League of Legends auf einem Nokia-Handy aus dem Jahr 2009 klingt zunächst wie ein Scherz. Ein Entwickler aus Vietnam hat nun jedoch tatsächlich eine angepasste Version eines älteren LoL-Clients auf einem Nokia E72 gestartet. Das Business-Handy stammt aus einer Zeit lange vor modernen Smartphones und läuft noch mit Symbian.
Der Entwickler passte den Client so an, dass er mit den stark begrenzten Möglichkeiten der alten Hardware umgehen kann. Dabei soll Java eine wichtige Rolle spielen, da das E72 neben Symbian auch Java-Anwendungen unterstützt.
Das Ergebnis ist vor allem eine technische Machbarkeitsstudie. Mit einer heutigen PC-Version von League of Legends hat das Projekt wenig gemeinsam. Trotzdem ist bemerkenswert, dass Riot Games‘ MOBA überhaupt auf einem Gerät startet, das ursprünglich für E-Mails, Kalender und geschäftliche Kommunikation entwickelt wurde.
🚨 NEW: Someone in Vietnam 🇻🇳 managed to port League on Nokia E72 🧱📲 pic.twitter.com/NfdpgO0aEq
— Polymarket League of Legends (@PolymarketLoL) October 2, 2026
Nokia E72 stammt aus einer völlig anderen Smartphone-Ära
Das Nokia E72 kam 2009 auf den Markt.
Damals gehörte das Gerät zur Eseries des finnischen Herstellers und richtete sich vor allem an Geschäftskunden. Statt Touchscreen setzte Nokia auf eine vollständige physische Tastatur unterhalb des Displays.
Technisch wirkt das Gerät aus heutiger Sicht entsprechend bescheiden.
Das E72 besitzt ein Display mit lediglich 320 × 240 Pixeln und basiert auf der Symbian-Plattform. Auch Prozessorleistung und Arbeitsspeicher liegen weit unter dem, was selbst günstige heutige Smartphones bieten.
Für Anwendungen wie E-Mail, Dokumente und einfache mobile Programme war das damals völlig ausreichend.
Ein komplexes Mehrspieler-Spiel wie League of Legends gehört allerdings offensichtlich nicht zu den Anwendungen, für die das Gerät ursprünglich gedacht war.
Angepasster alter LoL-Client statt aktuellem PC-Spiel
Entscheidend ist deshalb die genaue Einordnung des Projekts.
Der Entwickler hat nicht einfach die aktuelle Windows-Version von League of Legends auf dem Nokia installiert.
Stattdessen wurde offenbar ein älterer beziehungsweise speziell angepasster Client verwendet, dessen Funktionen auf die Möglichkeiten des Geräts zugeschnitten wurden.
Damit erinnert das Projekt eher an sogenannte Demakes oder technische Experimente, bei denen moderne Spiele beziehungsweise deren Grundprinzipien auf deutlich ältere Hardware übertragen werden.
Wie vollständig die Umsetzung tatsächlich funktioniert, ist bislang nicht dokumentiert.
Insbesondere ist nicht klar, ob damit reguläre Online-Partien gegen Spieler auf modernen LoL-Servern möglich sind oder ob lediglich Teile des Clients und der Spieloberfläche lauffähig gemacht wurden.
Java und Symbian machen ungewöhnlichen Port möglich
Das Nokia E72 läuft mit Symbian S60 und unterstützt gleichzeitig Java-Anwendungen.
Genau diese Kombination macht solche Experimente überhaupt möglich.
Java ME war in den 2000er-Jahren auf zahlreichen Mobiltelefonen verbreitet und wurde für Spiele, Messenger und kleinere Anwendungen genutzt.
Entwickler konnten Software vergleichsweise einfach auf unterschiedliche Geräte anpassen, solange sie innerhalb der engen technischen Grenzen der jeweiligen Telefone blieb.
Für League of Legends muss ein solcher Ansatz natürlich massiv vereinfacht werden.
Texturen, Effekte, Benutzeroberfläche und Steuerung müssen auf ein Display angepasst werden, das heute selbst für einfache Smartphone-Anwendungen winzig wirken würde.
Steuerung dürfte die größte Herausforderung sein
Neben der Leistung stellt vor allem die Bedienung ein Problem dar.
League of Legends wurde für Maus und Tastatur entwickelt. Spieler müssen gleichzeitig ihre Spielfigur bewegen, Fähigkeiten auswählen, Ziele markieren und die Kamera steuern.
Das Nokia E72 besitzt zwar eine vollständige QWERTZ- beziehungsweise QWERTY-Tastatur, aber keine Maus und keinen modernen Touchscreen.
Damit muss die Steuerung vollständig auf Tasten umgelegt werden.
Gerade die präzise Auswahl von Gegnern oder Fähigkeiten dürfte dadurch erheblich schwieriger werden als am PC.
Ob das Projekt tatsächlich komfortabel spielbar ist, steht deshalb auf einem anderen Blatt.
League of Legends selbst erschien ebenfalls 2009
Eine kuriose Parallele macht das Experiment noch interessanter.
Auch League of Legends erschien ursprünglich 2009.
Das Nokia E72 und Riots MOBA stammen damit aus demselben Jahr – entwickelten sich anschließend aber in völlig unterschiedliche Richtungen.
League of Legends wurde kontinuierlich erweitert, technisch modernisiert und gehört heute zu den größten Esport-Titeln der Welt.
Das E72 steht dagegen für eine Smartphone-Generation, die wenige Jahre später nahezu vollständig von Android und iOS verdrängt wurde.
Mehr als 17 Jahre später treffen beide nun noch einmal auf ungewöhnliche Weise aufeinander.
Alte Hardware bleibt beliebtes Ziel für Gaming-Experimente
Solche Projekte sind innerhalb der Technik- und Modding-Szene längst keine Seltenheit.
Entwickler versuchen regelmäßig, bekannte Spiele auf Geräten zum Laufen zu bringen, für die sie niemals vorgesehen waren.
Doom ist das bekannteste Beispiel und wurde inzwischen auf Taschenrechnern, Druckern und zahlreichen anderen Geräten gestartet.
League of Legends auf einem Nokia E72 ist technisch wesentlich eingeschränkter als eine normale PC-Version, passt aber genau in diese Tradition.
Der praktische Nutzen ist gering.
Als Demonstration dafür, wie weit Software angepasst werden kann, ist das Projekt dagegen durchaus beeindruckend.
Wer ernsthaft Ranglistenspiele bestreiten möchte, wird weiterhin einen PC benötigen. Als technisches Experiment zeigt das Nokia E72 aber ziemlich eindrucksvoll, dass selbst ein fast zwei Jahrzehnte altes Business-Handy noch für Überraschungen gut ist.

