Eine der bekanntesten Persönlichkeiten des japanischen League of Legends zieht einen Schlussstrich: Shunsuke „Evi“ Murase wird seine aktive Karriere als professioneller Spieler Ende 2026 beenden. Der langjährige Toplaner gab seine Entscheidung selbst bekannt und blickte dabei auf elf Jahre im kompetitiven League of Legends zurück.
Evi prägte insbesondere die Ära von DetonatioN FocusMe, mit denen er zahlreiche japanische Meisterschaften gewann und regelmäßig bei internationalen Turnieren antrat. Zudem schrieb er Geschichte, als er mit Team Heretics als erster japanischer Spieler in einer der großen internationalen LoL-Ligen antrat.
Ganz verschwinden möchte der 30-Jährige aus der Szene allerdings nicht. Künftig will er seine Erfahrung auf andere Weise einbringen und dabei helfen, die nächste Generation japanischer League-of-Legends-Spieler zu entwickeln.
Evi gehörte über Jahre zum Gesicht des japanischen LoL
Für internationale Zuschauer war Evi lange Zeit der bekannteste Vertreter der japanischen League-of-Legends-Szene.
Vor allem mit DetonatioN FocusMe dominierte er über Jahre die LJL und wurde dadurch regelmäßig bei Worlds- und MSI-Turnieren sichtbar. Während japanische Teams international lange als klare Außenseiter galten, gehörte Evi zu den Spielern, die immer wieder versuchten, die Lücke zu den größeren Regionen zu verkleinern.
In seiner Abschiedsbotschaft erinnerte er sich an mehrere dieser Momente.
Dazu gehörte unter anderem eine erfolgreiche Worlds-Qualifikation gegen einen brasilianischen Vertreter sowie enge internationale Serien gegen Teams aus den großen Regionen.
Besonders wichtig war für ihn der Moment, als DetonatioN FocusMe schließlich Cloud9 besiegen und erstmals die Gruppenphase der World Championship erreichen konnte.
Für die japanische Szene war das damals ein historischer Erfolg.
Der Sprung nach Europa wurde zum Karriere-Meilenstein
Ende 2022 folgte der wohl ungewöhnlichste Schritt seiner Karriere.
Evi verließ Japan und wechselte zu Team Heretics in die LEC. Damit wurde er zum ersten japanischen Profi, der dauerhaft in einer der vier großen League-of-Legends-Regionen spielte.
Für einen Spieler aus der vergleichsweise kleinen japanischen Szene war das ein bemerkenswerter Schritt.
Evi musste sich nicht nur spielerisch an ein deutlich stärkeres Umfeld gewöhnen, sondern gleichzeitig an eine neue Sprache, ein anderes Land und eine komplett andere Teamkultur.
Seine Zeit bei Team Heretics verlief sportlich nicht immer nach Wunsch. Trotzdem blieb der Wechsel ein wichtiger Moment für den japanischen LoL-E-Sport, da erstmals ein Spieler aus Japan direkt den Sprung in eine Major Region geschafft hatte.
Nach Europa kehrte Evi zurück nach Japan
Nach seiner Zeit in der LEC kehrte Evi in seine Heimat zurück und setzte dort seine Karriere fort.
Auch nach der Rückkehr blieb er auf nationaler Ebene erfolgreich und konnte erneut die japanische Liga gewinnen. Dadurch bekam er noch einmal die Möglichkeit, seine Region bei internationalen Wettbewerben zu vertreten.
Einen seiner persönlich wichtigen Erfolge feierte er erst 2026.
Nach zahlreichen Begegnungen mit GAM Esports, bei denen ein Sieg lange ausgeblieben war, konnte Evi den vietnamesischen Dauerchampion in diesem Jahr schließlich bezwingen.
Für einen Spieler, der einen großen Teil seiner Karriere gegen die stärksten Teams aus den kleineren Regionen antrat, hatte dieser Erfolg entsprechend einen besonderen Stellenwert.
Zwölf LJL-Titel und zehn internationale Turniere
Evis Karrierebilanz gehört zu den beeindruckendsten, die ein japanischer League-of-Legends-Profi bislang erreicht hat.
Zu seinen wichtigsten Erfolgen gehören:
- 12 LJL-Meisterschaften
- 6 Teilnahmen an der World Championship
- 4 MSI-Teilnahmen
- erster japanischer Spieler in einer Major Region
- mehrere internationale Auftritte mit DetonatioN FocusMe
- Engagement bei Team Heretics in der LEC
Gerade die Zahl der internationalen Turniere zeigt, wie lange Evi an der Spitze der japanischen Szene stand.
Während Teams und Spieler in kleineren Regionen häufig schnell wechseln, war er über viele Jahre eine Konstante.
Evi will japanischem League of Legends erhalten bleiben
Sein Rücktritt bedeutet allerdings nicht das vollständige Ende seiner Arbeit im League-of-Legends-Umfeld.
Evi erklärte, dass er auch künftig zur Entwicklung der japanischen Szene beitragen möchte – nur nicht mehr als aktiver Profi.
Dabei will er insbesondere Erfahrungen weitergeben, die er während seiner internationalen Karriere gesammelt hat.
Für den japanischen Nachwuchs könnte genau das wertvoll sein. Evi kennt sowohl das heimische Wettbewerbsumfeld als auch die Anforderungen einer europäischen Major Region und zahlreicher internationaler Turniere.
Welche konkrete Rolle er künftig übernehmen wird, ließ er zunächst offen.
Denkbar wären Tätigkeiten als Coach, Content Creator, Analyst oder innerhalb einer Organisation.
Ein Spieler, der Japans internationale Entwicklung mitgeprägt hat
Evi war nie der Spieler mit den größten internationalen Titeln oder den spektakulärsten Worlds-Ergebnissen. Seine Bedeutung liegt vielmehr darin, wie lange und konsequent er Japan auf der internationalen Bühne vertreten hat.
Über mehr als ein Jahrzehnt erlebte er den Wandel der Region von einem klaren Außenseiter hin zu einer Szene, die zumindest phasenweise auch gegen etablierte Teams mithalten konnte.
Sein Wechsel zu Team Heretics zeigte zudem, dass japanische Spieler grundsätzlich auch für Teams außerhalb ihrer Heimat interessant sein können.
Evi selbst bedankte sich zum Abschied insbesondere bei den Fans, die ihn während seiner gesamten Laufbahn begleitet haben.
„Dass ich diese elf Jahre weitermachen konnte, verdanke ich allen, die mich angefeuert und unterstützt haben. Vielen Dank“, erklärte der Toplaner.
Damit endet Ende 2026 eine der prägendsten Spielerkarrieren des japanischen League-of-Legends-E-Sports. Evi verlässt die Bühne als Profi – seine Verbindung zur Szene möchte er jedoch nicht aufgeben.

