Die ukrainische CS2-Organisation Passion UA steht offenbar vor der Liquidation. Ehemalige Spieler und Mitarbeiter warten auf ausstehende Gehälter und Einnahmen.
Passion UA galt lange als eines der interessantesten Projekte in der europäischen CS2-Szene. Gegründet vom ukrainischen Fußballprofi Oleksandr Zinchenko, wollte die Organisation jungen Talenten aus der Ukraine eine professionelle Plattform bieten.
Doch nun verdichten sich die Zeichen, dass das Projekt endgültig scheitert. Branchenseiten berichten von massiven Schulden gegenüber ehemaligen Spielern und dem Betreuungsstab. Demnach soll die Organisation einen Betrag von 460.000 Euro schulden. Fachportale führen Passion UA seit dem 22. Juli 2026 offiziell als aufgelöst.
Gründung mit großen Ambitionen
Passion UA wurde am 20. August 2023 offiziell ins Leben gerufen. Oleksandr Zinchenko, bekannt als Fußballprofi auf internationalem Niveau, war der treibende Kraft dahinter.
Sein Ziel war klar: Er wollte die ukrainische Esportsszene professionalisieren und jungen Spielern eine echte Karrierechance geben. Dabei setzte die Organisation von Beginn an auf eine professionelle Struktur mit eigenem Trainerstab und Geschäftsführung.
Ein Team mit messbarem Erfolg
Trotz der vergleichsweisen kurzen Existenz sammelte Passion UA beachtliche Ergebnisse. Die Organisation nahm an insgesamt 150 dokumentierten Turnieren teil. Dabei erzielte das Team kumulierte Preisgelder von 257.000 Euro.
Zudem erreichte Passion UA in der internationalen CS2-Rangliste zwischenzeitlich den 48. Platz. Übertragungen der Spiele verfolgten in der Spitze bis zu 633.720 Zuschauer gleichzeitig. Diese Zahlen belegen, dass die Organisation durchaus sportliche Substanz hatte.
Zinchenkos Vision für den ukrainischen Esport
Oleksandr Zinchenko verband seinen Namen bewusst mit einem ukrainischen Esportprojekt. Für ihn war Passion UA mehr als eine Investition. Vielmehr sollte die Organisation ein Symbol für den Aufbau einer professionellen Infrastruktur in der Ukraine sein. Besonders in Zeiten gesellschaftlicher Belastung wollte das Projekt ukrainischen Talenten eine positive Perspektive bieten. Dieser Ansatz fand anfänglich großen Anklang in der Community.
Der Weg in die Krise
Bereits im August 2025 gab es erste deutliche Warnsignale. Damals verließen die Spieler Woro2k und Topa das Team. Solche Kaderwechsel sind im Esport zwar üblich, jedoch deuteten die Umstände auf tiefere Probleme hin. Im Januar 2026 wechselte der Spieler DemQQ zu einer anderen Organisation. Kurz darauf beendete Assistenztrainer Munstur am 24. Mai 2026 seine Tätigkeit bei Passion UA. Diese Abgänge häuften sich in einem auffälligen Tempo.
Dennoch zeigte das Team noch sportliche Lebenszeichen. Am 1. März 2026 besiegte Passion UA in der ESL Pro League Season 23 den Konkurrenten Team Liquid. Dieser Sieg bewies, dass das Team auf hohem Niveau spielen konnte. Allerdings änderte das nichts an den strukturellen Problemen hinter den Kulissen.
Jackasmo verlässt das sinkende Schiff
Ein besonders deutliches Signal sendete der Abgang von Jackasmo am 23. Juni 2026. Der Spieler wechselte zu einer anderen Esportorganisation. Für viele Beobachter war dieser Schritt ein klares Zeichen, dass der Kader auseinanderfällt. Jackasmo gehörte zu den Leistungsträgern des Teams. Sein Weggang beschleunigte den Zerfall der Mannschaft erheblich.
Zeitgleich kursierten intern immer mehr Berichte über ausstehende Zahlungen. Spieler und Mitarbeiter warteten demnach seit Monaten auf ihre vertraglich vereinbarten Gehälter. Diese Situation ließ sich auf Dauer nicht aufrechterhalten.
Die Schulden im Überblick
Fachportale und Branchenseiten berichteten am 17. August 2026 ausführlich über das Ausmaß der finanziellen Krise. Die Zahlen sind eindeutig und zeigen, warum eine Fortsetzung des Betriebs kaum möglich erscheint.
| Kategorie | Betrag |
| Schulden gegenüber Spielern und Stab | 460.000 Euro |
| Kumulierte Preisgelder (gesamt) | 257.000 Euro |
| Differenz (Schulden minus Einnahmen) | 203.000 Euro |
Die Tabelle verdeutlicht das grundlegende Problem. Die ausstehenden Schulden übersteigen alle jemals erspielten Preisgelder. Eine Rückzahlung aus eigenen Mitteln ist damit nahezu ausgeschlossen. Fachpublikationen berichten zudem, dass interne Quellen eine Fortführung des Betriebs unter diesen Umständen für ausgeschlossen halten.
Wer ist betroffen?
Besonders hart trifft die Situation die direkt Betroffenen. Ehemalige Spieler warten auf Gehaltszahlungen, die teils seit mehreren Monaten ausstehen. Auch der Trainerstab sowie weitere Mitarbeiter sollen betroffen sein. Für viele dieser Personen sind die ausstehenden Beträge keine Kleinigkeit, sondern ein erheblicher Teil ihres Lebensunterhalts.
