Das erste Metal Gear Solid war 1998 als kompromissloses Singleplayer-Erlebnis konzipiert. Fast drei Jahrzehnte später arbeitet Modder Felipe nun daran, ausgerechnet diesen Klassiker in ein echtes Zwei-Spieler-Abenteuer zu verwandeln. Ein neuer Alpha-Trailer zeigt, dass die Idee längst über einen simplen Charakter-Hack hinausgeht: Zwei Spieler schleichen gemeinsam durch Shadow Moses, bekämpfen Wachen und können sogar Bosskämpfe wie das Duell mit Revolver Ocelot zusammen bestreiten.
Die Mod befindet sich allerdings noch mitten in der Entwicklung. Felipe beziffert den Fortschritt derzeit auf ungefähr 50 Prozent. Einen Veröffentlichungstermin gibt es noch nicht, und mit Fehlern, unfertigen Sequenzen und weiteren technischen Problemen muss aktuell gerechnet werden.
Zwei Snakes schleichen gemeinsam durch Shadow Moses
Das grundlegende Konzept klingt zunächst fast absurd.
Metal Gear Solid lebt schließlich davon, dass Solid Snake alleine in eine feindliche Anlage eindringt, Patrouillen beobachtet und Gegner möglichst ungesehen umgeht.
Die Koop-Mod fügt nun einen zweiten Spieler hinzu.
Beide können sich unabhängig voneinander durch die Levels bewegen und gemeinsam gegen Genome Soldiers sowie andere Gegner vorgehen. Auch der Kampf gegen Revolver Ocelot ist bereits im aktuellen Material zu sehen und lässt beide Spieler gleichzeitig Schaden verursachen.
Das verändert natürlich die Balance eines Spiels, das niemals für zwei bewaffnete Snakes gebaut wurde.
Genau daran arbeitet Felipe ebenfalls.
Jeder Spieler bekommt seine eigene Kamera
Besonders wichtig ist eine technische Entscheidung: Beide Spieler sollen eine eigene Kameraperspektive erhalten.
Damit wird verhindert, dass beide Figuren permanent innerhalb desselben Bildausschnitts bleiben müssen.
Gerade bei Metal Gear Solid wäre das sonst problematisch. Die ursprüngliche Kamera arbeitet stark mit festen Perspektiven und engen Räumen. Zwei frei agierende Spieler innerhalb derselben Kamera würden schnell dazu führen, dass einer von beiden schlicht nichts mehr sieht.
Mit getrennten Kameras können beide Spieler wesentlich unabhängiger handeln.
Das ermöglicht theoretisch auch interessante Koop-Situationen: Einer lenkt eine Wache ab, während der andere einen anderen Weg nimmt oder sich hinter dem Gegner positioniert.
Bosskämpfe sollen für zwei Spieler angepasst werden
Ein zweiter Snake macht das ursprüngliche Metal Gear Solid zwangsläufig leichter.
Felipe möchte deshalb nicht einfach nur einen zweiten Charakter ins Spiel setzen, sondern auch die Balance anpassen.
Zu den derzeit geplanten Möglichkeiten gehört unter anderem, die Lebenspunkte von Bossen zu erhöhen.
Auch zusätzliche Verstärkung für normale Wachen steht im Raum. Dadurch sollen Situationen entstehen, die nicht einfach von zwei Spielern gleichzeitig überrollt werden können.
Wie weit diese Anpassungen am Ende gehen, ist noch offen.
Die Herausforderung besteht darin, den Koop-Modus interessanter zu machen, ohne aus dem eher taktischen Metal Gear Solid plötzlich ein reines Actionspiel zu machen.
Nicht jede Szene funktioniert automatisch im Koop
Das Original enthält außerdem mehrere Sequenzen, die technisch wesentlich schwieriger für zwei Spieler umzusetzen sind.
Felipe nennt beispielsweise die abschließende Jeep-Sequenz.
Diese könnte auch in der fertigen Mod weiterhin ausschließlich von einem Spieler gespielt werden.
Andere ungewöhnliche Passagen – etwa das Abseilen – sollen dagegen nach aktuellem Plan grundsätzlich für beide Spieler umsetzbar sein.
Gerade solche Szenen zeigen, warum der Mod trotz des bereits funktionierenden Koop-Unterbaus noch weit von einer fertigen Version entfernt ist.
Ein zweiter Spieler betrifft praktisch jedes Script, jeden Boss und zahlreiche Übergänge des Originals.
Die Mod basiert auf der klassischen PC-Version
Ein wichtiges Detail: Die aktuelle Modifikation entsteht nicht für die 2023 veröffentlichte Metal Gear Solid: Master Collection.
Felipe arbeitet mit der klassischen PC-Fassung, die unter anderem über GOG erhältlich ist.
Wer später mitspielen möchte, dürfte deshalb genau diese Version benötigen.
Für Konsolen ist das Projekt ebenfalls nicht gedacht. Es handelt sich um eine klassische PC-Modifikation und nicht um ein offizielles Feature von Konami.
Alpha-Trailer zeigt deutlich größeren Umfang
Bereits im August hatte Felipe eine erste Pre-Alpha-Version vorgestellt.
Der aktuelle Alpha-Trailer geht deutlich weiter.
Neben synchronisierten Spielerpositionen und Animationen zeigt das Projekt mittlerweile zusätzliche Funktionen wie gemeinsame Item-Nutzung beziehungsweise Austauschmöglichkeiten und verschiedene Charakterdarstellungen.
