Ein angeblicher Apple M6 Pro sorgt derzeit mit extrem starken Geekbench-7-Werten für Aufsehen. Der vermeintliche 18-Core-Chip erreicht sogar eine höhere Multi-Core-Leistung als Apples aktueller M5 Max. Wer bereits auf einen überraschenden M6 Pro gehofft hat, sollte allerdings vorsichtig sein: Geekbench-Gründer John Poole hat Unstimmigkeiten im Datensatz entdeckt und hält das Ergebnis für wahrscheinlich gefälscht.
Der Benchmark tauchte am 18. September in der Geekbench-Datenbank auf und verbreitete sich anschließend schnell über Reddit und andere Plattformen.
Auf den ersten Blick wirkte der Eintrag durchaus plausibel. Erst eine genauere Untersuchung wirft erhebliche Zweifel an seiner Echtheit auf.
Angeblicher M6 Pro erreicht 37.565 Punkte
Der Geekbench-Eintrag beschreibt ein bislang unbekanntes Mac-Modell mit der Kennung Mac18,6.
Als Prozessor wird ein „Apple M6 Pro“ mit insgesamt 18 CPU-Kernen angegeben. Die Taktrate soll bei bis zu 4,78 GHz liegen, kombiniert mit 48 GB Arbeitsspeicher.
Die Benchmark-Werte wären beeindruckend:
| Prozessor | Single-Core | Multi-Core |
|---|---|---|
| angeblicher M6 Pro | 4.150 | 37.565 |
| M5 Max | ca. 3.731 | ca. 35.119 |
| M5 Pro | – | ca. 33.593 |
| M6 | 4.071 | 22.783 |
Damit würde der angebliche M6 Pro den M5 Max bei der Multi-Core-Leistung sogar überholen.
Für einen Chip, der eigentlich unterhalb eines Max-Modells positioniert wäre, wäre das ein bemerkenswerter Leistungssprung.
Geekbench-Gründer findet „interne Inkonsistenzen“
Genau hier beginnt allerdings das Problem.
Geekbench-Gründer John Poole hat den Datensatz selbst untersucht und dabei laut MacRumors interne Widersprüche entdeckt.
Welche technischen Details genau nicht zusammenpassen, erklärte Poole bislang nicht öffentlich.
Seine Einschätzung ist dennoch eindeutig: Der vermeintliche M6-Pro-Benchmark dürfte nicht authentisch sein.
Damit sollte der Datensatz nicht für Performance-Vergleiche oder Prognosen zur nächsten Apple-Silicon-Generation verwendet werden.
Geekbench-Einträge stammen schließlich nicht automatisch direkt von Apple. Die öffentliche Datenbank enthält von Nutzern hochgeladene Ergebnisse und lässt sich grundsätzlich manipulieren.
Die technischen Daten wirkten zunächst erstaunlich glaubwürdig
Interessant ist, dass der Fake offenbar nicht vollkommen offensichtlich konstruiert wurde.
Die angegebenen Werte passen zumindest oberflächlich zu Apples bisheriger Entwicklung.
Der angebliche Prozessor besitzt beispielsweise eine leicht höhere Taktrate als aktuelle M5-Chips. Auch die hohe Anzahl von 18 CPU-Kernen wäre technisch nicht vollkommen ausgeschlossen.
Apple nutzt bei seinen neueren High-End-Chips eine veränderte Packaging-Strategie, durch die sich Konfigurationen mit ähnlichen Kernzahlen über unterschiedliche Modelle hinweg realisieren lassen.
Selbst die Single-Core-Leistung wäre nicht völlig unrealistisch.
Der kürzlich aufgetauchte normale M6 erreicht in Geekbench 7 rund 4.071 Punkte. Die angeblichen 4.150 Punkte des M6 Pro wären damit nur geringfügig höher.
Gerade diese plausiblen Details dürften dazu beigetragen haben, dass der Benchmark zunächst Aufmerksamkeit bekam.
Noch größerer Zweifel: Einen M6 Pro soll es gar nicht geben
Gegen die Echtheit spricht allerdings nicht nur Pooles technische Analyse.
