Riot Games erleichtert die Organisation unabhängiger League-of-Legends-Turniere. Die am 3. August veröffentlichten Richtlinien führen weltweit einen einheitlichen Rahmen für Community-Wettbewerbe ein und schaffen mehrere finanzielle Beschränkungen ab. Veranstalter müssen in den meisten Fällen nicht mehr auf eine gesonderte Genehmigung warten, bevor sie ihr Turnier starten.
Die Änderungen betreffen lokale LAN-Events ebenso wie Online-Brackets, Schul- und Hochschulturniere oder größere Einladungswettbewerbe. Riot will damit vor allem den organisatorischen Aufwand reduzieren und mehr Wettbewerbe außerhalb des offiziellen LoL-Esport-Systems ermöglichen.
Eine Lizenz ersetzt das bisherige Stufensystem
Bislang mussten sich Veranstalter abhängig von Region, Größe und Art ihres Wettbewerbs mit unterschiedlichen Lizenzmodellen und Vorgaben auseinandersetzen. Dieses gestaffelte System wird durch eine einheitliche Lizenz für Community-Turniere ersetzt.
Die neuen Vorgaben gelten in den unterstützten Regionen und Sprachen für unterschiedliche Formen von League-of-Legends-Wettbewerben. Abgedeckt werden nicht nur klassische Partien auf der Kluft der Beschwörer, sondern auch ARAM, Arena und League of Legends Classic. Künftige Spielmodi sollen ebenfalls unter denselben grundsätzlichen Rahmen fallen können.
| Turnierform | Von den neuen Richtlinien erfasst |
|---|---|
| Lokale LAN-Events | Ja |
| Online-Turniere | Ja |
| Offene Brackets | Ja |
| Einladungsturniere | Ja |
| Schulwettbewerbe | Ja |
| Hochschulturniere | Ja |
| League Classic | Ja |
| ARAM und Arena | Ja |
Nicht jede Organisation kann die vereinfachte Community-Lizenz nutzen. Professionelle LoL-Teams und Spieler, staatliche Einrichtungen außerhalb bestimmter Ausnahmen, Tourismusverbände sowie Unternehmen, die keine etablierten Turnierveranstalter sind, müssen unter Umständen weiterhin direkt mit Riot zusammenarbeiten.
Keine festen Grenzen mehr für Preisgelder und Einnahmen
Eine der wichtigsten Änderungen betrifft die Finanzierung. Riot entfernt die bisherigen festen Obergrenzen für mehrere zentrale Einnahmequellen.
Unter den neuen Richtlinien gibt es keine pauschalen Höchstbeträge mehr für:
- Start- und Teilnahmegebühren
- Preisgelder
- Sponsoring-Einnahmen
- Eintrittskarten für Zuschauer
Damit erhalten Veranstalter deutlich mehr Spielraum bei der Kalkulation ihrer Events. Größere Community-Turniere können höhere Preisgelder ausschütten, Sponsoren umfangreicher einbinden und Einnahmen aus Tickets oder Teilnehmergebühren verwenden.
Riot erwartet allerdings weiterhin einen verantwortungsvollen Umgang mit den Geldern. Veranstalter dürfen keine irreführenden Versprechen machen und müssen Spielern, Zuschauern sowie Partnern einen angemessenen Gegenwert bieten.
Die Entfernung der Obergrenzen ist deshalb keine vollständige Freigabe ohne Regeln. Organisatoren bleiben für die Finanzierung, Auszahlung von Preisgeldern und Einhaltung gesetzlicher Vorgaben selbst verantwortlich.
Turniere können meist ohne vorherige Freigabe starten
Auch der Genehmigungsprozess wird vereinfacht. Veranstalter müssen in den meisten Fällen nicht mehr auf eine individuelle Zustimmung von Riot warten, bevor sie einen Community-Wettbewerb durchführen.
Statt eines klassischen Antragsverfahrens stellt Riot ein sogenanntes Sichtbarkeitsformular bereit. Organisatoren sollen darüber Angaben zu ihrem Event übermitteln. Das Formular dient vor allem dazu, Riot einen besseren Überblick über die weltweite Community-Szene zu geben.
Übermittelte Wettbewerbe können später für Community-Vorstellungen, Werbeaktionen, Belohnungsprogramme oder zusätzliche Ressourcen für Veranstalter berücksichtigt werden. Die Einreichung bedeutet jedoch nicht, dass das Turnier automatisch zu einem offiziellen Riot-Event wird.
Riot verfolgt damit einen offeneren Ansatz: Die Community soll Veranstaltungen möglichst eigenständig umsetzen können, während das Unternehmen bei Bedarf weiterhin eingreifen kann.
Schul- und Hochschulturniere erhalten mehr Freiraum
Besonders stark vereinfacht werden Wettbewerbe an Schulen und Hochschulen. Bisherige Beschränkungen für Schulturniere mit Teilnehmern aus mehreren Bundesstaaten oder vergleichbaren Verwaltungsregionen entfallen.
Bei Hochschulwettbewerben entfernt Riot außerdem Vorgaben zur maximalen Turnierdauer, zur Zahl der teilnehmenden Einrichtungen sowie zur Zusammenarbeit mit Esport-Dachverbänden.
Für Schulen, Universitäten und studentische Esport-Gruppen wird es dadurch leichter, größere und länger laufende Wettbewerbe aufzubauen. Turnierserien müssen nicht mehr künstlich verkürzt oder auf eine bestimmte Zahl von Einrichtungen begrenzt werden.
Die Änderungen könnten vor allem lokalen und regionalen Szenen helfen, in denen bislang kaum dauerhaft organisierte League-of-Legends-Wettbewerbe existieren.
