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Miposhka nennt TEAM VISION und Team Yandex als gefährlichste Gegner bei TI 2026

Jonas Teichmann
Jonas Teichmann Chefredakteur & Esports-Experte

Team Spirits zurückgekehrter Coach spricht über seine neue Rolle, ein ungewöhnliches Bootcamp in Serbien – und darüber, welche Teams ihm auf dem Weg zur dritten Aegis am meisten Respekt abnötigen.

Team Spirit steht bei The International 2026 in Shanghai nach drei Runden ungeschlagen da. Ein Grund dafür sitzt seit Juli wieder auf der Coach-Position: Jaroslaw „Miposhka“ Naidjonow, zweifacher TI-Sieger als Kapitän, hat in einem Interview über seine Rückkehr, die Vorbereitung und die aus seiner Sicht gefährlichsten Konkurrenten gesprochen.

Rückkehr ohne Eingewöhnungszeit

Erste Gespräche über eine Rückkehr habe es bereits im Frühjahr mit Manager Korb3n gegeben, erzählt Naidjonow. Endgültig einig wurde man sich kurz vor den Qualifikationsspielen für TI 2026. Die Eingewöhnung sei schnell gegangen, weil der Kern des Teams unverändert geblieben sei – Yatoro, Collapse und Larl kennt er aus gemeinsamen Titeljahren, auch mit rue habe er bereits gearbeitet. Neu war ihm allein Alexei „not me“ Kosmynin. Es habe sich weniger nach Neuanfang angefühlt als nach Heimkehr, sagt er, „ein bisschen Nostalgie“ inklusive.

Naidjonow hatte sich nach dem enttäuschenden TI 2025, bei dem Spirit in der Gruppenphase ausschied, aus dem aktiven Kader zurückgezogen. Seit seiner Rückkehr teilt er sich die Coach-Aufgaben mit MiLAN, übernimmt dabei aber die Führungsrolle bei Drafts und Replay-Analyse.

Arbeit an Denkmustern statt an Einzelfehlern

Besonderes Augenmerk legt der Coach auf die Support-Rollen. Er wolle nicht nur einzelne Spielentscheidungen korrigieren, sondern die grundsätzliche Herangehensweise an Situationen auf der Karte verändern. In Replays zeige er deshalb nicht nur Fehler, sondern auch die Denkmuster dahinter.

Intensiv gearbeitet hat er mit Kosmynin, der aus Spirits Akademieteam kam und ohne große Erfahrung auf diesem Niveau ins Aufgebot rückte. Naidjonow habe ihn vor allem dazu ermutigt, sich in der Kommunikation stärker einzubringen: Wenn er das Gefühl habe, etwas müsse passieren, solle er es aussprechen und nicht zögern – aufgearbeitet werde ohnehin alles im Nachhinein. Ziel sei gewesen, dass sich der Neuzugang schnell als gleichwertiger Teil des Teams begreift.

Bootcamp im Bürorhythmus

Ungewöhnlich war die Vorbereitung auf das Turnier. Statt eines klassischen Bootcamps mit gemeinsamer Unterkunft mietete Spirit in Serbien einen Konferenzraum. Spieler und Staff kamen morgens an, trainierten und fuhren abends nach Hause. Naidjonow war zunächst skeptisch, hat sich aber mit dem Format angefreundet. Neben dem reinen Spieltraining standen Matchup-Analysen, Gespräche über Ziele und Motivation sowie Sitzungen mit einem Psychologen auf dem Programm.

Wen der Coach fürchtet

Auf die Frage nach dem möglichen Gegner in einem TI-Finale nennt Naidjonow zuerst zwei Namen: TEAM VISION, das bei TI unter diesem Tag antretende PARIVISION, und Team Yandex. Beide seien nicht nur stark, sondern vor allem zäh und strategisch klar aufgestellt – man wisse immer, was sie spielen wollen, und bekomme sie schwer aus dem Konzept.

Bei TEAM VISION hebt er die Veränderung seit der Ankunft von Coach Puppey hervor. Wo bei 9Class früher ein sehr enger Heldenpool auszumachen gewesen sei, lasse sich inzwischen kaum noch ein klarer Schwachpunkt benennen. Auch Team Falcons schließt er ausdrücklich nicht aus; der Titelverteidiger könne im Turnierverlauf Fahrt aufnehmen. BoomBoys, Iron Wing und Aurora Gaming siedelt er eine Stufe darunter an, verweist aber darauf, dass TI ein notorisch unberechenbares Turnier bleibt.

Auffällig: Team Yandex, das Naidjonow so hoch einschätzt, steht nach drei Runden lediglich bei 1:2 und muss sich aus dem hinteren Feld nach vorn arbeiten. Das Urteil des Coaches bezieht sich erkennbar auf die generelle Klasse des Teams, nicht auf den aktuellen Turnierstand.

Die dritte Aegis als Nebenprodukt

Ein Sieg in Shanghai würde Naidjonow zum dritten TI-Titel verhelfen – zwei davon hat er als Spieler geholt, der dritte käme als Coach dazu. Damit wäre er der erste Mensch überhaupt mit dieser Kombination und würde zugleich zu Aui_2000 aufschließen, der aktuell als einziger Coach dreifacher TI-Champion ist. Zusätzlichen Druck verspürt er nach eigenen Angaben nicht. Der Fokus liege wie immer schlicht auf dem Sieg; gewinne man, sei das großartig, wenn nicht, gehe das Leben weiter.

Das Duell der Ungeschlagenen

Sportlich läuft es für Spirit besser als erwartet. Nach Siegen über Xtreme Gaming, Aurora Gaming und Team Liquid steht das Team bei 3:0 – gleichauf mit TEAM VISION, das BoomBoys glatt aus dem Weg räumte. Beide treffen in Runde vier direkt aufeinander, und der Sieger sichert sich als erstes Team des Turniers den direkten Weg in die Playoffs.

The International 2026 läuft noch bis zum 23. August. Die Swiss-Gruppenphase endet am 16. August; die besten drei Teams ziehen direkt ins Hauptturnier ein, die Plätze vier bis 13 gehen in eine Eliminationsrunde, die letzten drei sind raus. Die Playoffs steigen vom 20. bis 23. August im Oriental Sports Center in Shanghai. Das Preisgeld liegt derzeit bei rund 2,97 Millionen US-Dollar, ausgehend von einem Grundstock von 1,6 Millionen.

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Jonas Teichmann

Über den Autor

Jonas Teichmann

Jonas Teichmann ist Texter und E-Sport-Redakteur bei Fragster.de. In seinen Artikeln verbindet er aktuelle News mit klarer Einordnung und einem Blick für die Details, die in der Szene wirklich zählen. Ob CS2, League of Legends oder die großen internationalen Turniere: Jonas bereitet Themen so auf, dass sowohl eingefleischte Fans als auch Neueinsteiger schnell den Überblick bekommen. Sein Fokus liegt auf verständlicher Sprache, sauberer Struktur und dem Anspruch, Entwicklungen nicht nur zu melden, sondern auch nachvollziehbar zu erklären. Dabei greift er Trends, Meta-Änderungen und Teamdynamiken genauso auf wie relevante Hintergrundgeschichten.

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