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Jamie | Juli 22, 2021

Ist Esport ein Beruf?

Der Begriff Esport beschreibt erst einmal nur den elektronischen Sport, der in einigen Ländern der Welt sogar eine offiziell anerkannte Sportart darstellt. In Deutschland ist das zwar noch nicht der Fall, doch auch hier gibt es zahlreiche junge und ältere Menschen, die Esportler werden möchten. Die gute Nachricht vorweg: Ja, Esportler ist ein Beruf, wenn auch kein klassischer Ausbildungsberuf. Dennoch kann es zum Beruf werden, wenn die Esport-Tätigkeit entsprechend von Erfolg gekrönt ist.

Wie wird man selbst zum Esportler?

Wer die Überlegung hat, selbst auch den Beruf des Esportlers einschlagen zu wollen, fragt sich bestimmt, wie man überhaupt anfängt. Zocken, so viel ist klar. Doch wie wird aus dem Freizeitspiel tatsächlich ein Beruf? Hier kommt es auf viele Faktoren an.

Professionelle Esportler spielen beruflich. Dabei geht es aber nicht vorrangig um den Spielspaß, sondern um harte Arbeit – wie in jedem anderen Job auch. Die Esportler trainieren täglich viele Stunden und arbeiten je nach Spiel in einem Team. Das Training dient den Turnieren, bei denen die Profi-Esportler gegen andere Esportler antreten und sich entsprechend beweisen können.

Die wichtigsten Eigenschaften für Esportler

Hat ein Spiele-Fan ernsthaft den Wunsch, Esport als Beruf zu wählen, so sind gewisse Eigenschaften von größter Bedeutung. Fehlt auch nur eine dieser Eigenschaften oder ist deutlich schwächer ausgeprägt, so könnte es sein, dass sich nie Erfolg einstellt.

Wie wichtig sind welche Eigenschaften? Maximal 10 Punkte!

  • Analytische Fähigkeiten: 10
  • taktische und strategische Fähigkeiten: 10
  • sehr gute Hand-Augen-Koordination: 10
  • Disziplin: 9
  • Ehrgeiz: 9
  • psychische Belastungsfähigkeit: 8
  • Technikverständnis: 7
  • Kommunikationsstärke: 7
  • Flexibilität: 6

Wie man sieht: Vor allem das analytische, taktische und strategische Verständnis sowie die eigene Disziplin und Hand-Augen-Koordination sind am wichtigsten, wenn man den Beruf Esportler tatsächlich in Erwägung zieht.

Gibt es eine Ausbildung oder einen Studiengang für Esport?

Derzeit gibt es zwar keine offizielle Ausbildung oder ein Esport, bei dem es voll und ganz um Esport geht, aber gewisse Dinge kann ein Spieler dennoch lernen. Es bieten sich gerade beim Studium einige Studiengänge an, die gut zum Esport passen.

  • Game Design
  • Game Programming
  • Computervisualistik
  • Informatik
  • Medieninformatik

Wirklich wichtig ist aber, dass das ausgewählte Spiel schon länger Bestandteil des Esportler-Lebens ist. Wer von jetzt auf gleich Esportler werden möchte, ohne selbst ein aktiver Spieler zu sein, wird wenig Chancen haben. Stattdessen kann sich aus dem Freizeit-Spiel ein aktiver Beruf entwickeln.

Das Ziel ist es, dass der Spieler das jeweilige Spiel in allen Facetten und mit allen Details beherrscht. Dabei sind gute Leistungen selbstverständlich sowie Disziplin und Lernfähigkeit. Wer anschließend durch entsprechende Leistungen bei Veranstaltungen und Online-Partien auffällt, kann auch die Aufmerksamkeit offizieller Teams und Sponsoren auf sich ziehen. Auf diese Weise könnte der Wechsel zwischen Freizeit-Spieler und Esportler als Beruf funktionieren.

Was macht ein Esportler in seinem Beruf?

Wenn es ein Esportler geschafft hat, dass seine Leidenschaft zum Beruf geworden ist, dann besteht auch seine Arbeit nicht nur aus Zocken. Stattdessen geht es um folgende Inhalte:

