CD Projekt Red hat bestätigt, was sich seit Monaten abzeichnete: Die Neuauflage des ersten The Witcher aus dem Jahr 2007 ruht vorerst. Das polnische Studio Fool’s Theory, das sie entwickeln soll, arbeitet stattdessen an der Erweiterung Songs of the Past für The Witcher 3 und unterstützt mit einem kleineren Teil des Teams die Arbeiten an The Witcher 4. Ein Neustart der Remake-Produktion ist frühestens nach dessen Fertigstellung realistisch – und die ist für 2028 angepeilt.
Was das Unternehmen bestätigt hat
Die Auskunft stammt aus einer Stellungnahme gegenüber GameSpot vom 1. September. Darin heißt es, das Team von Fool’s Theory konzentriere sich hauptsächlich auf Songs of the Past, während ein vergleichsweise kleiner Teil bei The Witcher 4 mithelfe. Die Entwicklung des Remakes sei, wie zuvor angekündigt, wegen Abhängigkeiten im Produktionsablauf vorübergehend mit The Witcher 4 zusammengelegt worden.
Der entscheidende Satz folgt danach: Da das Remake auf dem Fundament von The Witcher 4 aufbaue, müssten zunächst die nötigen Bausteine, Werkzeuge und Arbeitsabläufe bereitstehen, damit effizient entwickelt werden könne.
Joint-CEO Michał Nowakowski hatte das Problem kurz zuvor im Gespräch mit The Game Business angesprochen. Man habe die Zusammenarbeit mit Fool’s Theory begonnen, das Studio habe eigentlich am Remake arbeiten sollen – dann sei klar geworden, dass es wegen bestimmter technischer Abhängigkeiten zu The Witcher 4 mehr Zeit brauche.
Warum die Technik im Weg steht
Der Hintergrund ist der Engine-Wechsel. CD Projekt Red hat im März 2022 angekündigt, die hauseigene REDengine aufzugeben und künftig die Unreal Engine 5 einzusetzen. Das betrifft nicht nur die Grafik, sondern die gesamte Produktionsumgebung: Werkzeuge zur Weltgestaltung, Systeme für Kämpfe und Dialoge, Materialbibliotheken, Arbeitsabläufe zwischen den Abteilungen.
Diese Grundlage entsteht mit The Witcher 4. Wer davor an einem anderen Witcher-Projekt in derselben Engine arbeitet, baut zwangsläufig doppelt – oder wartet. CD Projekt Red hat sich für Letzteres entschieden und die beiden Produktionslinien bereits im Quartalsbericht für das dritte Quartal 2022 offiziell zusammengeführt. Neu ist an der aktuellen Meldung also nicht die Entscheidung, sondern die Bestätigung, dass sie weiterhin gilt und wie deutlich das Kräfteverhältnis inzwischen ausfällt.
Nowakowski betonte in demselben Gespräch, der Wechsel dürfe nicht dazu führen, dass die Spiele des Studios künftig wie typische Unreal-Produktionen aussehen. Genau daran arbeitet The Witcher 4 mit – und genau darauf wartet Fool’s Theory.
Was Fool’s Theory stattdessen liefert
Untätig ist das Studio nicht. Songs of the Past ist die dritte Story-Erweiterung für The Witcher 3 und wurde bei der Opening Night Live der Gamescom 2026 vorgestellt. Sie spielt in Letten, der Heimat von Rittersporn, und ist als letztes Abenteuer für Geralt angelegt, das die Lücke zwischen dem dritten und dem vierten Teil schließt. Der Erscheinungstermin liegt 2027.
Die Resonanz fiel deutlich aus: Über 450.000 Merkzettel-Einträge kamen allein während der Messewoche zusammen. Anspielberichte heben vor allem das überarbeitete Kampfsystem hervor, das direkter und präziser reagieren soll. Zuvor erscheint am 29. September die Neuauflage von The Witcher 3, die Besitzer des Spiels kostenlos erhalten.
Für Fool’s Theory ist das keine Verlegenheitsbeschäftigung. Das Studio, bekannt für Seven und The Thaumaturge, bekommt damit ein eigenständiges Projekt innerhalb der Reihe – und lernt zugleich die Werkzeuge kennen, mit denen später das Remake entstehen soll.
Die Zahlen aus dem Halbjahresbericht
Wie stark alles auf The Witcher 4 ausgerichtet ist, zeigt der Halbjahresbericht 2026, den CD Projekt Red am selben Tag vorgelegt hat. Zum 31. Juli arbeiteten 519 der insgesamt 1.045 Beschäftigten an dem Spiel – knapp die Hälfte der Belegschaft.
Zum Vergleich: Ende Februar 2023 waren es noch rund 250. Das Team hat sich in dreieinhalb Jahren also gut verdoppelt, was für ein Projekt in der Endphase der Produktion typisch ist. Parallel laufen die Fortsetzung von Cyberpunk 2077 und die neue Marke Hadar, beide mit deutlich kleineren Teams.
Wann das Remake realistisch wird
Rechnet man die Angaben zusammen, ergibt sich ein ernüchterndes Bild. The Witcher 4 erscheint frühestens 2028. Erst danach stehen die Werkzeuge bereit, auf die Fool’s Theory wartet. Bis dahin bindet Songs of the Past den Großteil des Studios.
Belastbare Neuigkeiten zum Remake sind damit kaum vor 2028 zu erwarten, und ein Erscheinungstermin liegt vermutlich deutlich später. Eingestellt ist das Projekt allerdings nicht: Der ursprüngliche Plan – eine offene Spielwelt, ein Neubau statt einer Politur, das Entfernen oder Überarbeiten der schwächsten Teile der Vorlage – steht weiterhin.
Ein Vorteil bleibt dem langen Warten immerhin. Ein Remake, das auf den Bausteinen eines 2028 erscheinenden Spiels aufsetzt, dürfte technisch sehr viel näher am aktuellen Stand liegen, als es bei einem Start im Jahr 2023 möglich gewesen wäre. Bislang hat CD Projekt Red öffentlich ohnehin nur ein einziges Bild zu dem Projekt gezeigt.

