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RPCS3 lehnt DLSS 5 ab: Entwickler sprechen von KI-Müll

Jonas Teichmann
Jonas Teichmann Chefredakteur & Esports-Experte

Die Entwickler des PlayStation-3-Emulators RPCS3 haben einer offiziellen Integration von NVIDIA DLSS 5 eine deutliche Absage erteilt. Nachdem Nutzer eine vorab geleakte DLSS-5-Bibliothek mit dem Emulator getestet hatten, bezeichnete das Team die Ergebnisse öffentlich als „slop“ und erklärte, solche Technologien nicht selbst mit RPCS3 ausliefern zu wollen. Im Kern geht es den Entwicklern dabei weniger um NVIDIA als um die grundsätzliche Philosophie des Emulatorprojekts: RPCS3 soll PlayStation-3-Spiele möglichst präzise reproduzieren und nicht nachträglich deren Darstellung neu interpretieren.

DLSS 5 läuft bereits inoffiziell mit RPCS3

Ausgangspunkt der Diskussion sind Experimente aus der Modding-Community. Nach dem Auftauchen einer DLSS-5-DLL aus NBA 2K27 gelang es Nutzern, NVIDIAs neues Neural Rendering auch in Anwendungen und Spielen einzuschleusen, die offiziell überhaupt keine Unterstützung dafür besitzen.

Davon blieb auch RPCS3 nicht verschont. Mehrere Nutzer testeten die Technologie mit dem Vulkan-Renderer des Emulators und veröffentlichten erste Vergleichsbilder.

Das offizielle RPCS3-Team reagierte darauf ausgesprochen deutlich. Auf X erklärte das Projekt, man habe gesehen, welche Ergebnisse die Technik erzeuge. Gleichzeitig kritisierten die Entwickler einen Trend der Spielebranche zu immer mehr Upscaling, Frame Generation und automatisierter Bildrekonstruktion.

Eine offizielle Implementierung ist nach dieser Stellungnahme praktisch ausgeschlossen.

RPCS3 will PS3-Spiele möglichst originalgetreu emulieren

Die Ablehnung hängt eng mit dem technischen Ziel des Projekts zusammen.

RPCS3 soll die Hardware und das Verhalten der PlayStation 3 möglichst genau emulieren. In einer weiteren Antwort erklärte das Team, man versuche bis hinunter auf die Ebene einzelner CPU-Zyklen möglichst präzise zu arbeiten und gleichzeitig spielspezifische Hacks zu vermeiden.

Ein nachgeschaltetes KI-System wie DLSS 5 passt aus Sicht der Entwickler nur schwer zu diesem Ansatz. NVIDIAs neues Verfahren beschränkt sich nämlich nicht auf klassisches Hochskalieren.

DLSS 5 verwendet sogenanntes 3D-Guided Neural Rendering. Das KI-Modell erhält unter anderem das bereits gerenderte Bild und Bewegungsinformationen aus der Engine und erzeugt daraus zusätzliche Material- und Beleuchtungsdetails. NVIDIA nennt beispielsweise realistischere Haut, Lichtdurchlässigkeit bei Haaren und Vegetation sowie ausgeprägtere Kontaktschatten.

Bei einem Emulator würde das bedeuten, dass ein Spiel zwar korrekt emuliert wird, das ausgegebene Bild anschließend aber optisch weiterverarbeitet wird.

Genau diesen zusätzlichen Eingriff möchte RPCS3 offenbar nicht zum Bestandteil des eigentlichen Projekts machen.

Auch Frame Generation bekommt deutliche Kritik ab

Das Team beschränkte seine Kritik nicht auf DLSS 5.

In weiteren Antworten äußerten sich die Entwickler ebenfalls ablehnend zu Frame Generation und Interpolation. Besonders bei ursprünglich mit 30 FPS laufenden Spielen sehen sie Probleme, wenn künstlich zusätzliche Frames erzeugt werden.

Neben möglichen visuellen Veränderungen nennt RPCS3 dabei auch die zusätzliche Eingabelatenz als Argument.

Wer solche Techniken trotzdem verwenden möchte, kann das aus Sicht der Entwickler weiterhin tun. Externe Programme und Modifikationen lassen sich unabhängig vom Emulator einsetzen. RPCS3 selbst soll diese Funktionen aber nicht offiziell integrieren.

Warum RPCS3 trotzdem AMD FSR unterstützt

Ganz ohne Upscaling-Technik kommt RPCS3 allerdings nicht aus.