Riot-Marken dürfen nur eingeschränkt verwendet werden
Trotz der Lockerungen bleiben klare Grenzen bei der Nutzung des geistigen Eigentums von Riot bestehen. Veranstalter dürfen ausgewählte League-of-Legends-Inhalte für die Bewerbung ihres Wettbewerbs verwenden, müssen dabei aber das ursprüngliche Erscheinungsbild respektieren.
Champions, Logos und andere Grafiken dürfen zugeschnitten, skaliert und angeordnet werden. Sie dürfen jedoch nicht so verändert werden, dass ihre Identität oder beabsichtigte Darstellung verloren geht.
Untersagt bleibt insbesondere der Eindruck, Riot Games oder LoL Esports würden das Turnier offiziell veranstalten oder unterstützen.
Veranstalter dürfen deshalb unter anderem nicht:
- das Unternehmenslogo von Riot Games für ihre Eventwerbung verwenden
- Marken offizieller Wettbewerbe wie Worlds, MSI, First Stand, LEC, LCS, LCK oder LPL übernehmen
- ihr Event als offiziellen LoL-Esport-Wettbewerb darstellen
- League-of-Legends-Grafiken zur Werbung für Produkte oder Sponsoren verwenden
Der Name und die Gestaltung eines Turniers müssen deutlich machen, dass es sich um eine unabhängige Community-Veranstaltung handelt.
Onlineübertragungen dürfen kostenpflichtig sein
Community-Turniere dürfen auf einer frei gewählten Onlineplattform übertragen werden. Riot erlaubt den Veranstaltern ausdrücklich, Zuschauergebühren zu verlangen oder den Zugriff auf den Stream anderweitig zu beschränken.
Damit sind neben kostenlosen Übertragungen auch kostenpflichtige Streams oder besondere Zugangsmodelle möglich. Eine Ausstrahlung im klassischen linearen Fernsehen ist unter den Community-Richtlinien dagegen nicht gestattet.
Für kleinere Veranstalter eröffnet die Regel zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten. Ob Zuschauer tatsächlich für den Zugang zu einem unabhängigen League-Turnier zahlen, hängt allerdings von der Qualität, Reichweite und Attraktivität des jeweiligen Events ab.
Glücksspiel und Kryptowährungen bleiben als Sponsoren verboten
Obwohl die finanziellen Obergrenzen aufgehoben wurden, dürfen Veranstalter nicht mit beliebigen Unternehmen zusammenarbeiten. Riot aktualisiert die Liste der ausgeschlossenen Sponsorenkategorien, hält aber an mehreren grundlegenden Verboten fest.
Nicht zugelassen sind unter anderem:
- Glücksspielanbieter, Sportwetten und Onlinecasinos
- Fantasy-Esport- und Daily-Fantasy-Anbieter
- Kryptowährungen, NFTs und unregulierte Finanzprodukte
- Tabak und regulierte Rauschmittel
- Waffen, Munition und entsprechendes Zubehör
- pornografische Angebote und Plattformen für Erwachsene
- Marktplätze für gefälschte oder illegale virtuelle Gegenstände
- politische Kampagnen und bestimmte politische Organisationen
Auch Sponsoren, die gegen Riots Nutzungsbedingungen verstoßen oder dem Ansehen von League of Legends und seiner Community schaden könnten, bleiben ausgeschlossen.
Damit öffnet Riot die Community-Turniere wirtschaftlich, ohne besonders umstrittene Partnerkategorien freizugeben.
Riot behält sich Eingriffe weiterhin vor
Die neue Community-Lizenz ist widerrufbar. Riot kann gegen Wettbewerbe vorgehen oder sie beenden lassen, wenn sie gegen die Richtlinien, die Nutzungsbedingungen oder die Werte des Unternehmens verstoßen.
Turnierveranstalter tragen zudem selbst die Verantwortung dafür, dass ihr Event alle geltenden Gesetze, Verträge und Verpflichtungen gegenüber Dritten einhält. Die vereinfachten Riot-Regeln ersetzen damit keine lokalen rechtlichen Anforderungen.
Unabhängige Organisatoren erhalten insgesamt deutlich mehr Freiheit, müssen aber weiterhin transparent und verantwortungsvoll handeln. Falsche Preisgeldversprechen, betrügerische Praktiken oder irreführendes Marketing können zum Entzug der Lizenz führen.
Mit den neuen Richtlinien senkt Riot die Einstiegshürden für lokale und digitale League-of-Legends-Wettbewerbe erheblich. Ob daraus tatsächlich mehr Turniere entstehen, hängt nun vor allem von Community-Veranstaltern, Hochschulgruppen und unabhängigen Esport-Projekten ab, die den zusätzlichen Spielraum nutzen.
Die Angaben wurden anhand der am 3. August 2026 veröffentlichten offiziellen Riot-Richtlinien geprüft.
Über Jonas Teichmann |
Jonas Teichmann ist Texter und E-Sport-Redakteur bei Fragster.de. In seinen Artikeln verbindet er aktuelle News mit klarer Einordnung und einem Blick für die Details, die in der Szene wirklich zählen. Ob CS2, League of Legends oder die großen internationalen Turniere: Jonas bereitet Themen so auf, dass sowohl eingefleischte Fans als auch Neueinsteiger schnell den Überblick bekommen. Sein Fokus liegt auf verständlicher Sprache, sauberer Struktur und dem Anspruch, Entwicklungen nicht nur zu melden, sondern auch nachvollziehbar zu erklären. Dabei greift er Trends, Meta-Änderungen und Teamdynamiken genauso auf wie relevante Hintergrundgeschichten.
Mehr Artikel von diesem Autor →