Team Spirit ist Dota-2-Weltmeister 2026. Im Grand Final von The International in Shanghai setzte sich Spirit nach fünf Maps mit 3:2 gegen TEAM VISION durch und schreibt damit Geschichte: Noch nie zuvor konnte eine Organisation The International dreimal gewinnen. Für Yatoro und Collapse ist es ebenfalls bereits der dritte Aegis ihrer Karriere.
Der Weg zum Titel war alles andere als geradlinig. TEAM VISION – das regulär als PARIVISION bekannte Line-up – hatte Spirit im Verlauf des Turniers bereits zweimal besiegt. Im entscheidenden dritten Aufeinandertreffen drehte Spirit die Kräfteverhältnisse jedoch um und setzte sich nach einem dramatischen fünften Spiel durch.
Spirit ist das erste Team mit drei TI-Titeln
Team Spirit gewann The International bereits 2021 und 2023. Mit dem Erfolg in Shanghai kommt nun der dritte Titel hinzu.
Damit zieht die Organisation an OG vorbei. OG hatte 2018 und 2019 als erstes Team überhaupt zwei Internationals gewonnen, Spirit erreichte die Marke später ebenfalls und steht nun alleine an der Spitze.
Besonders historisch ist der Erfolg für Illya „Yatoro“ Mulyarchuk und Magomed „Collapse“ Khalilov. Beide gehörten bereits zu Spirits Siegerteams von 2021 und 2023 und sind nun die ersten aktiven Spieler der Dota-2-Geschichte mit drei TI-Titeln.
Auch Yaroslav „Miposhka“ Naidenov kommt auf seinen dritten Aegis. Die ersten beiden gewann er als Spieler, 2026 begleitet er Spirit als Coach.
| Team Spirit bei TI 2026 | Titel |
|---|---|
| Yatoro | 3. TI-Sieg |
| Collapse | 3. TI-Sieg |
| Miposhka | 3. TI-Sieg |
| Larl | 2. TI-Sieg |
| not me | 1. TI-Sieg |
| rue | 1. TI-Sieg |
Für Larl ist es nach 2023 der zweite Weltmeistertitel. not me und rue gewinnen ihren ersten Aegis.
TEAM VISION hatte Spirit vorher zweimal geschlagen
Dass ausgerechnet Spirit am Ende den Pokal hebt, ist angesichts des bisherigen Turnierverlaufs bemerkenswert.
TEAM VISION galt als einer der großen Favoriten und spielte eine nahezu makellose erste Turnierhälfte. Bereits in der Gruppenphase traf das Team auf Spirit und gewann die Serie klar mit 2:0.
Im Upper-Bracket-Halbfinale folgte das zweite Aufeinandertreffen. Diesmal konnte Spirit eine Map gewinnen, TEAM VISION setzte sich jedoch erneut mit 2:1 durch und schickte den späteren Champion ins Lower Bracket.
TEAM VISION ging anschließend über ein 2:1 gegen Team Yandex direkt ins Grand Final.
Spirit musste dagegen den langen Weg nehmen.
Spirit kämpft sich durch das komplette Lower Bracket
Schon die Gruppenphase verlief für Spirit ungewöhnlich schwierig.
Nach drei Siegen zum Auftakt hätte das Team direkt in die Playoffs einziehen können. Die Niederlagen gegen TEAM VISION und anschließend Nigma Galaxy verhinderten das jedoch. Spirit musste zunächst durch die zusätzliche Elimination Stage und gewann dort mit 2:1 gegen Team Resilience.
Im Main Event folgten:
- 2:0 gegen Iron Wing
- 1:2 gegen TEAM VISION
- 2:0 gegen Team Liquid
- 2:0 gegen BoomBoys
- 2:0 gegen Team Yandex
- 3:2 gegen TEAM VISION
Gerade die Lower-Bracket-Serie ist beeindruckend. Nach der Niederlage gegen VISION verlor Spirit bis zum Grand Final keine einzige Map mehr.
Team Liquid, BoomBoys und Team Yandex wurden jeweils mit 2:0 ausgeschaltet.
Yatoro zerlegt Team Yandex vor dem Finale
Nur wenige Stunden vor dem Grand Final musste Spirit zunächst noch das Lower-Bracket-Finale gegen Team Yandex bestreiten.
Die Serie entwickelte sich überraschend einseitig.
Spirit gewann die erste Map nach 37:25 Minuten mit 26:15 Kills. Yatoro spielte dabei einen nahezu fehlerfreien Terrorblade und beendete die Partie mit 16/1/3.
Auch Game 2 ging an Spirit. Damit stand nach dem 2:0 fest, dass Team Yandex The International 2026 auf Rang drei beendet und Spirit noch am selben Tag gegen TEAM VISION um den Aegis spielen würde.
Spirit startet stärker ins Grand Final
Im Finale setzte Spirit dort an, wo das Team gegen Yandex aufgehört hatte.
Game 1 ging nach rund 46 Minuten an Spirit. Yatoro spielte Shadow Fiend und lieferte mit 16/1/7 eine der stärksten individuellen Leistungen der Serie. Zusammen mit Collapse baute er früh einen deutlichen wirtschaftlichen Vorsprung auf.
Spirit wirkte zunächst so, als könne das Team die Serie schnell kontrollieren.
Doch TEAM VISION antwortete.
VISION dreht Game 2 nach schwierigem Start
Das zweite Spiel entwickelte sich zu einem ersten Marathon.