Der Emulator bietet bereits AMD FidelityFX Super Resolution 1, kurz FSR1, als Option für die Ausgabe an. Der aktuelle RPCS3-Code enthält neben bilinearem und Nearest-Neighbor-Scaling ausdrücklich einen eigenen FSR-Upscaling-Pfad.

Das ist für das Entwicklerteam kein Widerspruch.

FSR1 arbeitet als räumlicher Upscaler. Vereinfacht gesagt verarbeitet die Technik das bereits vorhandene einzelne Bild. Sie benötigt weder Informationen aus vorherigen Frames noch erzeugt sie zusätzliche Zwischenbilder.

DLSS-Varianten mit temporaler Rekonstruktion, Frame Generation und insbesondere das neue Neural Rendering greifen dagegen wesentlich stärker in die finale Darstellung ein.

RPCS3 formulierte diesen Unterschied auf X ebenfalls ausdrücklich und verwies darauf, dass FSR1 technisch nicht mit temporalen Upscalern oder Frame-Interpolation gleichgesetzt werden sollte.

DLSS 5 ist ohnehin noch nicht regulär verfügbar

Auch der Zeitpunkt der Diskussion ist bemerkenswert.

Die derzeit mit RPCS3 verwendete Version stammt nicht aus einer offiziellen RPCS3- oder NVIDIA-Integration. Modder hatten Komponenten von DLSS 5 bereits vor dem regulären Start aus NBA 2K27 extrahiert und anschließend unter anderem in Cyberpunk 2077, GTA 5 und weitere Spiele eingebaut.

NVIDIA selbst veröffentlicht DLSS 5 offiziell erst am 3. September um 21 Uhr Pacific Time, also am 4. September um 6 Uhr deutscher Zeit. NBA 2K27 ist der erste offiziell unterstützte Titel. Zum Start funktioniert das 3D-Guided Neural Rendering regulär auf GeForce-RTX-50-Grafikkarten sowie über GeForce NOW Ultimate.

Damit basieren auch die bisherigen RPCS3-Versuche auf einer inoffiziell eingesetzten Version und nicht auf einer für den Emulator optimierten Implementierung.

RPCS3 ist nicht grundsätzlich gegen jede Nutzung von KI

Die harte Wortwahl könnte zudem einen falschen Eindruck vermitteln. RPCS3 lehnt KI-Technologien nicht grundsätzlich ab.

Die offiziellen Entwicklungsrichtlinien erlauben ausdrücklich den Einsatz von KI-Werkzeugen beispielsweise für Recherche und Reverse Engineering. Die Entwickler verlangen allerdings, dass eingereichter Code verstanden, überprüft und von einem Menschen verantwortet wird.

Hintergrund ist eine bereits im Frühjahr entbrannte Diskussion um schlecht geprüfte, KI-generierte Pull Requests. RPCS3 hatte daraufhin seine Regeln verschärft und verlangt inzwischen die Offenlegung entsprechender KI-Nutzung bei Code-Beiträgen.

Bei DLSS 5 geht es daher um einen anderen Punkt: Die Entwickler wollen keine Bildgenerierung beziehungsweise umfangreiche nachträgliche Bildveränderung zum Bestandteil eines Emulators machen, dessen Kernaufgabe möglichst akkurate Reproduktion ist.

Wer PS3-Spiele mit Neural Rendering ausprobieren möchte, wird dafür also weiterhin auf externe Mods angewiesen sein. Eine offizielle DLSS-5-Option in RPCS3 ist nach den aktuellen Aussagen des Teams nicht geplant.

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Jonas Teichmann

Über den Autor

Jonas Teichmann

Jonas Teichmann ist Texter und E-Sport-Redakteur bei Fragster.de. In seinen Artikeln verbindet er aktuelle News mit klarer Einordnung und einem Blick für die Details, die in der Szene wirklich zählen. Ob CS2, League of Legends oder die großen internationalen Turniere: Jonas bereitet Themen so auf, dass sowohl eingefleischte Fans als auch Neueinsteiger schnell den Überblick bekommen. Sein Fokus liegt auf verständlicher Sprache, sauberer Struktur und dem Anspruch, Entwicklungen nicht nur zu melden, sondern auch nachvollziehbar zu erklären. Dabei greift er Trends, Meta-Änderungen und Teamdynamiken genauso auf wie relevante Hintergrundgeschichten.

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