Es gibt einen Moment in NBA 2K27, in dem das Spiel aufhört, ein jährliches Sportspiel zu sein. Man startet eine Karriere im Jahr 1984, das Bild legt sich in die Körnung einer alten Fernsehübertragung, die Kabine sieht aus wie eine Kabine von 1984, und gegenüber stehen Magic Johnson und Larry Bird.
Genau hier liegt der Grund, warum sich der Umstieg von NBA 2K26 lohnen kann. Und genau daneben liegt der Grund, warum man trotzdem zögert: In kaum einem anderen Sportspiel steht die Kasse so dauerhaft offen wie hier.
Visual Concepts hat am 4. September den neuesten Teil der Reihe veröffentlicht. Wir haben ihn in der Redaktionsgruppe getestet, Oliver Jensen für GamingNerd über die volle Distanz, Luan für Gamer.org im ausführlichen Anspielbericht.
Was sich auf dem Court verändert hat
Wer eine Revolution erwartet, bekommt sie nicht. NBA 2K27 schärft nach, wo es nötig war, und lässt das Grundgerüst stehen.
In der Offensive haben Dribblings und Korbleger spürbar mehr Optionen bekommen. Man kommt öfter am Gegenspieler vorbei und hat am Ring mehr Möglichkeiten, den Ball unterzubringen. Bemerkenswert daran ist vor allem, was nicht passiert ist: Die Steuerung wirkt trotz des größeren Repertoires nicht überladen, was bei jährlichen Sportspielen keineswegs selbstverständlich ist.
Defensiv liegt der Fortschritt in der Kontrolle. Störversuche gegen gegnerische Würfe lassen sich präziser dosieren. Der eigentliche Eingriff ist allerdings das neue Kollisionssystem. Zweikämpfe unter dem Korb fühlen sich weniger nach zufällig ausgelösten Ballklau-Animationen an und mehr nach Körperkontakt mit nachvollziehbarem Ausgang. Wer die Reihe länger verfolgt, weiß, dass genau das über Jahre der beständigste Kritikpunkt war.
Die überarbeitete KI zahlt in dieselbe Richtung ein. Positionsspiel und Entscheidungen der Mitspieler wirken glaubwürdiger, ohne dass sich das Spielgefühl grundlegend verschiebt. Unterm Strich sind das Verfeinerungen an den richtigen Stellen, keine Neuerfindung.
Die fünf Ären sind das eigentliche Argument
Der Karrieremodus schickt euch durch fünf Epochen der NBA-Geschichte, und das ist die mit Abstand stärkste Neuerung des Jahres.
| Epoche | Prägende Spieler |
|---|---|
| ab 1984 | Magic Johnson und Larry Bird |
| Jordan-Ära | Michael Jordan |
| Bryant-Ära | Kobe Bryant |
| James-Ära | LeBron James |
| Curry-Ära | Stephen Curry |
Entscheidend ist, wie konsequent das umgesetzt wurde. Zu jeder Epoche gehören Bildschirmfilter im Stil der damaligen Fernsehübertragungen, zeitgemäß eingerichtete Kabinen sowie die originalen Teams und Kader der jeweiligen Zeit.
Das klingt nach Kosmetik am Rand, ist aber das Gegenteil. Erst diese Details machen den Unterschied zwischen einer Karriere, die zufällig in einem anderen Jahrzehnt spielt, und einer, die sich tatsächlich anders anfühlt. Eine Laufbahn bei den Chicago Bulls neben Michael Jordan zu durchleben oder die Seattle SuperSonics zurück an die Spitze zu führen, hat eine Wirkung, die eine austauschbare Gegenwartskarriere nicht erreicht.
Der Haken liegt in der Zielgruppe. Wer diese Epochen nicht selbst im Fernsehen verfolgt hat, dürfte deutlich weniger davon haben. Für jüngere Spieler bleibt es eine hübsche Kulisse, für alle anderen ist es Fanservice, wie er sein sollte.
Der Storymodus und seine Lücke
Die Hauptgeschichte umfasst elf Kapitel und erzählt den Weg von MP. Nach einer erfolgreichen Zeit an der High School wirft ihn ein schwerer Schicksalsschlag zurück, danach führt der Weg über Streetball und die G League zurück in die NBA. Begleitet wird er von Teamkollege Trace Miller, mit dem sich ausgewählte Partien im Koop-Modus bestreiten lassen.
Wer daran kein Interesse hat, kann die Geschichte überspringen und direkt mit MPs Rookie-Saison beginnen. Das ist eine vernünftige Entscheidung, weil sie niemanden zwingt, sich durch eine Erzählung zu arbeiten, die er nicht will.
Unangenehmer ist eine andere Lücke. Erstmals lassen sich in der Stadt weibliche MeinSpieler erstellen, doch weder der Storymodus noch die Ären-Karriere stehen ihnen offen. Stattdessen gibt es mit The W eine eigenständige WNBA-Karriere.
Man kann das wohlwollend lesen: The W ist kein Ersatzangebot, sondern ein eigener, dafür gebauter Weg durch den Modus. Man kann es aber auch nüchtern betrachten, und dann bleibt festzuhalten, dass die beiden meistbeworbenen Inhalte des Spiels für weibliche Figuren nicht zugänglich sind. Ein Feature, das als Öffnung angekündigt wird und im wichtigsten Bereich vor der Tür haltmacht, ist eine halbe Sache.
Bei der Stadt sind sich unsere Tester uneinig
Die Umgebung der Stadt wurde umgestaltet, und hier gehen die Einschätzungen in unserer Redaktionsgruppe auseinander.
