Südkorea steht im Finale des League-of-Legends-Turniers der Asienspiele 2026. Im Halbfinale am 1. Oktober in der Aichi Sky Expo ließ der Titelverteidiger Saudi-Arabien beim 2:0 keine Chance, und das ohne Lee „Faker“ Sang-hyeok: In beiden Spielen stand Kim „Zeka“ Geon-woo auf der Mid-Lane. Im Kampf um Gold wartet am Freitag Chinese Taipei, also genau der Gegner, den Jungler Kim „Canyon“ Geon-bu nach der Gruppenphase als wahrscheinlicheren Finalisten genannt hatte.
Ein Halbfinale ohne Überraschung
Saudi-Arabien galt vor der Partie als unbeschriebenes Blatt, und zumindest die Bot-Lane der Saudis machte ihrem Ruf als Unbekannte alle Ehre. In Spiel 1 setzte sie Lee „Gumayusi“ Min-hyeong auf Kalista und Ryu „Keria“ Min-seok auf Renata Glasc früh unter Druck. Beide standen nach 13 Minuten ohne Kill da, während die Gegenseite zwei Abschüsse auf der unteren Lane verbuchte.
Südkorea glich das über die obere Kartenhälfte aus, sicherte zwei Drachen und entschied die erste große Teamfight-Phase vor dem Rift Herald klar für sich. Nach 18 Minuten lag der Goldvorsprung bei rund 8.000, mit dem Baron zur 20. Minute wuchs er auf über 10.000. Das Spiel war nach etwa 21 Minuten beendet.
Spiel 2 verlief ähnlich. Wieder hielt die saudische Bot-Lane zunächst mit und erzwang ein 2:2 nach vier Minuten. Dafür dominierte Choi „Zeus“ Woo-je mit Nidalee gegen Illaoi die Top-Lane und sammelte früh drei Kills, während Zeka auf Cassiopeia einen deutlichen Farmvorsprung aufbaute. Saudi-Arabien schickte zeitweise drei Spieler nach oben, um Zeus zu stoppen, kam aber trotz vereinzelter Abschüsse nie an die Partie heran.
Der Weg ins Finale
Die Gruppenphase wurde in Einzelspielen (Bo1) als einfache Jeder-gegen-jeden-Runde ausgetragen, die beiden Gruppenbesten zogen ins Halbfinale ein.
| Phase | Gegner | Ergebnis |
|---|---|---|
| Gruppe B (30.09.) | Chinese Taipei | Sieg (Bo1) |
| Gruppe B (30.09.) | Indien | Sieg (Bo1) |
| Gruppe B (30.09.) | Hongkong | Sieg (Bo1) |
| Halbfinale (01.10.) | Saudi-Arabien | 2:0 (Bo3) |
| Finale (02.10., 05:00 Uhr MESZ) | Chinese Taipei | Bo5 |
Saudi-Arabien hatte sich als Zweiter der Gruppe A mit 2:1 qualifiziert und dort nur gegen Vietnam verloren. Vietnam blieb in Gruppe A ungeschlagen, unterlag im zweiten Halbfinale aber Chinese Taipei glatt mit 0:2. Damit kommt es zur Neuauflage des Endspiels von Hangzhou.
Canyons Plan gegen das Unbekannte
Nach der Gruppenphase hatte Canyon offen eingeräumt, dass das Team kaum Material über Saudi-Arabien besitze. Statt sich am Gegner abzuarbeiten, wollte Südkorea das eigene Spiel schärfen und die Prioritätenliste bei der Championauswahl festzurren. Der Jungler gab sich siegessicher: Solange sich das Team von ungewöhnlichen Picks oder Spielzügen der Saudis nicht aus der Ruhe bringen lasse, werde Südkorea gewinnen. Das Halbfinale gab ihm recht, auch wenn die Bot-Lane-Probleme zeigten, warum diese Warnung nicht unbegründet war.
Bereits in der Gruppenphase musste sich Südkorea auf ungewohnte Ideen einstellen. Hongkong griff zu einem Lane-Swap, den Canyon aus früheren internationalen Turnieren kannte. Er hob die Kommunikation von Zeus und Gumayusi hervor, die schnell reagiert und ihm das Jungeln damit erleichtert hätten.
Frühaufsteher wider Willen
Ungewohnt sind für das Team vor allem die Anstoßzeiten. Die Gruppenspiele begannen bereits um 9 Uhr Ortszeit, für Profis, die üblicherweise bis in die Nacht trainieren, eine echte Umstellung. Laut Canyon begann das Team schon im Vorbereitungscamp in Busan, den Tagesrhythmus vorzuverlegen. Inzwischen stehe er gegen 7:30 Uhr auf, statt wie sonst gegen Mittag oder 13 Uhr. Er empfinde den früheren Start sogar als angenehm, weil nach dem Scrim-Ende sonst wenig vom Tag übrig bleibe. Faker äußerte sich gegenüber dem koreanischen Sender SBS weniger begeistert: Das Leben als Morgenmensch falle ihm schwer, obwohl es zwischen Korea und Japan keine Zeitverschiebung gibt.
Was für drei Spieler auf dem Spiel steht
Für Südkoreas Profis geht es um mehr als eine Medaille. Ein Sieg bei den Asienspielen befreit vom regulären Militärdienst, der sonst eine Karriere auf dem Höhepunkt unterbrechen kann. Drei Spieler des Kaders haben diese Befreiung bereits mit dem Gold von Hangzhou gesichert, für die anderen drei ist das Finale die entscheidende Chance:
- Bereits Gold 2022 (Hangzhou): Zeus (Top), Faker (Mid), Keria (Support)
- Erstmals im Nationalteam: Canyon (Jungle), Zeka (Mid), Gumayusi (ADC)
Canyon betonte zum Abschluss der Gruppenphase, dass er sich in einem Turnier für sein Land keine Nachlässigkeit erlaube und hart an sich arbeite. Den Erfolg wolle er mit den Menschen in Korea teilen.
Südkorea ist Favorit, aber nicht unverwundbar
Ohne China im Teilnehmerfeld ist der Weg zu Gold so frei wie nie zuvor, und Südkorea hat ihn bislang souverän genutzt. Dass Zeka im Halbfinale den Vorzug vor Faker erhielt, unterstreicht die Tiefe dieses Kaders. Die wiederholten Schwierigkeiten auf der Bot-Lane sind dennoch ein Warnsignal: Saudi-Arabien konnte sie nicht bestrafen, Chinese Taipei hat in der Gruppenphase immerhin als einziges Team ernsthaft mitgehalten und kennt Südkorea aus dem Hangzhou-Finale. Ein Bo5 verzeiht Schwächen in einer Lane weniger als ein Bo1. Favorit bleibt Südkorea trotzdem klar, und für Canyon, Zeka und Gumayusi wird der Freitagmorgen der wichtigste Termin des Jahres.

