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Riot plant offenbar das Aus für Academy-Teams im VCT 2027

Jonas Teichmann
Jonas Teichmann Chefredakteur & Esports-Experte

Mit der großen Neuordnung der VALORANT Champions Tour könnte ein bekanntes Nachwuchsmodell verschwinden. Riot Games plant laut einem Bericht von Sheep Esports offenbar, Organisationen ab 2027 nicht mehr gleichzeitig ein Hauptteam und ein klassisches Academy-Roster innerhalb des VCT-Systems betreiben zu lassen. Für Game-Changers-Teams soll dagegen eine Ausnahme gelten. Offiziell bestätigt ist diese Regel bislang nicht.

Die mögliche Änderung hängt direkt mit Riots neuem offenen Turniersystem zusammen. Ab 2027 treten Partnerteams und offene Mannschaften wesentlich häufiger innerhalb desselben Qualifikationssystems gegeneinander an.

Riot will offenbar zwei Teams desselben Clubs verhindern

Der Hintergrund ist relativ nachvollziehbar.

Im bisherigen System konnten Organisationen neben ihrem VCT-Team einen Academy- oder Challengers-Kader betreiben, ohne dass beide Mannschaften regelmäßig im selben Wettbewerb aufeinandertrafen.

2027 ändert sich das.

Open Qualifiers werden zu einem zentralen Bestandteil der VCT. Offene Teams können sich über diese Wettbewerbe bis zu Kickoff, Cups, Masters und sogar Champions spielen. Riot bestätigt, dass beispielsweise beim Kickoff in Americas, EMEA und Pacific jeweils acht Partnerteams auf vier Qualifikanten treffen werden.

Zwei Mannschaften derselben Organisation könnten damit theoretisch im gleichen Qualifier oder Turnier landen.

Genau das will Riot laut Sheep Esports offenbar vermeiden. Eine Organisation dürfte entsprechend nicht gleichzeitig zwei reguläre aktive VCT-Roster besitzen.

NRG deutete die Änderung bereits an

Ein erstes Indiz gab es schon Ende August.

NRG erklärte bei der Trennung von seinem Academy-Team, dass die Änderungen am VCT-System 2027 die Möglichkeiten der Organisation im Umgang mit Academy-Rostern einschränken würden.

Sheep Esports will anschließend aus eigenen Quellen bestätigt haben, dass Riot tatsächlich an einer entsprechenden Regel arbeitet.

Die vollständigen VCT-Regeln für 2027 wurden allerdings noch nicht veröffentlicht.

Entsprechend bleibt das Academy-Verbot bis zur offiziellen Bestätigung durch Riot als Bericht beziehungsweise Leak einzuordnen.

Game Changers soll ausdrücklich erlaubt bleiben

Eine bemerkenswerte Ausnahme betrifft VALORANT Game Changers.

Organisationen sollen weiterhin sowohl ein reguläres VCT-Team als auch ein Game-Changers-Roster betreiben dürfen.

Diese Mannschaften können über das offene System ebenfalls an Qualifikationen teilnehmen. Dadurch wäre sogar möglich, dass ein Game-Changers-Team in einem offenen Qualifier auf das Hauptteam derselben Organisation trifft.

Riot scheint diesen möglichen Interessenkonflikt bewusst in Kauf zu nehmen, um den separaten Entwicklungsweg für Frauen und andere unterrepräsentierte Geschlechter nicht zu schwächen.

Für klassische Academy-Teams soll diese Ausnahme dagegen nicht gelten.

Neue Heimatregionen verändern auch die Kaderregeln

Parallel arbeitet Riot an neuen Residency-Regeln.

Nach den derzeit bekannten Plänen müssen Mannschaften künftig mindestens drei Spieler aus ihrem jeweiligen Heimatgebiet einsetzen. Maximal zwei Spieler dürfen als Imports gelten.

Dabei soll nicht mehr nur zwischen den vier großen VCT-Regionen unterschieden werden. Entscheidend werden kleinere sogenannte Home Territories beziehungsweise Heimatgebiete. Ein türkischer Spieler könnte beispielsweise bei einem europäischen Team als Import gelten, obwohl beide bislang unter VCT EMEA antreten.

Für bestehende Partnerkader soll es Übergangsregeln geben.

VALORANT-Esport-Chef Leo Faria bestätigte bereits das sogenannte Grandfathering: Bestehende Roster dürfen unter bestimmten Voraussetzungen zusammenbleiben, selbst wenn sie die neuen Quoten zunächst nicht erfüllen. Verlässt später ein Import das Team, muss der Ersatz jedoch schrittweise dafür sorgen, dass die Mannschaft wieder regelkonform wird.

Mindestalter könnte wieder auf 17 Jahre sinken

Sheep Esports berichtet außerdem von einer weiteren Änderung.

Das Mindestalter für die großen VCT-Wettbewerbe außerhalb Chinas soll 2027 voraussichtlich auf 17 Jahre sinken. In China dürfte wegen lokaler Vorschriften weiterhin eine Altersgrenze von 18 Jahren gelten.

Auch Mindestgehälter sollen für Partnerorganisationen bestehen bleiben. Sheep Esports nennt weiterhin eine Größenordnung von etwa 50.000 US-Dollar jährlich. Einen Salary Cap außerhalb Chinas plant Riot dem Bericht zufolge derzeit nicht.

Diese Punkte sind im Gegensatz zur neuen offenen Turnierstruktur noch nicht vollständig offiziell bestätigt.

VCT 2027 wird grundsätzlich offener

Die größere Richtung steht dagegen bereits fest.

Riot verabschiedet sich von langen geschlossenen Liga-Phasen und setzt stärker auf Turniere und Open Qualifiers. Acht Partnerteams pro Region behalten finanzielle Vorteile und bessere Seeds, müssen ihre Plätze in späteren Wettbewerben aber sportlich verteidigen.

Nicht-Partner können gleichzeitig erhebliche feste Zahlungen erhalten: 100.000 Dollar für die Qualifikation zu Kickoff oder Cup, 200.000 Dollar für Masters und 400.000 Dollar für Champions.

Damit verliert die klassische Trennung zwischen Tier 1 und Tier 2 zumindest teilweise an Bedeutung.

Und genau darin liegt wohl das Problem der Academy-Teams: Wenn Haupt- und Nachwuchskader künftig grundsätzlich um dieselben Plätze kämpfen können, wären sie nicht mehr nur Entwicklungsmannschaften – sondern zwei Teams desselben Eigentümers im gleichen Wettbewerb.


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Jonas Teichmann

Über den Autor

Jonas Teichmann

Jonas Teichmann ist Texter und E-Sport-Redakteur bei Fragster.de. In seinen Artikeln verbindet er aktuelle News mit klarer Einordnung und einem Blick für die Details, die in der Szene wirklich zählen. Ob CS2, League of Legends oder die großen internationalen Turniere: Jonas bereitet Themen so auf, dass sowohl eingefleischte Fans als auch Neueinsteiger schnell den Überblick bekommen. Sein Fokus liegt auf verständlicher Sprache, sauberer Struktur und dem Anspruch, Entwicklungen nicht nur zu melden, sondern auch nachvollziehbar zu erklären. Dabei greift er Trends, Meta-Änderungen und Teamdynamiken genauso auf wie relevante Hintergrundgeschichten.

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