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Mental Health Probleme bei Esport Profis

Autoren-Bild Andrea Mertens Juni 19, 2023

Inzwischen wissen die meisten Leute, die sich mit Gaming und Esport befassen, dass es kein leichter Job ist Profi zu sein. Vor allem für junge Spieler ist der Druck extrem hoch. Sie wissen noch nicht genau wo sie im Leben stehen, haben keine festen Wurzeln und sind so besonders anfällig für psychische Probleme.

Oft sind die teilweise noch minderjährigen Spieler und jungen Erwachsenen von ihren Eltern getrennt und mit ihrem jeweiligen Lineup auf Touren durch die ganze Welt. Dabei haben die Organisationen nicht die gleiche Rolle wie eine Mutter oder ein Vater und die jungen Profis sind unbeobachtet und genießen logischerweise mehr Freiheiten. Gleichzeitig werden sie von ihren Organisationen hart rangenommen was das Training und Termine angeht.

Dazu kommt dann im Fall von Tier 1 Spielern noch eine große Menge Geld, für das man mit jungen Jahren noch nicht das gleiche Verständnis hat, wie wenn man älter wird. Im Grunde sind junge Esport Profis nichts anderes als junge Hollywood Stars, bei denen der frühe Erfolg und das viele Geld teilweise auch großen Schaden in der Psyche anrichten kann.

Psychische Probleme im Esport an der Tagesordnung

Burnout und psychische Probleme sind in der Esport-Branche ein großes Problem. Der starke Druck, die langen Trainingszeiten, die hohen Erwartungen und der ständige Wettbewerb können das psychische Wohlbefinden von Esport-Spielern beeinträchtigen. Hier sind einige konkrete Beispiele für Burnout und psychische Probleme im Esports.

burnout

Burnout

Burnout bezeichnet einen Zustand der körperlichen, geistigen und emotionalen Erschöpfung, der durch chronischen Stress verursacht wird. Im Esport haben die Spieler oft einen anspruchsvollen Zeitplan und verbringen viele Stunden mit Training und bei Wettbewerben. Diese unerbittliche Routine kann zu Burnout führen und sowohl die Leistung als auch die geistige Gesundheit beeinträchtigen. So kündigte beispielsweise der südkoreanische League of Legends-Profi Kim „Khan“ Dong-ha im Jahr 2019 an, dass er wegen Burnout eine Pause vom Wettkampfsport einlegen muss. Er fühlte sich extrem erschöpft und wollte sich auf seine geistige Gesundheit konzentrieren.

Anxiety

Anxiety

Ängste und Depressionen sind auch keine Seltenheit. Der Druck, konstant hohe Leistungen zu erbringen, gepaart mit öffentlicher Kontrolle und Erwartungen, kann zu erhöhtem Stress und psychischen Problemen führen. Im Jahr 2015 sprach der dänische CS:GO-Spieler Markus „Kjaerbye“ Kjærbye offen über seine Probleme mit Angstzuständen, die sich auf seine Leistung auswirkten und zu einer vorübergehenden Pause vom Wettkampfsport führten.

Der soziale Aspekt

Soziale Isolation ist auch ein großes Thema. Esport-Spieler trainieren und spielen oft über längere Zeiträume allein oder mit begrenzter sozialer Interaktion. Diese Isolation kann sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken. Der kanadische Profi-Hearthstone-Spieler Paul „Zalae“ Nemeth erzählte, dass er mit sozialer Isolation und Einsamkeit zu kämpfen hat und dass der Mangel an regelmäßigen sozialen Kontakten sein psychisches Wohlbefinden beeinträchtigt.

Schlafstoerungen

Schlafstörungen

Viele Profis berichten außerdem von Schlafstörungen. Unregelmäßige Schlafgewohnheiten und mangelnde Schlafqualität sind im Esport aufgrund der anspruchsvollen Zeitpläne und häufigen Reisen ein großes Problem. Schlafmangel kann schwerwiegende Folgen für die geistige Gesundheit haben und sich auf die Konzentration, die Entscheidungsfindung, Fokus beim Zocken und das allgemeine Wohlbefinden auswirken. Der amerikanische Dota-2-Spieler Peter „ppd“ Dager gab zu, dass er während seiner Profikarriere unter Schlafproblemen litt, und dass es massive negative Auswirkungen auf seine geistige und körperliche Gesundheit hatte.

