten Streamern oft im vierstelligen Bereich pro Monat.
Immer häufiger werden auch Glücksspielinhalte gestreamt, denn diese finden bei den Zuschauern hohen Anklang. Dabei geht es um viel Geld und die Streamer zeigen für ihre Kooperationspartner den Zuschauern, wie die Spiele funktionieren oder weisen darauf hin, wie sich ohne Einzahlung Casino Bonus oder sogar Freispiele abstauben lassen.
Veyla, Luigikid und Vic0 – was diese Streamer erfolgreich macht
Veyla überzeugt durch Skill, Professionalität und Wiedererkennungswert und ihre Spezialisierung auf Ego-Shooter wie Call of Duty hat ihr nicht nur eine treue Community eingebracht, aber vielmehr auch hohe Preisgelder im Bereich eSports. Als Partnerin von Red Bull profitiert sie zusätzlich von einem starken Markennamen im Rücken und auf Twitch folgen ihr rund 99.000 Menschen. Auf YouTube liegt sie bei etwa 40.000 Abonnenten und mehreren Millionen Aufrufen. Diese Kombination sorgt für Sichtbarkeit auf mehreren Ebenen.
Luigikid hat seine Community auf YouTube aufgebaut und sich mit Horror-Games, Super Mario Mods und Fan-Content einen Namen gemacht. Seine Abonnentenzahl liegt bei über 1,3 Millionen. Die Gesamtaufrufe überschreiten längst die 500-Millionen-Marke. Dabei geht es nicht nur um Reichweite, sondern auch um Beständigkeit. Seit Jahren liefert er regelmäßig neue Videos. Neben YouTube ist er auch in eSport-Teams aktiv und bringt seine Bekanntheit in Charity-Events ein.
Vic0 lebt von seiner Persönlichkeit und seiner schnellen Reaktion auf Trends. Mit Reactions, Comedy-Segmenten und viel Interaktion erreicht er auf TikTok eine enorme Reichweite. Twitch nutzt er für längere Formate. Während andere auf Games setzen, baut er auf seine Präsenz. Dabei entsteht Unterhaltung, die sich nicht an Spielinhalten festklammert, sondern an der Art, wie sie präsentiert wird.
Was Österreichs Top-Streamer tatsächlich verdienen
Konkrete Zahlen sind selten, doch mit ein wenig Erfahrung im digitalen Raum lassen sich solide Schätzungen treffen. Luigikid dürfte mit seinen YouTube-Werbeeinnahmen rund 5.500 Euro monatlich verdienen. Dazu kommen Sponsorings und kleinere Einnahmen über Twitch. Insgesamt ergibt sich daraus ein mehr als solides Einkommen.
Veyla kombiniert ihre Einnahmen aus YouTube, Twitch und Sponsoring. Der YouTube-Teil bringt rund 1.500 Dollar monatlich ein. Twitch dürfte bei ihrer Aktivität und Viewer-Zahl zwischen 500 und 2.000 Euro zusätzlich einbringen. Das Sponsoring mit Red Bull sorgt vermutlich für eine weitere stabile Einnahmequelle. Zusammen ergibt sich ein geschätzter Monatsverdienst zwischen 3.000 und 6.000 Euro.
Vic0 ist schwieriger einzuschätzen. Daten sind kaum öffentlich verfügbar, doch seine Präsenz auf TikTok und Twitch lässt vermuten, dass auch hier Einnahmen im mittleren vierstelligen Bereich möglich sind. Donations, Events und Merch dürften die Haupteinnahmequellen darstellen.
Warum es keine offiziellen Zahlen gibt
Streaming ist kein klassischer Beruf mit Lohnzettel. Einnahmen unterliegen starken Schwankungen. Der Dezember bringt zum Beispiel deutlich höhere Werbeeinnahmen als der Juli und auch Zuschauerzahlen, Sub-Wellen oder algorithmische Reichweite beeinflussen das Einkommen. Sponsoringverträge bleiben vertraulich.
Trotzdem lassen sich grobe Richtwerte ableiten. Tools wie SocialBlade zeigen YouTube-Aufrufe und Reichweitenentwicklung. TwitchTracker gibt Hinweise auf Zuschauerzahlen, Streaming-Frequenz und Follower-Wachstum. Daraus ergibt sich ein Bild, das zumindest eine solide Schätzung erlaubt. Wer regelmäßig 1.000 Leute live erreicht oder über Jahre hinweg Millionen Views auf YouTube generiert, darf mit einer stabilen Einnahmestruktur rechnen.
Lohnt sich Streaming in Österreich oder braucht es mehr Reichweite?
Österreich bietet Chancen, aber der Markt ist begrenzt. Die deutschsprachige Community lässt sich zwar gut ansprechen, doch langfristig wird klar, wer wachsen will, muss sich breiter aufstellen. Deutschland, die Schweiz oder sogar internationale Zielgruppen können den Unterschied machen, denn vor allem in Deutschland verdienen die großen Streamer ein Vielfaches. Content in deutscher Sprache ist kein Hindernis, solange Reichweite und Aktivität stimmen. Ab rund 500 zahlenden Abonnenten auf Twitch oder 100.000 YouTube-Abos wird es realistisch, vom Streaming leben zu können. Sponsorings, Community-Bindung und Plattformvielfalt bringen Stabilität ins System.