Spirit lag zwischenzeitlich bei den Kills deutlich vorne. TEAM VISION blieb jedoch geduldig, vermied weitere große Verluste und wartete auf seine Gelegenheit.
Nach mehr als 40 Minuten kippte das Spiel.
Noticed und der erst 18-jährige Satanic ermöglichten VISION das Comeback. Nach 64 Minuten war die Serie wieder ausgeglichen.
1:1.
Damit war klar, dass es kein kurzes Finale werden würde.
Game 3 bringt Spirit auf Championship Point
Das dritte Spiel verlief wesentlich kontrollierter.
Fast 30 Minuten lang hielten beide Teams ihre Risiken gering. Der Goldunterschied blieb überschaubar und größere Teamfights waren selten.
Erst rund acht Minuten später fiel die Entscheidung.
Spirit erwischte TEAM VISION in einem entscheidenden Engage, gewann den Teamfight deutlich und übernahm anschließend die vollständige Kontrolle über die Karte.
Nach rund 46 Minuten stand es 2:1 für Spirit.
Nur noch eine Map fehlte zum dritten Aegis.
TEAM VISION erzwingt das fünfte Spiel
Doch VISION gab sich nicht geschlagen.
Game 4 entwickelte sich zur deutlichsten Map des Finales zugunsten des EWC-Champions. Besonders das Support-Duo aus 9Class und Dukalis hatte großen Einfluss auf die Teamfights.
VISION erlaubte Spirit lediglich 13 Kills, während das eigene Team 31 erzielte.
Nach rund 43 Minuten war die Serie erneut ausgeglichen.
2:2 – The International 2026 musste in Game 5 entschieden werden.
64 Minuten entscheiden über den Aegis
Das letzte Spiel entwickelte sich passend zum Turnier zu einem echten Marathon.
Spirit sah zunächst wie der klare Sieger aus. Yatoros Lifestealer wurde immer stärker und das Team baute zeitweise einen Goldvorsprung von ungefähr 11.000 auf.
Dann bekam TEAM VISION Yatoro in einer Kombination aus mehreren Crowd-Control-Effekten zu fassen.
Der Carry starb, VISION gewann den anschließenden Fight und öffnete die Partie noch einmal komplett.
Die folgenden Minuten wurden zu einem ständigen Wechsel aus Teamfights, Buybacks und Positionsspiel.
Spirit reagierte darauf, indem das Team selbst aggressiver wurde und VISION zunehmend zwang, Buybacks einzusetzen. Schritt für Schritt gingen dem Gegner die Möglichkeiten aus, nach verlorenen Kämpfen noch einmal zurückzukehren.
Nach 64 Minuten war die Entscheidung gefallen.
Team Spirit zerstörte den Ancient und gewann The International 2026 mit 3:2.
Rund 1,43 Millionen Dollar für den Sieger
Neben dem Aegis erhält Spirit rund 1,43 Millionen US-Dollar Preisgeld.
Der endgültige Preispool des Turniers lag zuletzt bei ungefähr 3,33 Millionen Dollar. Wie schon in den vergangenen Jahren bestand er aus einem Grundbetrag von 1,6 Millionen Dollar und zusätzlichen Einnahmen aus Dota-2-Inhalten rund um The International.
Der finanzielle Stellenwert liegt damit weit unter den historischen Rekordjahren. 2021, bei Spirits erstem TI-Sieg, wurden noch mehr als 40 Millionen Dollar ausgeschüttet.
Sportlich bleibt der Aegis allerdings der wichtigste Titel im professionellen Dota 2.
Aus PARIVISION wurde für TI TEAM VISION
Die Bezeichnung TEAM VISION kann dabei zunächst für Verwirrung sorgen.
Es handelt sich um das normalerweise als PARIVISION bekannte Team. Für The International trat die Organisation unter einem veränderten Namen auf. Mehrere Teams mit Verbindungen zu Wettanbietern änderten für das Turnier in China ihre Bezeichnungen. PARIVISION wurde dabei zu TEAM VISION, BetBoom trat beispielsweise als BoomBoys an.
Sportlich hatte die Umbenennung keinerlei Einfluss.
VISION ging als amtierender Esports-World-Cup-Champion und einer der heißesten Favoriten ins Turnier. Nach einem starken Lauf bis ins Grand Final fehlte am Ende lediglich eine Map zum Aegis.
Yatoro und Collapse setzen einen neuen Maßstab
Der dritte Titel dürfte vor allem die Diskussion um Spirits Stellung in der Dota-Geschichte neu entfachen.
OG bleibt das einzige Team, das The International zweimal direkt hintereinander gewinnen konnte. Spirit besitzt nun allerdings als erste Organisation drei Aegis-Trophäen.
Noch beeindruckender ist die Bilanz von Yatoro und Collapse.
2021 waren beide Teil des überraschenden Spirit-Laufs zum ersten Titel. Zwei Jahre später wiederholten sie den Erfolg. 2026 gelingt nun der dritte Triumph mit einem erneut veränderten Line-up.
Und diesmal war der Weg besonders schwierig: Spirit musste durch die Elimination Stage, verlor gegen seinen späteren Finalgegner zweimal und kämpfte sich anschließend durch das komplette Lower Bracket zurück.
Ausgerechnet im wichtigsten Duell gelang schließlich der erste Sieg gegen TEAM VISION bei diesem Turnier.
Nach fünf Maps und mehr als vier Stunden Grand-Final-Dota steht deshalb fest: The International gehört zum dritten Mal Team Spirit.