Folgende Gruppen sind laut Berichten von Branchenseiten betroffen:
- Aktive und ehemalige Spieler des Kaders
- Mitglieder des Trainerstabs inklusive Assistenztrainer
- Weitere Mitarbeiter im operativen Bereich der Organisation
CEO Artemijs Rjabovs und die Führungsverantwortung
Zuletzt bekleidete Artemijs Rjabovs die Position des Geschäftsführers bei Passion UA. Er war maßgeblich an der operativen Leitung beteiligt. Öffentliche Stellungnahmen zur aktuellen Schuldensituation liegen bislang nicht vor. Ob und wie die Führungsebene auf die Krise reagiert, ist derzeit nicht bestätigt.
Passion UA offiziell aufgelöst
Seit dem 22. Juli 2026 führen einschlägige Fachportale Passion UA offiziell als aufgelöst. Das bedeutet, dass die Organisation den aktiven Spielbetrieb eingestellt hat. Eine offizielle Erklärung der Organisation selbst steht noch aus, zumindest ist keine öffentlich dokumentiert.
Der Zeitraum zwischen Gründung und Auflösung beträgt damit knapp drei Jahre. Innerhalb dieser Zeit baute Passion UA eine erkennbare Struktur auf, nahm an 150 Turnieren teil und erreichte Platz 48 in der Weltrangliste. Dennoch reichte das nicht aus, um die finanziellen Grundlagen zu sichern.
Zeitstrahl: Vom Start zum Kollaps
Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Ereignisse in der Geschichte von Passion UA im Überblick:
| Datum | Ereignis |
| 20. August 2023 | Gründung von Passion UA durch Oleksandr Zinchenko |
| August 2025 | Abgänge von Woro2k und Topa aus dem Kader |
| 20. Januar 2026 | DemQQ verlässt das Team, wechselt zu anderer Organisation |
| 1. März 2026 | Sieg gegen Team Liquid in der ESL Pro League Season 23 |
| 24. Mai 2026 | Assistenztrainer Munstur beendet seine Tätigkeit |
| 23. Juni 2026 | Jackasmo verlässt Passion UA |
| 22. Juli 2026 | Passion UA wird offiziell als aufgelöst geführt |
| 17. August 2026 | Berichte über Schulden in Höhe von 460.000 Euro |
Der Zeitstrahl zeigt, wie sich die Krise über mehrere Monate aufgebaut hat. Kein einzelnes Ereignis löste den Kollaps aus. Stattdessen akkumulierten sich operative, personelle und finanzielle Probleme über einen längeren Zeitraum.
Sportliche Bilanz trotz allem bemerkenswert
Trotz des unrühmlichen Endes lohnt ein Blick auf das, was Passion UA sportlich geleistet hat. Die Organisation schaffte es in knapp drei Jahren, sich in der internationalen CS2-Szene zu etablieren. Platz 48 der Weltrangliste ist für ein relativ junges Team keine Selbstverständlichkeit. Außerdem zogen die Spiele des Teams ein beträchtliches Publikum an. Spitzenwerte von über 633.000 gleichzeitigen Zuschauern belegen das Interesse an der Organisation.
Bemerkenswert ist zudem der Sieg gegen einen etablierten Kontrahenten in der ESL Pro League Season 23 im März 2026. Solche Ergebnisse zeigen, dass die sportliche Qualität vorhanden war. Allerdings reichen gute Ergebnisse allein nicht aus, wenn die finanzielle Basis fehlt.
Was das Ende von Passion UA für die Szene bedeutet
Der Fall Passion UA ist kein Einzelfall im professionellen Esport. Organisationen scheitern regelmäßig an mangelnder Finanzierung, schlechtem Management oder überzogenen Ausgaben. Dennoch ist dieser Fall besonders, weil eine bekannte Persönlichkeit hinter dem Projekt stand. Zinchenkos Name zog Aufmerksamkeit und Sponsoreninteresse an. Trotzdem reichte das offenbar nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken.
Für die betroffenen Spieler und Mitarbeiter bleibt die Situation belastend. Ausstehende Gehälter bedeuten finanzielle Unsicherheit. Viele suchen nun nach neuen Möglichkeiten bei anderen Organisationen. Branchenseiten verfolgen die Entwicklungen weiterhin aktiv.
Passion UA: Das Ende eines ukrainischen Esportprojekts
Passion UA startete 2023 mit einer klaren Vision und echtem Rückhalt. Drei Jahre später steht die Organisation vor der Liquidation und schuldet Spielern sowie Mitarbeitern 460.000 Euro. Die Abgänge mehrerer Schlüsselpersonen im Jahr 2026 beschleunigten den Zerfall. Offiziell gilt die Organisation seit dem 22. Juli 2026 als aufgelöst.
Für die Esportsszene ist dieser Fall eine Erinnerung daran, dass sportlicher Erfolg allein keine Organisation am Leben hält. Solide Finanzen, transparente Strukturen und verlässliche Zahlungen sind genauso wichtig wie Ergebnisse auf dem virtuellen Spielfeld. Passion UA hatte die Ambitionen und zeitweise auch die sportliche Klasse. Was fehlte, war offenbar eine tragfähige wirtschaftliche Grundlage.
