Fast jeder fünfte Junge zwischen 12 und 16 Jahren hat laut einer britischen Studie eine virtuelle „KI-Freundin“ oder kennt Gleichaltrige, die solche Apps nutzen. Forscher warnen: Chatbots beginnen, echte soziale Kontakte zu ersetzen – mit möglichen Folgen für die psychische Gesundheit.
Einer neuen Studie der Organisation Male Allies UK zufolge besitzt fast jeder fünfte Junge zwischen 12 und 16 Jahren entweder eine virtuelle „KI-Freundin“ oder kennt Gleichaltrige, die solche Apps nutzen. Für die Untersuchung mit dem Titel „Boys and Bots“ befragten die Forscher über 1.000 Jungen im Alter von 12 bis 16 Jahren an 37 Schulen im ganzen Land. Das Ergebnis: KI-Chatbots sind für viele Teenager längst mehr als nur ein Lern- oder Unterhaltungswerkzeug.
Ein beunruhigendes Bild
Die erhobenen Daten zeichnen ein besorgniserregendes Bild. Für 85 % der Befragten ist die Nutzung von Chatbots alltäglich geworden. Die größte Gefahr liegt dabei laut den Forschern nicht in der Verbreitung der Technologie selbst, sondern darin, wie Jugendliche sie nutzen:
- Emotionaler Ersatz: 36 % der Teenager gaben an, dass ihnen die Kommunikation mit einer KI manchmal leichter und angenehmer fällt als die mit Freunden oder Familie. Das deutet darauf hin, dass Bots beginnen, echte soziale Kontakte zu ersetzen.
- Illusion einer Beziehung: Jeder fünfte Junge (20 %) hat bereits eine „KI-Freundin“ oder kennt Gleichaltrige, die in ähnlichen virtuellen Beziehungen stecken.
- Psychologische „Sicherheit“: 43 % nutzen Bots, um Fragen zu stellen, die ihnen peinlich sind. Fehlende Wertung und sofortiges Feedback machen Chatbots zu attraktiven „Therapeuten für die Hosentasche“.
- Fluchtverhalten: 26 % schätzen die Aufmerksamkeit und Verbindung durch einen KI-Begleiter mehr als vergleichbare Erfahrungen im echten Leben. 53 % finden die Online-Welt interessanter und lohnender.
Was Experten befürchten
Die Sorge der Fachleute: KI-Unternehmen, deren Produkte ständig in Kontakt bleiben, den Nutzern zustimmen und rund um die Uhr erreichbar sind, könnten bei Teenagern unrealistische Erwartungen an menschliche Beziehungen prägen. Echte Freundschaften und Partnerschaften kommen selten ohne Reibung, Widerspruch oder Wartezeit aus – ein Chatbot dagegen ist immer da und immer einer Meinung.
Die Studie wirft damit erneut Fragen nach den Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf die psychische Gesundheit und die Sozialisierung der jüngeren Generation auf. Regulierungsbehörden und Experten beginnen erst jetzt, mögliche Maßnahmen zu diskutieren – von Altersbeschränkungen bis hin zu Programmen, die einen gesunden Umgang mit Beziehungen vermitteln.
Hinweis: Dies ist ein sensibles Thema. Wer sich Sorgen um das eigene Wohlbefinden oder das eines Jugendlichen im Umfeld macht, sollte das Gespräch mit einer Vertrauensperson oder einer Fachstelle suchen.