Oliver hält die neue Umgebung für zu ausgeflippt und fand die Fassung aus NBA 2K26 gelungener. Luan bewertet die Änderung neutraler und ordnet sie als Geschmacksfrage ein, die sich nicht pauschal als besser oder schlechter beurteilen lässt.
Beide Positionen sind nachvollziehbar, und genau das ist die ehrlichste Auskunft, die wir geben können. Wer die Stadt in NBA 2K26 mochte, sollte sich vor dem Kauf ansehen, was daraus geworden ist. Am Spielinhalt ändert die Optik nichts, an der Zeit, die man sich darin aufhält, möglicherweise schon.
Online: wechselnde Kulissen und ein Comeback
Der REC-Modus bringt Abwechslung ins Spiel, ohne die Regeln anzufassen. Partien finden jetzt zufällig an fünf verschiedenen Schauplätzen statt, darunter eine Sporthalle, ein Freiplatz und eine große Arena. Das ist eine kleine Änderung mit spürbarer Wirkung, weil man nicht mehr Abend für Abend auf demselben Court landet.
Dazu kehrt Street Kings zurück, also Drei-gegen-drei-Duelle gegen KI-Teams. Für alle, die kurze, kompakte Partien schätzen und keine Lust auf volle Fünf-gegen-fünf-Sitzungen haben, ist das eine solide Alternative.
Wer NBA 2K26 überwiegend online gespielt hat, sollte die Kaufentscheidung dennoch differenzierter treffen als reine Karrierespieler. Die Neuerungen sind da, aber sie sind kleiner als das, was der Einzelspielerbereich diesmal bietet.
MeinGM ist der heimliche Tiefgang
Der Managementmodus gehört zu den Bereichen, die in Tests regelmäßig zu kurz kommen, und das ist bei NBA 2K27 ein Fehler.
Zum Alltag gehören Kaderplanung, Gespräche mit Spielern, Mitarbeitern und dem Präsidenten sowie Pressekonferenzen. Bemerkenswert ist, dass die Antworten in diesen Gesprächen tatsächlich auf die Moral der Mannschaft durchschlagen. Es handelt sich also nicht um Beiwerk, sondern um eine Stellschraube mit Folgen.
Beim Kaderumbau stehen Trades über mehrere Teams, Barzahlungen und Vertragsauflösungen über den Buyout-Markt zur Verfügung. Internationale Talente lassen sich verpflichten und zunächst in Europa weiterentwickeln, bevor sie ins eigene Team stoßen.
Das ist ein erstaunlich tiefes Spielfeld für einen Modus, den viele nie öffnen. Wer Sportmanagement mag, bekommt hier mehr als in manchem Spiel, das sich ausschließlich darum dreht.
Wo das Spiel an die Brieftasche geht
Und damit zum Punkt, an dem beide Tester unabhängig voneinander dasselbe anmerken: Die Zahl der Ingame-Käufe verführt zum Geldausgeben.
Das ist bei NBA 2K keine Neuigkeit, es ist inzwischen die feste Eigenschaft der Reihe. Auch international fällt die Kritik daran deutlich aus; mehrere Tests bemängeln, dass zu viele Wege zu Mikrotransaktionen führen. Wer sich darauf einlässt, zahlt nach dem Vollpreis weiter, und wer es nicht tut, kommt in einzelnen Bereichen langsamer voran.
Für die Kaufentscheidung heißt das: Der Vollpreis ist nicht die vollständige Rechnung, sondern die Eintrittskarte. Wie hoch der Rest ausfällt, entscheidet die eigene Disziplin.
Was PC-Spieler zusätzlich wissen sollten
Auf dem PC hat NBA 2K27 eine technische Nebenrolle übernommen: Es ist der erste Titel überhaupt, in dem Nvidias DLSS 5 offiziell zum Einsatz kommt, dort als Neural Rendering geführt. Verfügbar ist das für Grafikkarten der RTX-50-Serie sowie über GeForce Now.
Aus der Steam-Community kommen daneben zwei wiederkehrende Beschwerden. Zum einen sei die beworbene Crossplay-Funktion eingeschränkt, weil PC-Spieler nicht mit PlayStation-5-Spielern zusammenfinden. Zum anderen sei die Bildrate im Onlinebetrieb auf 60 begrenzt. Beides sind Nutzerangaben, die wir nicht unabhängig geprüft haben, die aber häufig genug auftauchen, um sie vor dem Kauf zu berücksichtigen.
Lohnt sich der Umstieg von NBA 2K26?
Für Karrierespieler lautet die Antwort ja, und zwar wegen der Ären. Fünf Epochen mit passenden Teams, Kadern, Kabinen und Übertragungsoptik sind kein aufgeklebtes Feature, sondern der Grund, das Spiel überhaupt zu starten. Wer Basketball seit den Achtzigern oder Neunzigern verfolgt, bekommt hier das beste Angebot, das die Reihe seit Jahren gemacht hat.
Für Managementfans lautet die Antwort ebenfalls ja, weil MeinGM eine Tiefe erreicht, die den Modus vom Beiwerk zum eigenständigen Spiel macht.
Für reine Onlinespieler fällt die Rechnung knapper aus. Wechselnde REC-Schauplätze und die Rückkehr von Street Kings sind willkommen, tragen aber allein keinen Vollpreis, wenn NBA 2K26 im Regal steht.
Vom Umfang und von der Atmosphäre her ist NBA 2K27 derzeit das vielseitigste Sportspiel auf dem Markt. Es ist zugleich eines, das seine Spieler beständig zur Kasse bittet, und eines, das eine der beworbenen Neuerungen nur halb einlöst. Wer damit leben kann, bekommt einen Karrieremodus, den es so noch nicht gab.
Quellen:



