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fabio | Juli 2, 2021

Kapio und Sebe im Interview: ‘Die Konkurrenz schläft nicht’

Navid “Kapio” Javadi ist eine Counter-Strike Legende und der neue Coach des CGN Esports Lineups für VALORANT. Dort trifft er auf Sebastian “Sebe” Kruft, der sich nun über tatkräftige Unterstützung beim Training freuen darf. Im Interview mit Fragster sprechen sie über ihren Wechsel zu dem neuen Spiel, den Aufbau des CGN-Rosters und ihre Gedanken zum neuesten VALORANT-Patch.

Seit fast 20 Jahren dürfen wir Kapio auf der virtuellen Mattscheibe verfolgen. Zu Zeiten von Counter-Strike 1.6 spielte er unter anderem für mousesports und Team ALTERNATE. Der Wechsel zu CS:GO bedeutete das Ende seiner Spielerkarriere. Fortan coachte er Teams wie mousesports und BIG. In letzter Zeit wurde es ruhig um Kapio, doch mit CGN Esports meldet er sich jetzt zurück und hat den Anspruch, ein deutsches VALORANT-Lineup in die internationale Top 15 zu bringen!

Fragster: Wann habt ihr euch entschieden, zu VALORANT zu wechseln?

Kapio: Mein Interesse an CS:GO ist bereits vor einiger Zeit abgeflacht bis zu dem Punkt, dass ich das Spiel und die Szene gar nicht mehr verfolgt habe. Als VALORANT rauskam, hatte ich die Hoffnung, dass mein Interesse und die Lust an Esport wieder wächst. VALORANT gefiel mir gut. Da ich selbst lange Overwatch gespielt habe, war die Anpassung mit den Abilities etc. recht einfach und eine spannende Kombination für mich.

Kapio (Mitte) beim ESWC 2011 (via HLTV)

 

Sebe: Im Gegensatz zu Kapio ist mein Interesse an Counter-Strike nie abgeflacht. Ich habe erst 6 Monate nach Beginn meiner Tätigkeit bei CGN Esports die Entscheidung gefällt, meine Spielerkarriere zu beenden, um all meine Zeit in ein neues Projekt zu stecken. VALORANT hat mich von Anfang an gereizt, da ich in meiner Freizeit auch sehr gerne Apex Legends und Overwatch gespielt habe. Mir war von Anfang an klar, dass Riot sich mehr für die Community einsetzt und auf das Feedback der Profis hören würde. Valves Umgang mit CS, dem Spiel das ich über alles mochte, hat mich oft enttäuscht. Deshalb wollte ich die Chance nutzen, um von Anfang an ein Team zu formen, zu managen und zu coachen. Nun habe ich endlich Unterstützung!

F: Wie seid ihr zu CGN Esports gekommen?

K: Im Herbst letzten Jahres wurde ich von ADL angefragt, um ein VALORANT-Team aufzubauen. Während der Zeit kam ich mit CGN in Kontakt und wir fingen an, uns auszutauschen und die Idee eines rein deutschen Teams zu diskutieren. Da ADL in einer schwierigen Phase mit Covid Probleme hatte, Partner zu finden, um das Projekt zu finanzieren, endete dieses Engagement zum Ende des Jahres und ich war frei. CGN hatte selbst Probleme mit dem internationalen Lineup, und Sebe und ich sind zu dem Entschluss gekommen, dass es der richtige Zeitpunkt sei, unsere Idee zu verwirklichen. Mir ist es wichtig, meine Zeit und mein Wissen in ein Projekt zu investieren, an das ich glaube und bei dem ich mit den richtigen Leuten zusammenarbeite. Das ist bei CGN der Fall.

S: Mein Weg zu CGN war in der Tat von vielen Zufällen geprägt. Einer meine Kommilitonen erzählte mir, dass sein Vater ihn besuchen wolle, um über Esports zu sprechen. Dieser Vater war kein anderer als Prof. Dr. Rychlik, einer der Consultants von CGN Esports. Über diese Umstände wusste ich zu diesem Zeitpunkt nichts, aber es war wohl ein glücklicher Zufall, dass ich an diesem Treffen teilnahm. Prof. Rychlik schien angetan zu sein von meiner Erfahrung und Begeisterung für den Esport und empfahl mich weiter an CGN Esports.

F: Wie lief der Scouting-Prozess für das Team genau ab?

K: Den Großteil der Arbeit verrichtete Sebe. Da er sehr involviert in der Szene ist, traf er die Vorauswahl der Spieler und wir fingen an, rund 30 Spieler zu testen. Zuerst spielten wir 5on5s untereinander, wir coachten die Spieler kaum bis gar nicht, um zu schauen, wer sich in kurzer Zeit selbst verbessert. Dazu streuten wir sehr weniges, aber gezieltes Coaching mit ein, um zu schauen, wie und wie schnell dieses umgesetzt wird.

Der Kreis der Spieler wurde somit immer kleiner und wir fingen an, Praccs mit ca. 10 Spielern in verschiedenen Konstellationen zu spielen. Unser Ziel war es, ein in sich komplettes Team zu schaffen, das heißt nicht nur das spielerische Talent war entscheidend, sondern der Charakter, das generelle Potenzial des Spielers und die Lernbereitschaft, um nur ein paar Punkte zu nennen.