Außerdem experimentiert Felipe mit weiteren Modifikationen für die Perspektive.
Dazu gehört offenbar auch eine vollständige Third-Person-Kamera, die Metal Gear Solid noch stärker verändern würde.
Selbst freie Bewegungsmöglichkeiten beim Einsatz von Waffen wie Sniper Rifle oder Stinger gehören zu den geplanten beziehungsweise experimentellen Funktionen.
Damit entwickelt sich das Projekt zunehmend zu einer größeren technischen Erweiterung des klassischen PC-Ports.
Auch ein PvP-Modus wird ausprobiert
Der Koop-Mod scheint zudem nicht bei kooperativem Gameplay zu enden.
Felipe experimentiert laut aktuellem Entwicklungsstand ebenfalls mit einem 1-gegen-1-Modus.
Wie genau dieser funktionieren soll und ob er tatsächlich Bestandteil einer späteren Veröffentlichung wird, ist noch offen.
Das zeigt allerdings, welche Möglichkeiten sich durch den neu geschaffenen Multiplayer-Unterbau ergeben.
Ein Spiel, das ursprünglich überhaupt keine entsprechende Netzwerkstruktur besaß, könnte damit langfristig mehrere völlig neue Spielvarianten erhalten.
Selbst Metal Gear Solid 2 bekommt bereits Koop
Und Felipe arbeitet offenbar schon am nächsten Projekt.
Am Ende des aktuellen Materials wird ebenfalls eine Koop-Modifikation für Metal Gear Solid 2: Substance gezeigt.
Diese befindet sich noch in einem deutlich früheren Stadium. Während Felipe den MGS1-Mod aktuell mit ungefähr 50 Prozent Fortschritt angibt, soll Metal Gear Solid 2 erst ungefähr zehn Prozent erreicht haben.
Damit dürfte der erste Teil eindeutig Priorität besitzen.
Trotzdem ist allein die Vorstellung interessant, irgendwann mehrere klassische Metal-Gear-Spiele gemeinsam durchspielen zu können.
Kostenlos – auch Beta-Versionen sollen nicht hinter Patreon verschwinden
Felipe hat inzwischen außerdem eine Patreon-Seite eingerichtet.
Dabei stellt der Modder jedoch ausdrücklich klar, dass die fertigen Mods kostenlos für alle Spieler verfügbar sein sollen.
Auch Beta- oder Demo-Versionen sollen nicht exklusiv hinter einer Bezahlwand verschwinden. Patreon dient nach seinen Angaben lediglich dazu, die Entwicklung freiwillig zu unterstützen.
Gerade bei Fanprojekten auf Basis großer Marken ist das keine unwichtige Entscheidung.
Mit einem Release 2026 sollte man nicht fest rechnen
Einen konkreten Veröffentlichungstermin gibt es momentan nicht.
Der Fortschritt von rund 50 Prozent klingt zwar bereits weit, doch gerade bei einem derart tiefgreifenden Mod können die letzten Abschnitte erheblich mehr Zeit beanspruchen als erwartet.
DSOGaming hält einen öffentlichen Release 2026 deshalb für eher unwahrscheinlich und sieht 2027 als realistischere Möglichkeit – das ist allerdings lediglich eine Einschätzung des Magazins und keine Ankündigung des Entwicklers.
Wer die Mod ausprobieren möchte, muss sich also noch gedulden.
Metal Gear Solid war nie für so etwas gedacht
Gerade deshalb ist das Projekt technisch so interessant.
Metal Gear Solid erschien ursprünglich am 3. September 1998 in Japan für die erste PlayStation und wurde vollständig als Einzelspieler-Abenteuer entwickelt.
Online-Koop war damals nicht einfach ein deaktiviertes Feature, das heute wieder eingeschaltet werden kann.
Der Modder muss Systeme miteinander synchronisieren, die keinerlei Multiplayer-Unterstützung besitzen:
- Spielerpositionen
- Gegner
- Animationen
- Items
- Bosszustände
- Scripts
- Kameras
- Levelübergänge
Dass bereits echte gemeinsame Kämpfe und Erkundung funktionieren, ist deshalb wesentlich beeindruckender, als lediglich ein zweites Snake-Modell auf dem Bildschirm erscheinen zu lassen.
Aus einem Stealth-Klassiker wird plötzlich ein Koop-Spiel
Ob Metal Gear Solid durch einen zweiten Spieler tatsächlich besser wird, ist eine völlig andere Frage.
Das Original lebt stark von Isolation und davon, dass Snake auf sich allein gestellt ist.
Ein zweiter Spieler verändert diese Atmosphäre zwangsläufig.
Aber genau das macht den Reiz einer solchen Modifikation aus.
Niemand versucht hier, Hideo Kojimas Original zu ersetzen. Vielmehr entsteht eine völlig neue Möglichkeit, ein fast 30 Jahre altes Spiel noch einmal anders zu erleben.
Und das aktuelle Material zeigt bereits Szenen, die Metal-Gear-Fans 1998 vermutlich für völlig absurd gehalten hätten: Zwei Solid Snakes schleichen gleichzeitig durch Shadow Moses und nehmen gemeinsam Revolver Ocelot auseinander.
Wenn Felipe das Projekt tatsächlich bis zum Ende durchzieht, könnte genau daraus eine der ungewöhnlichsten Metal-Gear-Mods der letzten Jahre werden.

