Ein experimentelles Projekt, das Nvidias DLSS 5 auf AMD-Grafikkarten nutzbar machen soll, macht offenbar enorme Fortschritte. Eine Radeon RX 9070 XT erreicht in Cyberpunk 2077 inzwischen durchschnittlich rund 75 FPS. Noch wenige Tage zuvor lag dieselbe Kombination bei weniger als 30 Bildern pro Sekunde. Innerhalb mehrerer Alpha-Versionen wurde die Performance damit mehr als verdoppelt. Wichtig bleibt allerdings: Die Umsetzung ist vollständig inoffiziell und steht nicht mit Nvidia in Verbindung.
Das Projekt hört auf den Namen DLSS-NR-on-AMD und versucht, Funktionen der neuen Nvidia-Technologie auch auf Grafikkarten nutzbar zu machen, die offiziell nicht dafür vorgesehen sind.
Besonders die Radeon-RX-9000-Serie scheint derzeit von den schnellen Optimierungen zu profitieren.
RX 9070 XT springt von unter 30 auf rund 75 FPS
Die aktuellen Messungen stammen aus Cyberpunk 2077 bei einer Auflösung von 1080p.
Mit einer Radeon RX 9070 XT und der aktuellen Version der inoffiziellen DLSS-5-Implementierung wurden durchschnittlich 75,19 FPS gemessen.
Das Testsystem verwendete dabei einen Ryzen 9 3900X.
Bemerkenswert ist vor allem der Vergleich mit früheren Versionen des Projekts.
Noch wenige Tage zuvor erreichte dieselbe Grafikkarte mit der experimentellen Lösung lediglich Werte um beziehungsweise unter 30 FPS.
Mit rund 75 FPS liegt die Performance inzwischen mehr als doppelt so hoch.
Der im Ausgangstest genannte Zuwachs von über 200 Prozent bezieht sich dabei auf die Entwicklung gegenüber diesen sehr frühen Builds des Projekts und sollte nicht mit einem klassischen Vergleich zwischen nativer Darstellung und DLSS verwechselt werden.
Mehrere Updates bringen massive Verbesserungen
Die Leistungssteigerung kam nicht mit einem einzelnen Update.
Der Entwickler hat innerhalb kurzer Zeit mehrere Alpha-Versionen veröffentlicht, die jeweils weitere Optimierungen enthielten.
Genannt werden unter anderem:
| Version | zusätzlicher Performance-Gewinn |
|---|---|
| Alpha 0.4.1 | rund 8 % |
| Alpha 0.4.2 | rund 15 % auf Radeon RX 9000 |
| Alpha 0.4.3 Referenzmodus | rund 20 % |
| Alpha 0.4.3 Schnellmodus | rund 18 % |
Zusammengenommen ergibt sich dadurch ein erheblicher Unterschied gegenüber den ersten Versionen.
Das ist gleichzeitig ein gutes Beispiel dafür, wie unfertig sich das Projekt derzeit noch befindet. Wenn einzelne Alpha-Updates zweistellige Performance-Sprünge ermöglichen, dürfte weiterhin viel Optimierungspotenzial vorhanden sein.
Schnellmodus wird für Radeon RX 9000 empfohlen
Für Grafikkarten der Radeon-RX-9000-Serie empfiehlt der Entwickler inzwischen den sogenannten Fast Mode beziehungsweise Schnellmodus.
Dieser soll die Rechenlast auf der GPU reduzieren und damit höhere Frameraten ermöglichen.
Nach Angaben des Entwicklers fällt der sichtbare Unterschied zum aufwendigeren Referenzmodus gleichzeitig sehr gering aus.
Ob sich diese Einschätzung in allen Spielen und Szenen bestätigt, muss sich allerdings noch zeigen.
Gerade bei Upscaling- und Rekonstruktionsverfahren können Unterschiede abhängig von Bewegung, Partikeleffekten, feinen Objekten oder Kameraschwenks stärker sichtbar werden als in statischen Vergleichsbildern.
Für die ältere Radeon-RX-7000-Serie bleibt derzeit der Referenzmodus die Standardeinstellung.
Das ist kein offizieller DLSS-Support für AMD
Bei den beeindruckenden Zahlen ist eine Unterscheidung besonders wichtig:
AMD-Grafikkarten unterstützen DLSS 5 dadurch nicht plötzlich offiziell.
Das Projekt stammt aus der Community und arbeitet unabhängig von Nvidia.
Entsprechend gibt es keine Garantie für:
- fehlerfreie Darstellung
- stabile Performance
- Kompatibilität mit allen Spielen
- zukünftige Unterstützung
- identische Qualität zu offiziell unterstützten Nvidia-GPUs
Gerade bei einer Alpha-Version können außerdem Bugs, Grafikfehler oder Abstürze auftreten.
Wer eine solche Lösung ausprobiert, nutzt also eine experimentelle Modifikation und keine offiziell freigegebene Funktion des Grafikkartentreibers.
Cyberpunk 2077 ist ein interessanter Belastungstest
Cyberpunk 2077 eignet sich besonders gut, um solche Technologien zu testen.
Das Spiel gehört weiterhin zu den grafisch anspruchsvollsten PC-Titeln und bietet umfangreiche Raytracing- und Path-Tracing-Optionen.
Dadurch können neue Rekonstruktions- und Upscaling-Technologien hier einen besonders großen Unterschied machen.
Genau deshalb ist der Sprung von weniger als 30 auf rund 75 FPS bemerkenswert.
Ein Modus, der zuvor praktisch nur experimentellen Charakter hatte, bewegt sich dadurch erstmals in einen Bereich, der tatsächlich sinnvoll spielbar sein kann.
Softwareoptimierung macht derzeit den größten Unterschied
Interessant ist auch, dass sich an der Grafikkarte selbst nichts geändert hat.
Der massive Performance-Zuwachs entsteht ausschließlich durch die Weiterentwicklung der Software.
Das zeigt, wie ineffizient die ersten Versionen des Projekts offenbar noch gearbeitet haben.
Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass die aktuell gemessenen 75 FPS nicht zwangsläufig das Ende der Entwicklung darstellen.
Weitere Optimierungen könnten zusätzliche Leistung bringen – genauso gut können spätere Änderungen zugunsten besserer Bildqualität wieder etwas Performance kosten.
Das Projekt befindet sich noch in einer Phase, in der sich solche Werte sehr schnell verändern können.
Für Radeon-Nutzer ist das Projekt trotzdem spannend
Selbst wenn aus DLSS-NR-on-AMD niemals eine perfekte Alltaglösung wird, ist das Experiment technisch interessant.
Modder versuchen damit, Funktionen über Hardwaregrenzen hinweg nutzbar zu machen, die ursprünglich an bestimmte GPU-Familien gebunden sind.
Für Besitzer einer Radeon RX 9070 XT ist insbesondere die Geschwindigkeit der Entwicklung bemerkenswert: Innerhalb weniger Tage wurde aus einem kaum praktikablen Cyberpunk-Test mit weniger als 30 FPS ein Lauf mit durchschnittlich rund 75 Bildern pro Sekunde.
Ob daraus langfristig eine stabile Alternative für den normalen Spielebetrieb entsteht, ist noch völlig offen. Der aktuelle Fortschritt zeigt aber bereits, wie stark reine Softwareoptimierungen die Performance einer solchen inoffiziellen Implementierung verändern können.

