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jL schließt NAVI-Rückkehr aus und kritisiert Spielstil

Jonas Teichmann
Jonas Teichmann Chefredakteur & Esports-Experte

Justinas „jL“ Lekavičius hat einer möglichen Rückkehr zu NAVI eine klare Absage erteilt. Nach dem Sieg von Vitality gegen FURIA beim BLAST Open Fall 2026 sprach der Litauer über seinen früheren Arbeitgeber und machte deutlich, dass er seine Zeit bei NAVI als abgeschlossen betrachtet.

Dabei blieb es allerdings nicht. jL äußerte sich auch kritisch zum derzeitigen Counter-Strike seines Ex-Teams. Seiner Ansicht nach versucht NAVI aktuell zu sehr, „perfektes CS“ zu spielen – und verliert dadurch jene Freiheit und Spielfreude, die in entscheidenden Situationen notwendig sei.

Der Major-Sieger läuft derzeit als Stand-in für Vitality auf und steht mit dem Team bereits im Halbfinale des BLAST Open Fall 2026.

„Ich bin nicht gegangen, um zurückzukommen“

Auf die Möglichkeit einer späteren NAVI-Rückkehr angesprochen, fiel jLs Antwort eindeutig aus.

„I didn’t leave to come back.“

Sinngemäß: Er sei nicht gegangen, um später wieder zurückzukehren.

Gerade bei einer Organisation wie NAVI ist eine solche Aussage bemerkenswert. Wechsel und spätere Comebacks sind im professionellen Counter-Strike keine Seltenheit, und NAVI gehört weiterhin zu den größten Namen der Szene.

jL scheint dieses Kapitel für sich jedoch abgeschlossen zu haben.

Damit nimmt er zumindest vorerst auch Spekulationen den Wind aus den Segeln, wonach eine Rückkehr bei möglichen zukünftigen Roster-Problemen eine Option sein könnte.

jL kritisiert NAVIs derzeitigen Spielstil

Noch interessanter war seine Einschätzung der aktuellen Mannschaft.

jL glaubt, dass NAVI momentan zu sehr versucht, jede Situation perfekt auszuspielen.

„Sie konzentrieren sich derzeit viel zu sehr darauf, perfektes CS zu spielen. Ich glaube, sie müssen zurück zu den Basics und wieder anfangen, Spaß am Spiel zu haben.“

Aus seiner Sicht wirkt das Team dadurch zu statisch.

Die Spieler hätten teilweise zu viel Angst davor, Fehler zu machen. Genau das könne in Counter-Strike problematisch werden, weil spontane Entscheidungen, Initiative und individuelles Selbstvertrauen einen großen Teil erfolgreicher Teams ausmachen.

„Wenn ich ihre Spiele sehe, sind sie viel zu statisch – sie haben zu viel Angst, einen Fehler zu machen. So kann man Counter-Strike nicht spielen“, erklärte jL.

Zu viel Struktur kann in CS2 zum Problem werden

Die Kritik ist durchaus interessant, weil NAVI traditionell für einen stark strukturierten Ansatz steht.

Klare Abläufe, ausführliche Vorbereitung und taktische Disziplin gehören zu den Markenzeichen der Mannschaft. Genau diese Stärke kann allerdings zum Nachteil werden, wenn Spieler anfangen, jede Aktion zu überdenken.

In CS2 entstehen viele entscheidende Situationen innerhalb weniger Sekunden.

Ein Spieler sieht eine Lücke, entscheidet sich für einen aggressiven Push oder verändert spontan eine geplante Runde. Wenn jede Abweichung vom ursprünglichen Plan als potenzieller Fehler wahrgenommen wird, kann ein Team schnell berechenbar werden.

jLs Botschaft ist deshalb weniger „NAVI braucht weniger Taktik“, sondern vielmehr: Die Spieler müssen sich wieder trauen, Counter-Strike zu spielen.

Mit jL gewann NAVI den Major in Kopenhagen

jL kennt die Organisation und ihre Arbeitsweise aus eigener Erfahrung.

Seinen größten Erfolg mit NAVI feierte er beim PGL Major Copenhagen 2024. NAVI gewann das erste CS2-Major und setzte sich im Finale gegen FaZe durch.

Für jL wurde das Turnier sogar noch besonderer: Der Litauer erhielt die MVP-Auszeichnung des Majors und gehörte damit zu den entscheidenden Spielern des Titelgewinns.

Gerade deshalb besitzt seine Einschätzung des aktuellen Teams besonderes Gewicht.

Er beobachtet NAVI nicht ausschließlich als Außenstehender, sondern kennt das System, das Coaching und einen Teil der Spieler aus seiner eigenen Zeit bei der Organisation.

Heute spielt jL für Vitality

Inzwischen befindet sich jL in einer völlig anderen Situation.

Der Litauer unterstützt derzeit Vitality als Stand-in und hat mit dem europäischen Topteam beim BLAST Open Fall bereits mindestens einen Platz unter den besten vier sicher.

Vitality setzte sich gegen FURIA durch und zog damit ins Halbfinale ein.

Dort wartet nun MOUZ.

Die Partie am 5. September entscheidet darüber, welches der beiden Teams ins Grand Final einzieht.

Für jL bietet der Einsatz bei Vitality gleichzeitig die Möglichkeit, sich erneut auf höchstem internationalen Niveau zu präsentieren.

Ein Comeback bei NAVI scheint damit vom Tisch

Natürlich kann sich im E-Sport vieles ändern. Spieler, die eine Rückkehr zunächst ausgeschlossen haben, standen Jahre später trotzdem wieder für frühere Organisationen auf dem Server.

Nach jLs aktueller Aussage sollte man mit einem solchen Szenario allerdings nicht rechnen.

Er spricht nicht wie ein Spieler, der lediglich auf das richtige Angebot wartet. Vielmehr wirkt seine Haltung so, als wolle er bewusst ein neues Kapitel seiner Karriere beginnen.

Die Verbindung zu NAVI bleibt trotzdem ein wichtiger Bestandteil seiner Laufbahn. Mit dem Major-Titel in Kopenhagen und der dazugehörigen MVP-Auszeichnung feierte jL dort seinen bislang größten Erfolg.

Seine aktuelle Kritik fällt entsprechend nicht wie ein Angriff auf die ehemaligen Teamkollegen aus. Vielmehr beschreibt er ein Problem, das er als früherer Bestandteil des Systems zu erkennen glaubt: NAVI versucht aus seiner Sicht derzeit so sehr, keine Fehler zu machen, dass dem Team dabei die Freiheit verloren geht.

Ob sich diese Einschätzung in den kommenden Turnieren bestätigt, wird sich zeigen. Für jL selbst geht es zunächst mit Vitality weiter – und eine Rückkehr zu NAVI scheint zumindest nach seinen aktuellen Worten kein Teil dieses Plans zu sein.

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Jonas Teichmann

Über den Autor

Jonas Teichmann

Jonas Teichmann ist Texter und E-Sport-Redakteur bei Fragster.de. In seinen Artikeln verbindet er aktuelle News mit klarer Einordnung und einem Blick für die Details, die in der Szene wirklich zählen. Ob CS2, League of Legends oder die großen internationalen Turniere: Jonas bereitet Themen so auf, dass sowohl eingefleischte Fans als auch Neueinsteiger schnell den Überblick bekommen. Sein Fokus liegt auf verständlicher Sprache, sauberer Struktur und dem Anspruch, Entwicklungen nicht nur zu melden, sondern auch nachvollziehbar zu erklären. Dabei greift er Trends, Meta-Änderungen und Teamdynamiken genauso auf wie relevante Hintergrundgeschichten.

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