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LoL Ranked Reset in Season 2: Riot setzt die Ranglistenspitze hart zurück

Autoren-Bild Andrea Mertens April 22, 2026

Riot greift in League of Legends zu einer ungewöhnlich drastischen Maßnahme. Mit Patch 26.9 werden in NA, EUW, EUNE, BR, LAN und TR alle Spieler ab Meister bis hoch zu Großmeister und Herausforderer auf Meister 0 LP zurückgesetzt. Betroffen sind dabei nicht nur der sichtbare Rang, sondern auch die zugrunde liegende GSW beziehungsweise MMR. Riot begründet den Schritt mit massiver Volatilität an der Spitze der Solo-Queue seit Saisonstart im Januar.

Das ist deshalb so bemerkenswert, weil Riot selbst einräumt, dass eine derart harte Zurücksetzung mitten im Jahr ein extrem seltenes Ereignis ist. Normalerweise bleibt die obere Rangliste innerhalb eines Jahres intakt, auch wenn neue Splits oder Saisons starten. Diesmal sieht der Entwickler die Wettbewerbsintegrität aber so stark beschädigt, dass ein normaler Übergang in Saison 2 offenbar nicht mehr gereicht hätte.

Riot zieht bei der Solo-Queue die Notbremse

Diese Regionen und Ränge sind betroffen

Die harte Rücksetzung trifft ausschließlich die oberen Ränge in sechs Regionen. Konkret nennt Riot die Bereiche Meister, Großmeister und Herausforderer in Nordamerika, Westeuropa, Nordeuropa/Osteuropa, Brasilien, LAN und der Türkei. Alle diese Spieler starten mit Patch 26.9 auf Meister 0 LP neu. Andere Regionen sollen laut Riot nicht dieselbe Instabilität gezeigt haben und bleiben deshalb von diesem Sonderfall verschont.

Für High-Elo-Spieler bedeutet das praktisch einen kompletten Neustart im wichtigsten Teil des Jahres. Riot schreibt offen, dass nach dem Reset zunächst auch merkwürdige Matches entstehen können, weil das Matchmaking die alte Verteilung an der Spitze nicht mehr direkt weiterverwendet. Damit nimmt das Studio kurzfristig schlechtere Matchqualität bewusst in Kauf, um die Ladder langfristig wieder glaubwürdiger zu machen.

So läuft der Reset in Patch 26.9 ab

Mit dem Start von Saison 2 und dem Release von Patch 26.9 werden die betroffenen Accounts auf denselben Punkt gesetzt. Niemand nimmt LP, Platzierung oder MMR-Vorsprung aus der bisherigen Ladder mit. Riot beschreibt das explizit als einen Neustart unter gleichen Bedingungen, auch wenn gerade in den ersten Wochen dadurch ungewöhnliche Paarungen möglich werden.

Gleichzeitig verändert Riot die Mathematik hinter dem Aufstieg. Der Basiswert für LP-Gewinne und -Verluste an der Spitze soll künftig bei plus/minus 30 LP liegen. Erwartet werden Ausschläge zwischen +35/-25 und +25/-35, je nachdem, wie das System einen Spieler einordnet. Zusätzlich hebt Riot die Mindestschwellen für die obersten Ränge an: 400 LP für Großmeister und 800 LP für Herausforderer.

Warum Riot den Schritt überhaupt für nötig hält

Seit Januar lief die obere Ladder aus dem Gleichgewicht

Riot beschreibt den eigentlichen Auslöser ziemlich deutlich. Seit Saisonbeginn wurden mehrere größere Matchmaking- und Ranked-Änderungen eingeführt, darunter Anpassungen am Autofill, höhere Zufriedenheit auf bestimmten Stufen und die Rückkehr von Duos in den höchsten Klassen. In der Praxis führte das laut Riot aber zu Konfigurationsfehlern und einer Rangliste, die sich für viele High-Elo-Spieler schlicht nicht fair anfühlte.

Besonders problematisch waren die schwankenden LP-Werte. Riot nennt selbst Phasen, in denen Spieler je nach Patch zwischen +10/-30 LP und später wieder ungefähr +/-20 LP pendelten. Damit wurde nicht nur die eigentliche Spielstärke zum Faktor, sondern auch der Zeitpunkt, an dem man aktiv gegrindet hat. Genau das habe nach eigener Einschätzung die Integrität der Ladder untergraben.