Nach Informationen von Bloomberg plant Apple derzeit offenbar überhaupt keinen M6 Pro oder M6 Max.
Apple soll seine bisherige Chip-Roadmap verändert haben und nach dem normalen M6 direkt stärker auf die M7-Generation setzen.
Der Grund soll vor allem in neuen Technologien für KI-Workloads liegen.
Die derzeit erwartete Roadmap sieht ungefähr so aus:
| Chip | Erwarteter Zeitraum |
|---|---|
| M6 | Ende 2026 |
| M7 | erste Jahreshälfte 2027 |
| M7 Pro | Ende 2027 |
| M7 Max | Ende 2027 |
| M7 Ultra | 2028 |
Apple selbst hat diese vollständige Roadmap allerdings nicht offiziell bestätigt.
Es handelt sich weiterhin um Informationen aus dem Umfeld des Unternehmens.
Apple soll M6 Pro und M6 Max wegen M7 überspringen
Der ungewöhnliche Schritt hätte offenbar technische Gründe.
Apple soll ursprünglich durchaus Pro- und Max-Versionen des M6 geplant haben.
Während der Entwicklung habe das Unternehmen jedoch entschieden, bestimmte größere Verbesserungen bei Neural Processing, GPU-Leistung und Speicherbandbreite früher einzuführen.
Diese Funktionen waren ursprünglich stärker mit der M7-Generation verbunden.
Anstatt noch eine vollständige M6-Familie auf den Markt zu bringen, soll Apple deshalb den Wechsel auf M7 beschleunigt haben.
Das wäre eine deutliche Abweichung von der bisherigen Apple-Silicon-Strategie.
Seit dem ersten M1 gab es praktisch jede Generation in mehreren Leistungsstufen.
Der normale M6 ist dagegen realistisch
Während der M6 Pro offenbar nicht existiert, sieht die Situation beim normalen M6 anders aus.
Erste Geekbench-Daten des regulären Chips sind bereits aufgetaucht.
Der dort getestete M6 erreicht:
- 4.071 Punkte Single-Core
- 22.783 Punkte Multi-Core
Damit würde er gegenüber dem M5 ungefähr zwölf Prozent bei der Single-Core-Leistung und rund 27 Prozent im Multi-Core-Test zulegen.
Der M6 soll zunächst im neuen Mac mini eingesetzt werden.
Diese Ergebnisse gelten ebenfalls erst dann als endgültig belastbar, wenn unabhängige Tests mit Seriengeräten vorliegen.
Ein Benchmark allein ist ohnehin kein Beweis
Der aktuelle Fall zeigt erneut, warum geleakte Benchmark-Einträge mit Vorsicht behandelt werden sollten.
Ein Screenshot oder öffentlicher Datenbankeintrag bedeutet nicht automatisch, dass tatsächlich ein Prototyp von Apple getestet wurde.
Gerade vor neuen Hardwaregenerationen tauchen regelmäßig manipulierte oder falsch zugeordnete Resultate auf.
Interessanterweise war der vermeintliche M6 Pro dabei gut genug konstruiert, dass weder Kernzahl noch Taktrate sofort offensichtlich unrealistisch erschienen.
Erst Geekbench selbst fand offenbar technische Details im Hintergrund des Eintrags, die nicht zusammenpassen.
Auf einen M6 Pro sollte man derzeit nicht warten
Für Käufer eines neuen Macs bedeutet das vorerst: Der angebliche M6-Pro-Benchmark liefert keinen belastbaren Hinweis auf ein kommendes Produkt.
Der aktuelle Informationsstand deutet vielmehr darauf hin, dass Apple den normalen M6 noch 2026 veröffentlicht, die höherklassigen Chips anschließend aber direkt auf die M7-Generation umstellt.
Sollten sich diese Berichte bestätigen, wären M7 Pro und M7 Max erst gegen Ende 2027 zu erwarten.
Die spektakulären 37.565 Geekbench-Punkte des vermeintlichen M6 Pro sehen zwar beeindruckend aus – nach der Analyse des Geekbench-Gründers sprechen derzeit aber deutlich mehr Hinweise für einen gut gemachten Fake als für einen überraschenden neuen Apple-Chip.

