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League of Legends

Riot rudert zurück: Classic-Chromas gibt es jetzt gratis, wenn man den Skin schon besitzt

Jonas Teichmann
Jonas Teichmann Chefredakteur & Esports-Experte

League of Legends Classic sollte die Rückkehr zu den Anfängen des Spiels sein. Beim Start fanden viele Spielerinnen und Spieler stattdessen einen Shop vor — und darin Chromas wie Tundra Hunter Warwick oder Exiled Morgana hinter einer Bezahlschranke von 300 RP. Auch dann, wenn man dieselben Skins auf dem regulären Konto seit über einem Jahrzehnt besitzt.

Nach entsprechendem Widerspruch hat Riot am 3. August nachgegeben. Wer die moderne Fassung eines Skins besitzt, bekommt das zugehörige Classic-Chroma künftig kostenlos. Wer bereits gekauft hat und die moderne Version ebenfalls besitzt, erhält die ausgegebenen RP zurück.

Woran sich der Ärger entzündet hat

Der Kern des Problems war nicht der Preis, sondern die Doppelzahlung. Ein Konto, auf dem Tundra Hunter Warwick liegt, gewährte in Classic keinerlei Zugriff darauf. Man musste denselben Gegenstand ein zweites Mal erwerben.

Im zuständigen Subreddit brachte es ein Nutzer sinngemäß auf den Punkt: Das Argument, man solle seine Skins für Classic nicht erneut kaufen müssen, verliere jede Grundlage, wenn man genau das für Skins tun müsse, die man vor dreizehn Jahren gekauft habe.

Dieser Einwand trifft einen empfindlichen Punkt, weil Classic ausdrücklich mit Nostalgie wirbt. Ein Modus, der das Spielgefühl von 2013 zurückbringen will, aber die damals erworbenen Gegenstände nicht anerkennt, arbeitet gegen die eigene Prämisse.

Nicht die erste Kehrtwende bei Classic

Bemerkenswert ist, dass es sich um die zweite Korrektur in kurzer Zeit handelt. Bereits zuvor hatte Riot kostenpflichtige Classic-Skins zurückgenommen, die die ursprünglichen Basismodelle der Champions hinter eine Bezahlschranke gestellt hatten.

Zweimal dasselbe Muster: Riot setzt eine Monetarisierung an, die Community reagiert deutlich, Riot nimmt sie zurück. Man kann das als Beleg für Reaktionsfähigkeit lesen — oder als Hinweis darauf, dass die interne Einschätzung, was bei diesem Publikum durchgeht, wiederholt danebenlag.

Riot selbst hat angekündigt, League of Legends Classic gemeinsam mit der Spielerschaft zu entwickeln, ähnlich wie es Jagex bei Old School RuneScape handhabt. Wer diesen Anspruch formuliert, muss sich daran messen lassen — und die beiden Rückzieher sprechen zumindest dafür, dass die Ankündigung nicht folgenlos bleibt.

Was das für die Erwartung an Classic bedeutet

Ein Punkt bleibt allerdings offen, und der wird in der aktuellen Begeisterung leicht übersehen: Der Shop verschwindet nicht. Classic hat weiterhin einen eigenen Verkaufsbereich, und die aktuelle Regelung betrifft ausschließlich Chromas, deren moderne Entsprechung man bereits besitzt.

Alles andere bleibt kostenpflichtig. Wer einen Classic-Skin will, dessen moderne Fassung er nie gekauft hat, zahlt weiterhin. Und für alles, was ausschließlich in Classic existiert — etwa die Founders-Fassungen aus der Collector’s Box — gilt die Regelung ohnehin nicht.

Das ist nicht per se unfair. Ein Modus, der dauerhaft betrieben und weiterentwickelt werden soll, muss sich finanzieren. Die Frage ist lediglich, welche Erwartung man an Classic haben sollte: Es ist kein monetarisierungsfreier Rückzugsort, sondern ein zweites League of Legends mit eigenem Shop, dessen Regeln gerade erst ausgehandelt werden.

Warum die Korrektur trotzdem richtig ist

Nüchtern betrachtet hat Riot hier ein selbst verursachtes Problem behoben, kein Geschenk gemacht. Trotzdem ist die Entscheidung die richtige, und zwar aus einem sehr praktischen Grund.

Der Wert von League of Legends Classic besteht darin, dass Menschen zurückkommen, die das Spiel früher gespielt haben. Genau diese Gruppe hat gefüllte Inventare aus zehn oder mehr Jahren. Wer sie beim ersten Start damit konfrontiert, dass ihr Besitz nichts zählt, verliert sie in derselben Sitzung wieder — und zwar nicht wegen 300 RP, sondern wegen des Gefühls, dass hier etwas nicht stimmt.

Riot hat das offenbar erkannt. Wie weit dieses Verständnis reicht, wird sich zeigen, sobald der nächste größere Verkaufsposten in Classic auftaucht.

Jonas Teichmann

Über den Autor

Jonas Teichmann

Jonas Teichmann ist Texter und E-Sport-Redakteur bei Fragster.de. In seinen Artikeln verbindet er aktuelle News mit klarer Einordnung und einem Blick für die Details, die in der Szene wirklich zählen. Ob CS2, League of Legends oder die großen internationalen Turniere: Jonas bereitet Themen so auf, dass sowohl eingefleischte Fans als auch Neueinsteiger schnell den Überblick bekommen. Sein Fokus liegt auf verständlicher Sprache, sauberer Struktur und dem Anspruch, Entwicklungen nicht nur zu melden, sondern auch nachvollziehbar zu erklären. Dabei greift er Trends, Meta-Änderungen und Teamdynamiken genauso auf wie relevante Hintergrundgeschichten.

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