Im Dezember 2021 kündigte Ubisoft eine Neuauflage des ersten Splinter Cell an. Danach kam praktisch nichts mehr: keine Spielszenen, kein Termin, dafür jahrelang Berichte über eine schwierige Entwicklung. Jetzt sind erstmals Bilder aus dem Projekt öffentlich – veröffentlicht vom Portal MP1st, nicht von Ubisoft. Sie stammen aus dem Jahr 2024 und zeigen den Auftakt der Geschichte in Tiflis.
Warum das mehr ist als ein beliebiger Leak
Der Wert des Materials liegt weniger in dem, was zu sehen ist, als darin, dass es überhaupt existiert. Fünf Jahre ohne ein einziges veröffentlichtes Bild sind selbst für Ubisoft-Verhältnisse eine ungewöhnlich lange Zeit, und in der Zwischenzeit war regelmäßig die Frage aufgekommen, ob das Remake überhaupt noch entwickelt wird.
Zwei Vorgänge sprechen dagegen. Im Dezember 2025 kehrte David Grivel zurück, der das Projekt ursprünglich geleitet hatte, bevor er das Unternehmen 2022 verließ. Und als Ubisoft Anfang dieses Jahres bei Ubisoft Toronto rund 40 Stellen strich, erklärte ein Sprecher ausdrücklich, das Remake sei davon nicht betroffen. Die nun aufgetauchten Aufnahmen aus dem Jahr 2024 fügen sich in dieses Bild: Es wird gearbeitet, nur eben leise.
Woher das Material stammt
Die Bilder fanden sich im öffentlich einsehbaren Arbeitsportfolio einer Person, die an dem Projekt beteiligt war. MP1st hat den Namen bewusst nicht genannt, wir verfahren ebenso. Ubisoft hat die Aufnahmen weder veröffentlicht noch bestätigt – es handelt sich um Entwicklungsmaterial, nicht um freigegebene Spielszenen.
Tiflis 2004: detaillierter statt neu erfunden
Gezeigt wird die Eröffnungsmission in der georgischen Hauptstadt, in der Sam Fisher das Verschwinden zweier CIA-Mitarbeiter aufklären soll. Zu sehen sind Innenhöfe, enge Gassen mit Graffiti und Unrat sowie das Schild eines Lokals mit georgischer Küche.
Aufschlussreicher sind die Details an den Wänden. Zerrissene Aushänge tragen die Jahreszahl 2004 – exakt den Handlungszeitpunkt des Originals. Auf mehreren Plakaten wirbt Kombayn Nikoladze, der Antagonist des Spiels, für seine Kandidatur, unter anderem mit Parolen gegen Korruption und für eine Reform der Polizei. Damit gibt es zugleich einen ersten Eindruck seiner überarbeiteten Gestaltung.
Die Richtung, die daraus ablesbar ist, dürfte Anhänger der Reihe beruhigen: Ubisoft Toronto erfindet Tiflis nicht neu, sondern baut es dichter aus. Schauplatz, Zeitrahmen und der politische Hintergrund bleiben, wie sie waren. Ergänzt wird um Alltagsdetails, die es 2002 technisch nicht geben konnte.
Ein Scherz am Rande
Zwischen den Aushängen hängt ein Zettel in kyrillischer Schrift, der sich als versteckte Nachricht ausgibt und dann mitteilt, dass er nichts enthält – man solle einfach weiterspielen. Unterschrieben hat das Entwicklerteam. Ein Seitenhieb auf die Angewohnheit mancher Spieler, jeden Umgebungstext nach verborgenen Hinweisen abzusuchen. Ob der Zettel es ins fertige Spiel schafft, ist offen.
Was die Bilder nicht beantworten
Mehrere Aufnahmen sind bei hellem Tageslicht entstanden, obwohl die Mission im Original nachts spielt und auf Schleichen ausgelegt ist. Vermutlich handelt es sich um Präsentationsbilder einzelner Umgebungsobjekte, nicht um Spielszenen. Über Grafikqualität, Steuerung oder Spielgefühl der aktuellen Fassung sagen sie damit nichts.
Ein Erscheinungstermin existiert weiterhin nicht, und offiziell geäußert hat sich Ubisoft zuletzt bei der Ankündigung. Nach fünf Jahren ist der Nachweis, dass das Projekt lebt, allerdings schon eine Meldung für sich.

