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StarCraft vor der Rückkehr? Was vor der BlizzCon auf dem Tisch liegt

Jonas Teichmann
Jonas Teichmann Chefredakteur & Esports-Experte

StarCraft ist seit fast einem Jahrzehnt praktisch tot. Die letzte große Erweiterung für StarCraft II erschien 2017, im selben Jahr wie StarCraft: Remastered. Seither existiert die Marke fast nur noch als Kosmetik-Gastauftritt in anderen Blizzard-Spielen.

Ausgerechnet jetzt, wenige Tage vor der BlizzCon, verdichten sich gleich mehrere Hinweise darauf, dass sich das ändern könnte. Ein Bericht aus Südkorea, monatelange Stellenausschreibungen bei Blizzard und ein anonym kursierender Zeitplan ergeben zusammen ein Bild, das die Community seit Wochen umtreibt.

Bestätigt ist davon nichts. Aber die Puzzleteile passen ungewöhnlich gut zusammen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ursprung: Bericht der südkoreanischen Zeitung Chosun Ilbo vom 2. September
  • Inhalt: Nexon soll kurz vor einem Lizenzvertrag für StarCraft stehen
  • Kein Verkauf: Die Rechte blieben bei Blizzard und Microsoft
  • Parallel: Blizzard sucht selbst seit Monaten Personal für einen Open-World-Shooter
  • BlizzCon: kein StarCraft-Panel im offiziellen Zeitplan
  • Auffällig: eine unerklärte Programmlücke auf der Hauptbühne am Samstagabend

Der Bericht aus Südkorea

Ausgangspunkt ist ein Artikel der Chosun Ilbo, einer der auflagenstärksten Zeitungen Südkoreas, vom 2. September. Unter Berufung auf eine ranghohe Branchenquelle heißt es dort, die Verhandlungen zwischen Nexon und Blizzard über Entwicklungsrechte an StarCraft stünden kurz vor dem Abschluss.

Wichtig ist die Präzisierung, die in der ersten Aufregung unterging: Es geht nicht um einen Verkauf der Marke. Frühe Gerüchte sprachen von einer Übernahme der kompletten Rechte, aktuellere Berichte beschreiben eine Lizenzvereinbarung. Eigentümer blieben Blizzard und Microsoft, Nexon dürfte lediglich entwickeln.

Von einem Nachfolger ist die Rede, ohne dass ein Genre genannt wird. Genau daran entzündet sich die Diskussion.

Warum ausgerechnet Nexon

Die Partnerschaft kommt nicht aus dem Nichts. Bereits seit April 2025 gibt es Berichte über Gespräche zwischen beiden Unternehmen, damals ging es auch um Rechte an einem mobilen Overwatch. Nexon galt nach einem Auswahlverfahren als bevorzugter Bieter.

Handfest wurde die Zusammenarbeit im August 2026, als Nexon den Vertrieb von Overwatch auf dem PC in Südkorea übernahm. Blizzard-Präsidentin Johanna Faries lobte dabei ausdrücklich Nexons Verständnis des koreanischen Marktes und dessen Erfahrung im laufenden Betrieb von Onlinespielen.

International ist Nexon vor allem durch seine Tochter Embark Studios bekannt, die The Finals und Arc Raiders entwickelt hat. Dazu kommen langlebige Titel wie MapleStory, Dungeon Fighter Online und The First Descendant.

Für StarCraft ist Südkorea zudem kein beliebiger Markt, sondern der Ort, an dem die Marke ihre kulturelle Bedeutung überhaupt erst gewonnen hat.

Drei Projekte, die nicht dasselbe sind

Hier wird es unübersichtlich, weil in der Berichterstattung mehrere Vorhaben durcheinandergeworfen werden. Nach aktuellem Stand sind es drei getrennte Spuren.

ProjektWerStand
Lizenz für einen StarCraft-II-NachfolgerNexonVertrag angeblich kurz vor Abschluss, Genre offen
Action-Shooter im StarCraft-UniversumNexon, Shooter-SpartePrototyp im Februar 2026 vorgestellt, unbestätigt
Open-World-ShooterBlizzard selbstStellenausschreibungen seit Frühjahr 2026

Die Shooter-Spur bei Nexon liegt Berichten zufolge in derselben Abteilung, die Sudden Attack betreut. Als leitender Planer soll der StarCraft-Modder Choi Jun-ho beteiligt sein, bekannt für eine der populärsten Custom Maps der Serie.

Blizzards eigener Shooter

Unabhängig davon sucht Blizzard seit dem Frühjahr Personal für einen bislang unangekündigten AAA-Open-World-Shooter. Bemerkenswert daran: Das Projekt entsteht in der Unreal Engine 5 statt in Blizzards eigener Technologie.

Eine Ausschreibung für einen leitenden Designer im Bereich Innovation nährte die Spekulation zusätzlich, ebenso Stellen für Fahrzeugtechnik. In einem Universum voller Transportschiffe und Belagerungspanzer liest sich das für viele wie eine Bestätigung.

