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Riot Games krempelt die VCT 2027 komplett um

Autoren-Bild Jonas Teichmann Juni 20, 2026

Riot Games stellt die VALORANT Champions Tour ab 2027 deutlich offener auf. Das neue System soll weniger nach geschlossener Liga und mehr nach dauerhaftem Turnierbetrieb funktionieren. Für Tier-2-Teams, Creator-Projekte und Open-Qualifier-Squads ist das eine große Chance. Für schwächelnde Partnerteams wird es dagegen ungemütlich.

Die VCT 2027 steht unter einem klaren Motto

Riot Games beschreibt die neue VALORANT-Saison mit einem einfachen Leitsatz: „Everything is a Tournament“. Gemeint ist damit ein grundlegender Umbau der bisherigen Struktur. Lange Ligaphasen verlieren an Bedeutung, stattdessen sollen Cups, Kickoff-Turniere, Open Qualifier und globale Events enger miteinander verzahnt werden.

Der wichtigste Gedanke dahinter: Jedes Match soll wieder mehr Gewicht bekommen. Teams sollen nicht nur über Status oder Partnerschaft abgesichert sein, sondern ihre Position im System regelmäßig bestätigen müssen.

Für die VALORANT-Szene ist das ein deutlicher Kurswechsel. Seit Einführung des Partnerteam-Modells standen ausgewählte Organisationen dauerhaft im Mittelpunkt des Tier-1-Systems. Ab 2027 bleibt dieser Vorteil zwar bestehen, wird aber stärker an sportliche Leistung gekoppelt.

Partnerteams bekommen keinen Freifahrtschein mehr

Die größte Veränderung betrifft die Partnerteams. Bisher bedeutete ein Platz im Riot-Partnerprogramm eine ziemlich stabile Position im oberen VALORANT-Ökosystem. Selbst schwache Saisons hatten nur begrenzte strukturelle Folgen.

2027 ändert sich das. Partnerteams erhalten zwar weiterhin Startvorteile, etwa direkte Einstiege in bestimmte Turniere. Sie sind aber nicht automatisch für jeden Cup oder jedes wichtige Event gesetzt. Wer bei Cups oder Masters nicht gut genug abschneidet, kann in die Open Playoffs abrutschen und muss sich dort erneut beweisen.

Das sorgt für deutlich mehr Druck. Große Organisationen können sich nicht mehr dauerhaft auf ihrem Namen oder ihrem Partnerstatus ausruhen. Wer sportlich nicht liefert, muss gegen aufstrebende Teams aus der offenen Szene antreten.

Für Zuschauer dürfte genau das spannend werden. Matches bekommen mehr Konsequenz, Underdogs erhalten mehr Sichtbarkeit, und etablierte Teams laufen Gefahr, plötzlich um ihre Position kämpfen zu müssen.

Open-Teams bekommen echte Chancen

Für Teams außerhalb des bisherigen Partnerprogramms ist die neue Struktur ein massiver Schritt nach vorn. Riot will Open-Qualifier-Teams nicht nur symbolisch einbinden, sondern ihnen echte Wege zu den größten Bühnen geben.

Die Kickoff-Turniere in Americas, EMEA und Pacific werden jeweils mit 12 Teams gespielt. Acht Plätze gehen an Partnerteams, vier Plätze an Teams aus den Open Qualifiers. Damit ist in jedem großen regionalen Startturnier ein relevanter Anteil für offene Qualifikanten reserviert.

Auch danach bleibt der Weg offen. Open-Teams können sich über Leistung weiter in Cups, Masters und Champions spielen. Entscheidend ist dabei nicht mehr nur ein einmaliger Überraschungslauf, sondern die Möglichkeit, über eine Saison hinweg Momentum aufzubauen.

Besonders wichtig ist die Regel zur Roster-Kontinuität. Teams behalten ihre Punkte und ihren Fortschritt, wenn mindestens drei von fünf Spielern im Kern erhalten bleiben. Das hilft vor allem Open- und Creator-Teams, die sonst oft nach einzelnen Erfolgen auseinandergerissen werden.

Riot stärkt die Szene mit festen Zahlungen

Ein offeneres System funktioniert nur, wenn Teams außerhalb des Partnerprogramms finanziell überleben können. Genau hier setzt Riot mit festen Zahlungen an.

Open-Teams, die sich für Kickoff oder einen Cup qualifizieren, erhalten 100.000 US-Dollar. Wer den Sprung zu einem Masters schafft, bekommt 200.000 US-Dollar. Eine Qualifikation für Champions bringt 400.000 US-Dollar.

Das ist für viele nicht-partnergebundene Organisationen ein enormer Unterschied. Gerade Tier-2-Teams kämpfen häufig mit unsicheren Budgets, schwankenden Sponsoren und der Gefahr, erfolgreiche Spieler schnell an größere Organisationen zu verlieren.

Mit den festen Zahlungen schafft Riot einen stärkeren Anreiz, professionelle Strukturen auch außerhalb des Partnerprogramms aufzubauen. Gleichzeitig wird der sportliche Erfolg für Open-Teams wirtschaftlich deutlich greifbarer.

Kickoff-Turniere werden härter

Auch die Turnierformate werden angepasst. Die Kickoff-Events für Americas, EMEA und Pacific starten mit zwölf Teams: acht Partnerteams und vier Open-Qualifier-Teams. Dadurch treffen etablierte Organisationen früher auf Herausforderer, die sich ihren Platz erspielt haben.