S: Schnell beeindruckte uns Shazeon, der mit seinen 16 Jahren teilweise eine unerklärliche Ruhe und Abgeklärtheit an den Tag legte. Über Bennys Klasse waren wir uns sofort einig, bei ihm hatten wir die Herausforderung, dass das kein Geheimnis war und wir mussten etwas um ihn kämpfen, da er auch andere reizvolle Angebote hatte. Als ein Kölner Spieler mit dem Potenzial zum IGL war er der perfekte Grundbaustein für uns. Den Kampf um Benny gewannen wir, den um al0rante leider nicht 😉

Lucid stach heraus, indem er mit verschiedenen Lineups konstant Leistung brachte und weil er eiskalt ist. Wir hatten lange Zeit musashi im Team, der ein tolles Talent ist, er entschied sich am Ende aber gegen uns. Somit brauchten wir einen Duellisten und der gute Lucid empfahl uns, Leon zu testen. Leon bringt schon einiges mit und wir sind uns sicher, dass er mit seiner Lernbereitschaft und etwas mehr Erfahrung viel Wert für uns sein wird. Der letzte Slot ging an xTribune, der viel Wettkampf-Erfahrung mit bringt, was uns ansonsten fehlt. Er ist das Salz im Karamell.

F: Eine Frage an Kapio: Wo siehst du die größten Unterschiede zwischen Counter-Strike und VALORANT?

K: Durch die Abilities hast du als Spieler viel mehr Faktoren mit einzurechnen. Du kannst mit einer Agent-Comp z.b. 3-4 unterschiedliche Executes spielen. Deine Positionen und Entscheidungen werden oftmals von der gegnerischen Comp definiert. Das bedeutet zugleich, dass du als Spieler und Team viel mehr Möglichkeiten hast, Plays zu machen und Taktische Vorteile zu erlangen. Außerdem musst du als Spieler mehr Zeit in das Verständnis der Agents investieren, die du spielst, aber auch die, die du nicht spielst, um wirklich die Stärken und Schwächen zu kennen. Dazu kommen natürlich die Maps, die sich teilweise sehr stark in der taktischen Auslegung unterscheiden. Das alles in Kombination mit den Agents macht das Spiel ziemlich vielschichtig. CSGO ist sehr komplex, weil das Spiel durchgespielt ist. Valorant ist von Natur aus sehr komplex.

F: Was sind realistischen Ziele mit diesem Roster?

S: Wir wollen unsere Spieler besser machen. Punkt. Wenn wir das schaffen, ist eine konstante Platzierung in den Top 15 bis zum Ende des Jahres möglich. Das ist eine große Herausforderung, da die Konkurrenz nicht schläft. Wir wollen ein deutschsprachiges Lineup nach oben bringen und den Fans eine Team präsentieren, auf das sie stolz sein können. In Counter-Strike ist die Weltspitze gefüllt von nationalen Teams. Auch wenn es sehr schwierig war, ein gutes Team aufzubauen, ohne auf internationale Spieler zurückzugreifen, glauben wir ein Team mit Potential aufgebaut zu haben. Nun geben Kapio und ich jeden Tag unser Bestes, unsere Spieler zu pushen und weiterzuentwickeln.

F: Kapio! Freust du dich schon, gegen BIG und gob b anzutreten?

K: Geht so. Sich gegen Gob vorzubereiten, ist sehr kopflastig und je älter ich werde, desto gemütlicher werde ich im Kopf. Mein Gehirn will lieber feines Trash-TV ala Love Island oder Too Hot to Handle genießen, aber für ihn mach ich eine Ausnahme. Spaß beiseite, die Spiele gegen Fatih werden etwas besonderes sein und wir freuen uns auf diese Aufgabe.

F: Zum Abschluss und weil es gerade zeitlich passt – was haltet ihr vom neuesten VALORANT-Patch? Waren die Änderungen an den Agents wirklich notwendig?

K: Ich nehme es hin ohne Urteil. Das Spiel wird sich immer weiterentwickeln durch frische Agents, die neue Metas definieren. Das Spiel ist erst 1 Jahr alt, das heißt es ist noch lange nicht fertig. Riot hat bei diesen Patch das Moneysystem so stark verändert, dass auch dadurch das Spiel neu zu bewerten ist. Ich hoffe nur, dass es Valorant bleibt und nicht zu sehr in Richtung CSGO abdriftet.

S: Für mich bringt das Update die nötigen Änderungen, um die Balance zwischen Gunplay und Fähigkeiten zu optimieren. Der Zeitpunkt ist meiner Meinung nach aber etwas ungünstig gewählt, da man kaum Zeit besitzt, sich für die VCT Turniere darauf vorzubereiten.

 

Du kannst Kapio, Sebe und CGN Esports auf Twitter folgen. Das Team wirst du noch bei einigen VCT Challengers Events erleben. Wir danken Kapio und Sebe für ihre Zeit und wünschen ihnen für ihr Projekt alles Gute!