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RAM-Diebstahl in China: Zwei Männer plündern Gaming-PCs in Esports-Hotels

Jonas Teichmann
Jonas Teichmann Chefredakteur & Esports-Experte

In der chinesischen Stadt Shihezi in der Region Xinjiang hat die Polizei zwei Männer festgenommen, die über Wochen hinweg Gaming-PCs in Esports-Hotels auseinandergebaut und die Arbeitsspeicher-Module mitgenommen haben. Insgesamt 16 RAM-Riegel aus vier verschiedenen Hotels, verkauft über Second-Hand-Plattformen und kleine lokale Computerläden, Gesamterlös rund 13.200 Yuan. Das sind umgerechnet etwa 1.600 Euro. Für zwei Personen. Über einen Zeitraum von mehreren Wochen.

Esports-Hotels sind in China ein etabliertes Geschäftsmodell und für alle, die davon noch nie gehört haben, eine ziemlich naheliegende Idee: Man bucht ein Zimmer, in dem neben dem Bett ein komplett ausgestatteter Gaming-PC mit schneller Internetleitung steht. Gruppen von Freunden mieten sich ein, spielen die Nacht durch, bestellen Essen aufs Zimmer. Genau dieses Konzept hat aber eine offensichtliche Schwachstelle, die zwei Männer namens Li und Cheng konsequent ausgenutzt haben.

Der Ablauf laut Polizeibericht

Nach Angaben der Ermittler checkte Li Mitte Mai allein in einem Esports-Hotel in Shihezi ein und entnahm dem Zimmer-PC zwei Speicherriegel. Der Diebstahl fiel zunächst niemandem auf, was ihn offenbar ermutigte, die Sache auszuweiten. Er rekrutierte einen zweiten Mann mit dem Nachnamen Cheng, und zwischen dem 15. und dem 31. Mai zogen die beiden durch drei weitere Hotels desselben Typs. Immer nach demselben Muster: einchecken, Gehäuse öffnen, DIMM-Slots leerräumen, auschecken.

Auffällig ist, was die beiden liegen ließen. Grafikkarten und Prozessoren blieben unangetastet, obwohl beides deutlich wertvoller gewesen wäre. Der Grund dürfte in den aktuellen Marktpreisen liegen: Arbeitsspeicher ist im Zuge der weltweiten Speicherkrise massiv im Preis gestiegen, DDR5-Kits kosten inzwischen ein Vielfaches dessen, was vor anderthalb Jahren üblich war. Dazu kommt der praktische Faktor. Ein RAM-Riegel passt in die Jackentasche, eine Triple-Fan-Grafikkarte nicht.

Wie die Sache aufflog

Hier liegt der eigentliche Denkfehler der Aktion. Wer eine Grafikkarte ausbaut, hinterlässt ein System, das noch startet, weil die integrierte Grafikeinheit übernimmt. Wer den kompletten Arbeitsspeicher entfernt, hinterlässt ein System, das gar nicht mehr hochfährt. Kein Bild, kein BIOS, nichts.

Die Sache flog laut Polizeibericht auf, als ein Hotelbetreiber bei einer Routinewartung feststellte, dass mehrere Rechner sich nicht mehr einschalten ließen. Beim Öffnen der Gehäuse zeigte sich das offensichtliche Problem. Ergänzend berichten mehrere Quellen von Beschwerden nachfolgender Gäste, die vor schwarzen Bildschirmen saßen. Danach ging es schnell: Die Ermittler glichen Überwachungsaufnahmen, Gästeregistrierungsdaten und die Zeitstempel der ausgefallenen Rechner ab und identifizierten beide Verdächtige. Die Festnahme erfolgte am Folgetag, beide befinden sich in strafrechtlichem Gewahrsam. Die Ermittlungen und die Sicherstellung der Beute laufen noch.

Ein Muster, das sich wiederholt

Der Fall ist kein Einzelfall. Bereits im vergangenen Jahr verloren Esports-Hotels in China mehrere Ryzen-7-9800X3D-Prozessoren und RTX-5070-Grafikkarten an Diebe, die sich ebenfalls als normale Gäste eingemietet hatten. Damals waren die Preise für Speicher noch etwa halb so hoch wie heute, entsprechend war die Zielhardware eine andere. Das Grundproblem bleibt identisch: In einem Hotelzimmer steht Hardware im Wert von mehreren tausend Euro, hinter einer Tür, die sich abschließen lässt, und in einem Raum, in dem aus naheliegenden Gründen keine Kameras hängen.

Technische Gegenmaßnahmen wären verfügbar. Gehäuseschlösser, Tamper-Sensoren, die beim Öffnen des Cases eine Meldung an die Rezeption schicken, oder schlicht verschraubte Seitenteile, die sich nicht ohne Werkzeug entfernen lassen. Im Hotelbetrieb, der auf schnelle Zimmerwechsel und geringe Reibung ausgelegt ist, ist davon bislang wenig Standard. Solange Speicherpreise auf dem aktuellen Niveau bleiben, dürfte sich das ändern müssen.

Warum ein einziger Riegel den Unterschied gemacht hätte

Wenn man die Aktion nüchtern betrachtet, sind Li und Cheng an ihrer eigenen Gründlichkeit gescheitert. Hätten sie in jedem Rechner einen Riegel stecken lassen, wären die Systeme weiter gestartet. Die nächsten Gäste hätten sich über schlechte Frametimes und Ruckler geärgert, das auf das Spiel, das WLAN oder ein fehlendes Update geschoben und im schlimmsten Fall eine genervte Bewertung hinterlassen. Niemand hätte ein Gehäuse geöffnet.

Stattdessen sorgte der komplett leergeräumte Mainboard-Slot dafür, dass der Diebstahl innerhalb von Minuten sichtbar war. Das Ergebnis: strafrechtliche Ermittlungen wegen eines Beutewerts, der pro Person bei rund 800 Euro liegt. Als Risiko-Ertrags-Rechnung ist das schwer zu unterbieten.

Jonas Teichmann

Über den Autor

Jonas Teichmann

Jonas Teichmann ist Texter und E-Sport-Redakteur bei Fragster.de. In seinen Artikeln verbindet er aktuelle News mit klarer Einordnung und einem Blick für die Details, die in der Szene wirklich zählen. Ob CS2, League of Legends oder die großen internationalen Turniere: Jonas bereitet Themen so auf, dass sowohl eingefleischte Fans als auch Neueinsteiger schnell den Überblick bekommen. Sein Fokus liegt auf verständlicher Sprache, sauberer Struktur und dem Anspruch, Entwicklungen nicht nur zu melden, sondern auch nachvollziehbar zu erklären. Dabei greift er Trends, Meta-Änderungen und Teamdynamiken genauso auf wie relevante Hintergrundgeschichten.

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