Sucht 

Sucht und Substanzmissbrauch kommt in der Szene auch immer wieder vor. Der Leistungsdruck in Verbindung mit der Zugänglichkeit von Spielen und Online-Plattformen kann das Risiko von Sucht und Drogenmissbrauch bei Profis erhöhen. Im Jahr 2020 wurde der chinesische Profi-PUBG-Spieler Xiao „Shy“ Zhi für drei Jahre gesperrt, weil er eine Betrugssoftware verwendet hatte. In seiner Entschuldigung erwähnte er, dass er mit Suchtproblemen kämpfte, weil es ihm psychisch schlecht ging. Es stellt sich auch die Frage, wie viele Spieler Ritalin oder ähnliche Substanzen nehmen, um sich besser konzentrieren zu können.

Der Fall von SicK und Twisten

Der letzte erschreckende Fall, der das Thema mentale Gesundheit im Esport wieder zum Thema gemacht hat, ist der von Hunter “SicK” Mims, der inaktive VALORANT Spieler bei den Sentinels. SicK wurde zweimal wegen Hausfriedensbruch verhaftet und machte immer wieder mit auffälligen Twitter-Eskapaden auf sich aufmerksam. SicK ist gerade mal 24 Jahre alt und ein sehr erfolgreicher Profi, der viel Geld gemacht hat. Einen Teil von diesem Geld hat er bereits für teure Autos ausgegeben und sein Kaufverhalten hat definitiv für Aufmerksamkeit bei den Fans gesorgt.

Wie es scheint, war er relativ ungezügelt dabei, sein Geld auszugeben – was an sich nicht schlimm ist, immerhin ist es sein selbst verdientes Geld und er ist volljährig. Allerdings legte der Profi dabei ein Verhalten an den Tag, das man durchaus als manisch bezeichnen könnte. Andere Fans haben sich gefragt, ob der Spieler an einer Psychose leidet. Bis jetzt ist dazu nichts bekannt, vielleicht gibt es auch keine Diagnose, aber zumindest hat SicK vor kurzem via Twitter erklärt, dass die Sentinels ihm eine Therapie zahlen und dass er dieses Angebot auch annehmen wird.

Leider gab es vor kurzem einen Fall, bei dem die Geschichte nicht gut ausging. Der tschechische Esports-Star Karel „Twisten“ Asenbrener ist durch Selbstmord gestorben. Er war gerade mal 19 Jahre alt und hatte mit starken Depressionen zu kämpfen.

Psychische Gesundheit muss an erster Stelle stehen

Diese Beispiele verdeutlichen die Herausforderungen, denen sich Profis im Esport in Bezug auf Burnout und psychische Gesundheit gegenübersehen. Für Organisationen, Teams und Einzelpersonen in der Esports-Branche ist es von entscheidender Bedeutung, dem psychischen Wohlbefinden Priorität einzuräumen, Support-Systeme einzurichten und das Bewusstsein für die Bedeutung der psychischen Gesundheitspflege zu schärfen. Denn Esport ist wichtig, aber die Gesundheit ist immer am wichtigsten.

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Über Andrea Mertens |

Andrea Mertens ist seit über 15 Jahren als Sportjournalistin tätig und berichtet seit fünf Jahren intensiv über die Welt des Esports. Mit ihrer langjährigen Erfahrung im klassischen Sportjournalismus bringt sie fundiertes Fachwissen, analytische Kompetenz und ein tiefes Verständnis für Wettkampfstrukturen in ihre Berichterstattung ein.Ihr Fokus liegt auf der Schnittstelle zwischen traditionellem Sport und kompetitivem Gaming. Ob große Turniere, Team-Analysen oder Entwicklungen in der Esports-Szene - Andrea verbindet journalistische Präzision mit Leidenschaft für Gaming-Kultur. Besonders gerne schreibt sie über Titel wie Counter-Strike, League of Legends und Valorant, behält aber auch branchenübergreifende Trends stets im Blick.Durch ihre klare, zugängliche Schreibe macht sie komplexe Themen für ein breites Publikum verständlich und liefert sowohl Einsteigern als auch erfahrenen Fans wertvolle Einblicke. Bei Fragster.de berichtet Andrea über aktuelle News, Hintergründe und die spannendsten Geschichten aus Sport und Esports.

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