Es ist eine der größten Überraschungen im Vorfeld der Asian Games 2026: China wird beim League-of-Legends-Turnier in Aichi-Nagoya nicht antreten. Bekannt wurde das, nachdem der Olympische Rat Asiens die Teilnehmerliste veröffentlicht hatte. China taucht weder unter den Mannschaften auf, die ab dem 12. Juni in Kuala Lumpur die Qualifikation bestreiten, noch unter den direkt eingeladenen Teams. Südkorea und Chinese Taipei haben bereits feste Plätze in der Endrunde sicher. Der LoL-Großmacht China bleibt dagegen außen vor.
Wer die Geschichte des Wettbewerbs kennt, versteht, warum diese Nachricht so einschlägt. Beim ersten LoL-Auftritt bei den Asian Games 2018 holte China noch Gold. 2023, bei der wegen der Pandemie um ein Jahr verschobenen Hangzhou-Ausgabe 2022, reichte es im eigenen Land nur zu Bronze. Nach der Halbfinalniederlage gegen Südkorea musste sich das Team mit einem Sieg über Vietnam im Spiel um Platz drei zufriedengeben. Ein freiwilliger Verzicht auf die nächste Austragung wäre damit ein bemerkenswerter Bruch mit der eigenen Tradition.
Was hinter Chinas Verzicht stecken könnte
Eine offizielle Erklärung des chinesischen Olympiakomitees gibt es bislang nicht. In der chinesischen Community kursieren zwei Erklärungsansätze. Der eine verweist auf die angespannten Beziehungen zwischen China und dem Gastgeberland Japan, der andere auf eine mögliche Budgetkürzung für die Delegation. Beides bleibt vorerst Spekulation, solange sich keine offizielle Stelle äußert.
Konkreter wird der Journalist Wang Weichen, demzufolge China sich auf vier andere Disziplinen konzentriert: Honor of Kings, PUBG Mobile, Naraka: Bladepoint und Identity V. Auffällig ist, dass diese Titel allesamt eng mit chinesischen Unternehmen verbunden sind und China in ihnen zudem auf gute Resultate verweisen kann. Ob das die strategische Logik hinter dem LoL-Verzicht ist, bleibt ohne offizielle Bestätigung offen, fügt sich aber in ein nachvollziehbares Bild.
Gastgeber Japan fehlt ebenfalls bei LoL
China ist nicht das einzige prominente Land, das beim League-of-Legends-Turnier fehlt. Auch Gastgeber Japan steht nicht auf der Liste. Die Japan Esports Union hatte angekündigt, in mehreren Esports-Disziplinen anzutreten, dabei aber unter anderem League of Legends, Honor of Kings, Mobile Legends: Bang Bang und Naraka: Bladepoint auszulassen. Eine offizielle Begründung für den LoL-Verzicht steht auch hier aus. Für ein Gastgeberland, das sich sonst gern in möglichst vielen Wettbewerben präsentiert, ist das eine ungewöhnliche Zurückhaltung.
Wer in Kuala Lumpur um die Plätze kämpft
Die Qualifikation für das LoL-Turnier umfasst 14 Nationalteams: Hongkong, Indien, Jordanien, Kasachstan, Kirgisistan, Laos, Malaysia, Mongolei, Oman, Pakistan, Saudi-Arabien, Sri Lanka, die Vereinigten Arabischen Emirate und Vietnam. Sie alle reisen Mitte Juni nach Malaysia, um sich für die Endrunde in Japan zu empfehlen, während Südkorea und Chinese Taipei bereits gesetzt sind.
Die Asian Games 2026 finden vom 19. September bis 4. Oktober statt. League of Legends gehört zu den elf Esports-Disziplinen des Programms, die genauen Termine für das finale Turnier in Japan stehen allerdings noch aus. Klar ist schon jetzt: Ohne China verliert das Medaillenrennen einen seiner historisch stärksten Anwärter, und die Tür für Südkorea und die übrigen Anwärter öffnet sich ein gutes Stück weiter.