Jason Schreier beschreibt in seinem Blizzard-Buch Play Nice zudem einen internen Shooter, der mit Dan Hay verbunden sei, dem früheren leitenden Kopf hinter Far Cry, der Ubisoft 2021 verließ.

Ob dieser Shooter überhaupt StarCraft ist, hat Blizzard nie gesagt. Die Zuordnung stammt vollständig aus der Community.

StarCraft Infantry: die dünnste Spur

Ende August kursierte anonym ein Bild, das den vollständigen Panel-Zeitplan der BlizzCon 2026 zeigen soll. Darauf findet sich neben Warcraft- und Diablo-Programmpunkten ein Eintrag namens StarCraft Infantry.

Damit ist Vorsicht geboten. Die Quelle ist unbekannt, Blizzard hat nichts bestätigt, und der Eintrag erklärt nicht, worum es sich handeln soll. Ein Shooter wird dort nicht genannt.

Was der offizielle Zeitplan verrät

Der veröffentlichte Zeitplan enthält kein StarCraft-Panel. Die Marke taucht ausschließlich beim Classic Cup auf, wo StarCraft II und Remastered gespielt werden. Immerhin gibt es eine Zuschauerbelohnung: Wer am 12. oder 13. September eine Stunde StarCraft-Inhalte auf Twitch verfolgt, erhält einen Erfahrungsbonus für zehn Tage.

Zwei Details relativieren das. Erstens hat Blizzard ausdrücklich mitgeteilt, dass Teile des Programms erst während der Eröffnungszeremonie bekannt gegeben werden und Bereiche des Showfloors bis dahin abgedeckt bleiben. Zweitens klafft auf der Hauptbühne am Samstag eine Stunde ohne Programmpunkt, in MESZ zwischen 21:45 und 22:45 Uhr.

Beides kann Zufall sein. Beides kann auch genau der Platz sein, an dem eine Ankündigung steht.

Das Gespenst von StarCraft: Ghost

Ein Dämpfer gehört dazu. Blizzard hat schon einmal einen StarCraft-Shooter versucht. StarCraft: Ghost wurde 2002 für PlayStation 2, Xbox und GameCube angekündigt, umfangreich beworben und bis 2006 auf unbestimmte Zeit verschoben. Erschienen ist es nie.

Auch jüngere Erfahrungen mahnen. 2024 stellte Blizzard ein sechs Jahre lang entwickeltes Survival-Spiel ein, begleitet von umfangreichen Entlassungen.

Dass Stellen ausgeschrieben werden, heißt also nicht, dass ein Spiel erscheint. Und dass ein Prototyp präsentiert wird, heißt nicht, dass er in Produktion geht.

Der Punkt, über den kaum jemand spricht

Eine Frage geht in der Vorfreude unter. Nexons Vorstandschef Junghun Lee hat sich öffentlich dahingehend geäußert, man solle davon ausgehen, dass jedes Spieleunternehmen generative KI einsetzt, und deren Nutzen für Produktion und Livebetrieb betont.

Für eine Marke, deren Anziehungskraft wesentlich auf handgemachtem Design und einer jahrzehntelang gewachsenen Wettkampfszene beruht, ist das mindestens diskussionswürdig. Ob ein möglicher Lizenzvertrag Vorgaben dazu enthält, ist nicht bekannt.

Am Samstagabend wissen wir mehr

Die Eröffnungszeremonie beginnt am 12. September um 19:30 Uhr MESZ und läuft kostenlos auf YouTube, Twitch und Battle.net. Sollte StarCraft eine Rolle spielen, dann dort.

Realistisch sind drei Ausgänge. Blizzard zeigt gar nichts, dann bleibt es bei Gerüchten und der nächste Anlass ist Monate entfernt. Blizzard bestätigt die Nexon-Partnerschaft ohne Spiel, was für die Marke viel und für Spieler kurzfristig wenig bedeutet. Oder es gibt einen Teaser, und die längste Dürreperiode in Blizzards Geschichte endet nach neun Jahren.

Nach der Faktenlage würde ich auf die mittlere Variante tippen. Aber das ist eine Einschätzung, keine Information.

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Jonas Teichmann

Über den Autor

Jonas Teichmann

Jonas Teichmann ist Texter und E-Sport-Redakteur bei Fragster.de. In seinen Artikeln verbindet er aktuelle News mit klarer Einordnung und einem Blick für die Details, die in der Szene wirklich zählen. Ob CS2, League of Legends oder die großen internationalen Turniere: Jonas bereitet Themen so auf, dass sowohl eingefleischte Fans als auch Neueinsteiger schnell den Überblick bekommen. Sein Fokus liegt auf verständlicher Sprache, sauberer Struktur und dem Anspruch, Entwicklungen nicht nur zu melden, sondern auch nachvollziehbar zu erklären. Dabei greift er Trends, Meta-Änderungen und Teamdynamiken genauso auf wie relevante Hintergrundgeschichten.

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