Für die Fans, die sich auf das Abenteuer Everwild gefreut hatten, dürfte diese Meldung leider ein Schock sein. Offenbar stoppt Microsoft nach langer Zeit final die Entwicklung des Studios Rare. Das dürfte auch an den tausendfachen Entlassungen bei Microsoft liegen.
Vielversprechender Titel eingestellt
Schon seit über zehn Jahren befindet sich Everwild zumindest in irgendeiner Form in Entwicklung. Es galt in Bezug auf das Xbox-Portfolio als eines der vielversprechendsten Titel.
Entwickelt wurde es bis dato vom Traditionsstudio Rare. Dieses ist nun aber offenbar auch von den Entlassungen oder zumindest den Kürzungen von Microsoft betroffen. Erst kürzlich wurde berichtet, dass bis zu 9.100 Stellen bei Microsoft betroffen seien, und zwar im ganzen Konzern. Vor einigen Monaten hatte es schon mal eine Entlassungswelle mit 6.000 Mitarbeitern gegeben.
Parallel zur neuen Entlassung-Meldung gab der Xbox-Chef Phil Spencer auch bekannt, dass Microsoft Kürzungen oder komplette Einstellungen in der Gaming-Sparte vornehmen wird. Jetzt wissen wir auch, wovon davon (mindestens) die Rede war.
Obwohl 9.100 Stellen natürlich viel klingt, sind das im Vergleich zur gesamten Menge gerade mal knapp vier Prozent. Mit Stand Juni 2024 hatte Microsoft über 228.000 Mitarbeiter im Konzern angestellt.
Was sollte Everwild eigentlich werden?
Ursprünglich war das Spiel mal als Abenteuer geplant, welches sowohl künstlerisch als auch emotional werden sollte. Die Rede war von einer mystischen Naturwelt und von einer „völlig neuen Spielerfahrung“. Fantasievolle Kreaturen sollten wohl genauso wie die Interaktion mit der Umwelt im Mittelpunkt des Spiels stehen.
Der Ansatz war definitiv innovativ und es gab auch eine ziemlich lange Entwicklungszeit. Dennoch gab es für die Öffentlichkeit nie einen spielbaren Prototypen oder gar Infos zu einem Release-Termin. Dass Rare mit Everwild nun scheinbar von den Kürzungen betroffen ist, ist aber definitiv trotzdem sehr schade.
Wer steckt hinter Everwild?
Die Firma Rare (wird auch Rareware genannt) ist ein Studio, welches schon 1985 von Chris und Tim Stamper gegründet wurde. Es ging damals aus dem schon 1982 gegründeten Studio Ashby Computer Graphics hervor. Es wird daher nicht ohne Grund zu den Traditionsstudios gezählt.
Viele Jahre entwickelte das Unternehmen exklusive Titel für Nintendo. Das Unternehmen konnte vor allem mit beispielsweise Wizards & Warriors und Marble Madness, Jeopardy! große Erfolge feiern. Ein Meilenstein in der Geschichte von Rare war auch das 1991 veröffentlichte Battletoads.
Anteile von Nintendo übernommen
Nachdem sich Rare dann nach der Entwicklung von über 50 NES-Spielen ein wenig zurückgezogen hatte, übernahm Nintendo 49 Prozent der Firmenanteile. Von dort an entwickelte Rare nur noch für Nintendo-Konsolen. Das nächste große Spiel war Donkey Kong Country, welches sich 1994 millionenfach verkaufte.
Mit dem 1996 veröffentlichten Nintendo 64 gehörte Rare zudem zu den wichtigsten Entwicklerstudios für die Plattform. Das Unternehmen entwickelte unter anderem GoldenEye 007, Donkey Kong 64, Diddy Kong Racing und viele mehr.
Anfang der 2000er hätte Nintendo die restlichen Anteile an Rare kaufen können, tat es aber nicht. Rare suchte daher einen anderen Käufer und fand ihn in Microsoft und Activision, die sich um die Firma „stritten. 2002 wurde es dann von Microsoft für 375 Millionen US-Dollar übernommen – und zwar zu 100 Prozent.
Wechsel zu Microsoft
Nun wechselte Rare zu Exklusivtiteln für Microsoft, wobei es auch noch einige Entwicklungen für Nintendo gab. Als Viva Piñata 2006 erschien und die Gründer 2007 dann auch noch die Firma verließen, änderte sich einiges. Es stellten sich einige Misserfolge ein.
2009 kam es zur Umstrukturierung, bei der auch viele langjährige Mitarbeiter von Rare gehen mussten. 2010 wurde die Unternehmensführung ersetzt und Kinect Sports als erstes Kinect-Spiel von Rare veröffentlicht. Das Spiel verkaufte sich über sechs Millionen Mal, sodass es endlich wieder Erfolge gab.
Keine Veröffentlichung seit 2018 mehr
Seit 2013 leitet Craig Duncan nun das Studio. Nachdem Kinect Sports Rivals enttäuschte, wurde im Studio wieder aussortiert. Jetzt entwickelte das Studio wieder traditionelle Spiele. Mit dem Online-Spiel Sea of Thieves erreichte man zumindest in einer Woche schon zwei Millionen Spieler, nachdem es 2018 veröffentlicht wurde.
Danach wurde es dann aber ruhig und es gab keine weiteren Veröffentlichungen. Dass es nun das finale aus für Rare und damit auch für das vielversprechende Everwild ist, ist zwar äußerst schade, aber auch anhand der Historie nicht ganz überraschend.