Das neue System könnte für mehr Überraschungen sorgen. Open-Teams bekommen nicht nur einzelne Showmatches, sondern echte Chancen gegen Top-Organisationen. Partnerteams wiederum müssen direkt zu Saisonbeginn beweisen, dass sie ihren bevorzugten Startplatz verdient haben.

Für Fans bedeutet das mehr Spannung schon in den frühen Turnierphasen. Der Abstand zwischen Tier 1 und Tier 2 wird nicht künstlich vergrößert, sondern durch direkte Duelle auf die Probe gestellt.

VCT Pacific wird stärker regionalisiert

Besonders große Änderungen gibt es in der Pacific-Region. Riot will dort stärker auf lokale Wettbewerbe setzen und die Region in mehrere Subregionen aufteilen.

Genannt werden Südkorea, Japan, Thailand, Indonesien, Vietnam sowie eine Wildcard-Gruppe für die Philippinen, Malaysia, Singapur und weitere Teile Südostasiens. Zusätzlich erhalten Top-Teams aus Südasien und Ozeanien einen eigenen Last Chance Qualifier, über den sie sich in Richtung Kickoff und Cups spielen können.

Das ist ein wichtiger Schritt für eine Region, die geografisch und kulturell enorm breit aufgestellt ist. Lokale Szenen bekommen mehr Bedeutung, und Teams aus bisher schwieriger eingebundenen Gebieten erhalten bessere Wege ins internationale System.

China behält eine Sonderrolle

VCT China folgt 2027 einer leicht anderen Struktur. Dort erhalten Partnerteams und sogenannte Visitor Teams direkte Einstiege in Kickoff und die ersten beiden Cups. Das Kickoff-Feld besteht aus acht Partnerteams, zwei Visitor Teams und zwei Open-Qualifier-Teams.

Damit bleibt das chinesische System näher an seinem bisherigen Modell mit Promotion- und Relegationselementen. Gleichzeitig wird auch dort die offene Qualifikation eingebunden, wenn auch mit weniger Plätzen als in den anderen großen Regionen.

Riot versucht damit, die globalen Grundideen der VCT 2027 umzusetzen, ohne jede Region komplett identisch zu behandeln.

Warum die Änderungen so wichtig sind

Die VCT 2027 reagiert auf eine zentrale Kritik der vergangenen Jahre: Das Partnerteam-System bot zwar Stabilität für große Organisationen, machte es für aufstrebende Teams aber schwer, dauerhaft nach oben zu kommen.

Viele Tier-2-Teams hatten kaum Planungssicherheit. Selbst starke Spieler und vielversprechende Lineups konnten im alten System schnell an Grenzen stoßen. Der Weg zu Masters oder Champions wirkte für nicht-partnergebundene Teams oft zu lang, zu teuer und zu unsicher.

Mit Open Qualifiers, festen Zahlungen und mehr sportlicher Durchlässigkeit will Riot diesen Eindruck korrigieren. Das neue System soll belohnen, wer gerade stark ist – nicht nur, wer bereits einen festen Platz im Partnerprogramm hat.

Mehr Risiko, aber auch mehr Drama

Für die Szene bringt der Umbau Chancen und Risiken. Open-Teams bekommen mehr Sichtbarkeit und realistische Einnahmen. Partnerteams müssen sportlich liefern. Fans erhalten mehr Turniere mit echten Konsequenzen.

Gleichzeitig steigt der Druck auf alle Beteiligten. Ein schlechtes Event kann größere Folgen haben als früher. Roster-Stabilität, Vorbereitung und Formkurven werden noch wichtiger. Wer nicht konstant performt, verliert Positionen im System.

Genau das könnte die VCT aber spannender machen. VALORANT war schon immer stark, wenn regionale Rivalitäten, Underdog-Stories und internationale Turniermomente zusammenkamen. Die VCT 2027 versucht, genau diese Elemente häufiger und früher in die Saison zu bringen.

Die VCT wird offener und brutaler

Riot Games macht mit der VCT 2027 klar: Der Weg an die Spitze soll wieder stärker erspielt werden. Partnerteams bleiben wichtig, aber sie bekommen keinen vollständigen Schutzraum mehr. Open-Teams erhalten nicht nur theoretische Chancen, sondern echte Startplätze, finanzielle Unterstützung und Wege zu Masters und Champions.

Für VALORANT-Fans könnte das eine der spannendsten Strukturreformen seit Einführung der Franchise-Ära werden. Mehr Teams, mehr Druck, mehr regionale Geschichten und mehr direkte Duelle zwischen etablierten Namen und hungrigen Herausforderern.

Die Botschaft ist simpel: 2027 ist niemand komplett sicher. Und genau das könnte der VCT guttun.

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Über Jonas Teichmann |

Jonas Teichmann ist Texter und E-Sport-Redakteur bei Fragster.de. In seinen Artikeln verbindet er aktuelle News mit klarer Einordnung und einem Blick für die Details, die in der Szene wirklich zählen. Ob CS2, League of Legends oder die großen internationalen Turniere: Jonas bereitet Themen so auf, dass sowohl eingefleischte Fans als auch Neueinsteiger schnell den Überblick bekommen. Sein Fokus liegt auf verständlicher Sprache, sauberer Struktur und dem Anspruch, Entwicklungen nicht nur zu melden, sondern auch nachvollziehbar zu erklären. Dabei greift er Trends, Meta-Änderungen und Teamdynamiken genauso auf wie relevante Hintergrundgeschichten.

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