Riot hatte schon im März erste Warnsignale eingeräumt

Ganz überraschend kommt diese Kehrtwende nicht. Bereits Anfang März hatte Riot in einem Dev-Beitrag zur GSW-zu-Rang-Verteilung erklärt, dass man die LP-Gewinne in Meister+ aktiv beobachte und die Fälle von +10/-30 LP als Problem erkannt habe. Damals war bereits von weiteren Anpassungen die Rede. Der jetzige Hard Reset wirkt deshalb wie der Punkt, an dem aus schrittweisen Reparaturen ein radikaler Schnitt wird.

Riot argumentiert außerdem, dass die eigentlichen Ursachen mittlerweile weitgehend behoben seien. Genannt werden das verbesserte Matchmaking aus Patch 26.6, eine bessere Balance für Duos, die Aufhebung der LP-Obergrenze an der Spitze und weitere kleinere Korrekturen. Das Problem sei nun weniger das aktuelle System als vielmehr eine Ladder, die durch die vorherigen Monate kein sauberes Bild der tatsächlichen Spielstärke mehr liefere.

Was Season 2 für High-Elo-Spieler zusätzlich verändert

Der Grind an der Spitze soll härter, aber klarer werden

Riot will mit den neuen Regeln nicht nur Chaos beseitigen, sondern auch den Aufstieg verständlicher machen. Die höheren Schwellen für Großmeister und Herausforderer sollen verhindern, dass frühe Lucky Streaks oder ein extrem schneller Start einzelne Spieler zu früh zu weit nach oben katapultieren. Gleichzeitig sollen die höheren LP-Gewinne den Grind weniger zäh machen als in den zuletzt kritisierten Phasen.

Das ist ein klarer Balanceakt. Riot versucht, die obersten Ränge wieder elitärer und zugleich berechenbarer zu gestalten. Für ambitionierte Ladder-Spieler dürfte genau das der entscheidende Punkt sein: Weniger Patch-Lotterie, mehr saubere Kletterlogik. Ob das in der Praxis funktioniert, wird sich allerdings erst in den Wochen nach 26.9 zeigen. Diese Einschätzung ist eine redaktionelle Einordnung auf Basis der angekündigten LP- und Schwellenänderungen.

Auch die Belohnungen werden wegen des Sonderfalls angepasst

Weil Saison 2 durch den Reset kürzer und chaotischer ausfallen kann, zieht Riot auch bei den Rewards nach. Die Belohnungen für Saison 1 werden wie üblich verteilt. Für die betroffenen High-Elo-Spieler in den Reset-Regionen dient Saison 3 zusätzlich als eine Art Ausgleichsphase: Wer dort einen höheren Rang erreicht als in Saison 2, bekommt diesen besseren Rang sogar rückwirkend für die Belohnungen aus Saison 2 angerechnet.

Das ist ein wichtiges Detail, weil Riot damit den größten Frustpunkt des Mid-Year-Resets abfedern will. Wer wegen des Neustarts oder der kürzeren Season nicht rechtzeitig auf seinen alten Peak zurückkommt, verliert nicht automatisch die Chance auf entsprechende Endjahres-Rewards.

Weitere relevante Neuigkeiten rund um Patch 26.9

WASD kommt gleichzeitig in die Rangliste

Der Reset ist nicht die einzige große Veränderung, die mit Patch 26.9 in die Ranked-Warteschlange kommt. Riot hat erst wenige Tage zuvor bestätigt, dass die WASD-Steuerung mit Saison 2 auch für Ranglistenspiele freigegeben wird. Laut Riot habe die alternative Steuerungsmethode inzwischen ein ähnliches Leistungsniveau wie die klassische Maussteuerung erreicht, mit nur noch leichtem Vorteil für die klassische Eingabe.

Für die Community ist das eine ziemlich bemerkenswerte Kombination: Ausgerechnet der Patch, der die Spitze der Ladder hart zurücksetzt, erweitert gleichzeitig die Ranked-Erfahrung um ein experimentell wirkendes Steuerungsfeature, das nun offiziell als wettkampftauglich gilt. Riot baut Saison 2 also nicht nur als Reparatur-Patch, sondern auch als ziemlich sichtbaren Systemwechsel.

