Kim „Kiin“ Ki-in hat am 7. August seinen 500. Sieg in der League of Legends Champions Korea eingefahren. Gen.G gewann die Serie gegen KT Rolster mit 2:0 — womit der Toplaner genau die zwei Erfolge holte, die ihm zu der Marke noch fehlten. Vor ihm hat das kein Spieler auf dieser Position geschafft.
In der ewigen Bestenliste der LCK steht Kiin damit auf Rang vier. Über ihm liegen ausschließlich Spieler anderer Positionen; Chovy und Peanut führen mit jeweils 545 Siegen.
Die Zahlen hinter dem Rekord
Kiin hat in der LCK 848 Partien bestritten und kommt damit auf eine Siegquote von rund 59 Prozent. Dieser Wert wirkt gemessen an seiner Dominanz der vergangenen Jahre eher bescheiden — und genau darin steckt seine Geschichte.
Er kam 2018 mit Afreeca Freecs in die Liga, spielte dort in Mannschaften, die selten um Titel mitspielten, wechselte 2022 zu KT Rolster und erst Ende 2023 zu Gen.G. Seine erste koreanische Meisterschaft holte er 2024, also im siebten Jahr seiner Laufbahn. Die 500 Siege sind entsprechend nicht das Produkt einer durchgehend erfolgreichen Zeit, sondern das Ergebnis von acht Jahren auf hohem Niveau, davon ein erheblicher Teil in Teams ohne Titelchance.
Bemerkenswert ist auch die Serie an Bestmarken, die er zuvor gesetzt hat. Er war der erste Toplaner mit 1.500 Kills in der LCK und im April dieses Jahres auch der erste mit 2.000. Die 500 Spiele erreichte er bereits im Januar 2023 als neunter Spieler überhaupt.
Renekton und der Beiname Kiinsante
Die meisten Siege hat Kiin mit Renekton geholt, insgesamt 46. Das ist wenig überraschend: Der Champion war über viele Jahre und durch sehr unterschiedliche Metas hinweg spielbar, und Kiin hat ihn entsprechend lange im Repertoire.
Der zweite Platz ist der interessantere. K’Sante erschien erst 2022 — und Kiin steht dort bereits bei 36 Siegen aus 51 Partien in der LCK. Eine Quote von über 70 Prozent auf einem Champion, den es erst seit vier Jahren gibt, hat ihm in der koreanischen Szene den Beinamen Kiinsante eingebracht. Er gilt weithin als bester K’Sante-Spieler der Welt.
Das sagt einiges über seine Arbeitsweise aus. Kiin galt zu Beginn seiner Laufbahn nicht als der auf dem Papier stärkste Toplaner der Liga. Was ihn nach oben brachte, war die Bereitschaft, sein Champion-Repertoire zu erweitern, Tank-Rollen konsequent zu üben und sich der Mannschaft unterzuordnen.
Gen.G stellt drei der zehn Bestplatzierten
Unter den zehn Spielern mit den meisten LCK-Siegen ist Kiin der einzige Toplaner. Zwei seiner aktuellen Teamkollegen stehen ebenfalls in dieser Liste: Canyon auf Rang sechs mit 486 Siegen, Ruler auf Rang acht mit 473.
Das ist die eigentliche Nebengeschichte dieser Meldung. Gen.G stellt derzeit drei der zehn erfolgreichsten Spieler der Ligageschichte in einer einzigen Aufstellung — eine Konzentration an Erfahrung, wie sie im koreanischen Wettbewerb selten vorkommt.
Warum die Zukunft offen ist
Kiins Vertrag mit Gen.G läuft bis Ende 2026. Danach steht die Frage im Raum, die in Südkorea jede Laufbahn eines männlichen Profisportlers begleitet: der Wehrdienst.
Kiin wurde im Mai 1999 geboren und ist damit 27. Die gesetzliche Dienstpflicht lässt sich in der Regel bis zum 28. Lebensjahr aufschieben, in Einzelfällen etwas länger. Eine Befreiung gibt es für Medaillengewinner bei Olympischen Spielen und Asienspielen — und genau an dieser Stelle wurde es für Kiin bitter: Er wurde für den koreanischen Kader zu den Asienspielen 2026 nicht berücksichtigt, was Gen.G-Chef Arnold Hur damals öffentlich kritisierte.
Ob nach 2026 eine Fortsetzung folgt, ist damit offen. Für einen Spieler, der acht Jahre gebraucht hat, um in eine Mannschaft zu kommen, die seinem Niveau entspricht, wäre eine Unterbrechung von rund achtzehn Monaten in dieser Phase besonders unglücklich.
Was von den 500 Siegen bleibt
Rekorde dieser Art sind in erster Linie Fleißmarken — wer lange genug auf hohem Niveau spielt, sammelt sie zwangsläufig. Interessant werden sie erst im Vergleich, und hier ist der Vergleich eindeutig: Kein anderer Toplaner in der Geschichte der LCK ist in die Nähe dieser Zahl gekommen.
Das liegt auch an der Position. Toplaner haben in Korea traditionell die kürzeste Verweildauer, weil ihre Rolle stärker als jede andere von der jeweiligen Meta abhängt und Aufstellungen dort häufiger ausgetauscht werden. Wer acht Jahre lang durchhält und dabei durch drei Organisationen geht, ohne an Niveau zu verlieren, leistet etwas anderes als ein Spieler, der von Beginn an in einem Titelteam sitzt.
Kiin wurde in der Diskussion um die prägenden Figuren der LCK lange übersehen. Diese Marke dürfte das ein Stück weit korrigieren.