Arena bekommt in Saison 2 ihren nächsten großen Umbau

Parallel dazu fährt Riot für Arena eine auffällig große Update-Welle. In Saison 2 kommen neue Event-Varianten wie 3×6, Tapferkeit und Schnelle Arena, dazu die neue Karte Petrizithain, eine Überarbeitung des Ahnenwalds, Augmentierungsstufen, mehr als 30 neue Augmentierungen und über 20 neue Ehrengäste. Riot hat diese Inhalte sowohl in einem Dev-Artikel als auch in der Kurzfassung des jüngsten Entwicklerupdates ausführlich angekündigt.

Damit wird klar: Der Apex-Reset ist zwar die größte Schlagzeile für Solo-Queue-Spieler, aber nicht das einzige Thema von Patch 26.9. Riot nutzt Saison 2 sichtbar, um mehrere Spielbereiche gleichzeitig neu aufzusetzen. Gerade deshalb wirkt der aktuelle Entwicklungszyklus größer als ein normaler Mid-Season-Wechsel.

Warum dieser Schritt für League of Legends so heikel ist

Riot verteidigt die Integrität, riskiert aber neue Unruhe

Ein Hard Reset an der Ladder-Spitze klingt zunächst nach einer sauberen Lösung, kann aber kurzfristig neue Probleme erzeugen. Riot sagt selbst, dass es nach dem Neustart zunächst zu seltsamen Matchups kommen kann, weil das System die alte Hierarchie nicht mehr direkt kennt. Wer direkt zum Saisonstart grinden will, könnte also vorübergehend genau jene ungleichmäßigen Games erleben, die der Reset eigentlich langfristig beheben soll.

Trotzdem ist der Schritt nachvollziehbar. Sobald Spieler das Gefühl bekommen, dass Patch-Timing und LP-Logik wichtiger sind als das eigentliche Gewinnen, verliert Ranked seinen Kern. Riot versucht jetzt, diesen Vertrauensverlust mit einem harten Neustart zu stoppen. Dass ein Entwickler dafür mitten im Jahr die Notbremse zieht, zeigt allerdings auch, wie tief das Problem in den betroffenen Regionen offenbar wirklich saß.

Ein Neustart mit Signalwirkung

Riot macht mit dem Apex-Reset deutlich, dass Saison 2 in League of Legends kein gewöhnlicher Übergang werden soll. Die obere Ladder wird neu aufgestellt, die LP-Logik an der Spitze wird spürbar verändert, WASD zieht in Ranked ein und Arena bekommt ihren bislang größten Umbau seit langer Zeit. Für High-Elo-Spieler steht dabei natürlich der Reset im Mittelpunkt. Für das Spiel insgesamt wirkt Patch 26.9 aber eher wie eine kleine Neuordnung als wie ein einfacher Versionssprung.

Wenn Riot mit dieser Kombination aus Hard Reset und Systemanpassungen Recht behält, könnte Saison 2 die Rangliste wieder stabilisieren. Wenn nicht, wird der Patch vor allem als jener Moment in Erinnerung bleiben, in dem Riot eingestehen musste, dass die obere Solo-Queue 2026 aus dem Gleichgewicht geraten war.

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Über Andrea Mertens |

Andrea Mertens ist seit über 15 Jahren als Sportjournalistin tätig und berichtet seit fünf Jahren intensiv über die Welt des Esports. Mit ihrer langjährigen Erfahrung im klassischen Sportjournalismus bringt sie fundiertes Fachwissen, analytische Kompetenz und ein tiefes Verständnis für Wettkampfstrukturen in ihre Berichterstattung ein.Ihr Fokus liegt auf der Schnittstelle zwischen traditionellem Sport und kompetitivem Gaming. Ob große Turniere, Team-Analysen oder Entwicklungen in der Esports-Szene - Andrea verbindet journalistische Präzision mit Leidenschaft für Gaming-Kultur. Besonders gerne schreibt sie über Titel wie Counter-Strike, League of Legends und Valorant, behält aber auch branchenübergreifende Trends stets im Blick.Durch ihre klare, zugängliche Schreibe macht sie komplexe Themen für ein breites Publikum verständlich und liefert sowohl Einsteigern als auch erfahrenen Fans wertvolle Einblicke. Bei Fragster.de berichtet Andrea über aktuelle News, Hintergründe und die spannendsten Geschichten aus Sport und Esports.

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