  • Spiele spielen: Der Hauptfokus liegt in der Tat darauf, das jeweilige Spiel zu spielen. Der Esportler fokussiert sich aber in der Regel voll und ganz auf ein Game und wird dort zum Experten.
  • Training im Spiel: Das Zocken alleine reicht nicht aus, um kontinuierlich besser zu werden. Stattdessen müssen Profi-Esportler sowohl Steuerbefehle, Bewegungsabläufe, Spielelemente und vieles mehr trainieren. Tägliches Training gehört in diesem Beruf dazu – und zwar mit deutlichen Herausforderungen, damit sich ein Lerneffekt einstellen kann. Das Ziel ist es nicht, einfach mehrere Stunden im gewohnten Stil zu spielen, sondern sich nach und nach mit bestimmten Fähigkeiten oder Problemen auseinanderzusetzen und diese entsprechend positiv zu trainieren. Vor allem an der Zielgenauigkeit, Handlungsschnelligkeit sowie der Reaktionsgeschwindigkeit können Esportler immer arbeiten.
  • Konkurrenzanalyse: Es ist wichtig, als Esportler nicht nur seine eigene Spielweise zu trainieren und im Blick zu behalten, sondern auch die der Konkurrenz. Zu dem Beruf Esportler gehört also auch, Taktiken und Strategien von Gegnern zu kennen und diese überraschen zu können.
  • Team-Training: Neben dem Training, welches ein Esportler alleine absolviert, ist auch das Team-Training im Beruf wichtig. Dabei werden gemeinsame Strategien und Taktiken abgesprochen, geübt und verfeinert. Der Start ist die Absprache, wann das Training stattfindet. Danach spielt sich das Team ein wenig und startet anschließend das eigentliche Training. Nach dem Training wird das einzelne Spielverhalten analysiert und besprochen.
  • Trainingscamps: Vor wichtigen Wettkämpfen finden in vielen Teams Trainingscamps statt. Hierbei können sich die Sportler ganz bewusst (und deutlich intensiver und länger) auf das anstehende Match vorbereiten.
  • Wettbewerbe: Ein Highlight in diesem Beruf sind natürlich die Turniere oder allgemein Wettbewerbe alleine oder mit Team. Bei einigen Wettbewerben sitzen die Sportler am heimischen Rechner oder an der Konsole und für andere Turniere, Endrunden oder Qualifikationen reisen die Sportler auch persönlich an.
  • Events: Abgesehen von den reinen Wettbewerben sind in diesem Beruf auch Events wichtig. Hier finden teilweise Turniere statt, aber auch die Community ist wichtig. So geben erfolgreiche Esportler auch Autogramme, erfüllen Fanwünsche oder nehmen an Veranstaltungen für neue Kontakte teil. Auf Messen können unter anderem neue Spiele ausprobiert werden oder sogar neue Erweiterungen für sein eigenes Spiel. Auf diese Weise sind Esportler der Konkurrenz möglicherweise einen kleinen Schritt voraus, daher gehört auch das dazu.
  • Social Media: Wie bereits erwähnt, so gehört für einen Esportler auch die Community dazu. Wer diesen Beruf erfolgreich ausübt, findet auch Fans. Der eigene Spielname (und auch Real Life Namen) wird immer wichtiger. So gehört auch die Pflege von Social Media Accounts zum Berufsbild dazu, ob Facebook, Twitter oder Instagram – Profi-Esportler halten ihre Fans auf dem Laufenden. Auch Gameplay-Videos über Twitch oder YouTube kommen bei den Fans sehr gut an und erhöhen das mediale Interesse für den Streamer.

Wichtig: Wenn ein Spieler wirklich Esportler als Beruf wählen möchte, kann es je nach Teamsituation und eigener Fähigkeit sein, dass auch die Wohnsituation davon beeinflusst wird. Viele Sportler wohnen heutzutage in einer großen Wohnung oder in einem Haus, sodass auch Kommunikation und soziale Fähigkeiten in diesem Beruf gefragt sind.

Wie sieht der Berufsalltag eines Esportlers aus?

Profi-Esportler, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben, müssen trotz der schönen Gaming-Vorstellungen einem geregelten Tag nachgehen. Natürlich gibt es keine allgemeingültigen Infos, die für alle Esportler gleich sind, aber nachfolgend stellen wir einen beispielhaften Tag im Leben eines beruflichen Esportlers vor.

Achtung, nur ein beispielhafter Tag!

  • 08:00 Uhr: aufstehen und frühstücken
  • 09:00 Uhr: Gaming-Equipment mit zwei Monitoren aufbauen oder checken, E-Mails checken und beantworten (zum Beispiel Infos vom Teammanager zu anstehenden Trainingscamps oder neue Kooperationsanfragen)
  • 09:30 Uhr: Konkurrenzanalyse in Form von Matches von Topteams
  • 11:00 Uhr: Start des eigenen Spiels mit dem Ziel, eine bestimmte Technik oder Fähigkeit zu üben (wie z.B. Zielgenauigkeit auf mittlerer Reichweite bei Call of Duty)
  • 14:00 Uhr: kleine Mittagspause
  • 15:00 Uhr: Training mit Teampartnern und Teamleiter (z.B. um Ansagen oder Absprachen untereinander zu verbessern)
  • 15:30 Uhr: je nach Game können nun ein paar Runden gegen andere Profi-Teams gespielt werden, um Taktiken zu festigen
  • 19:00 Uhr: ausführliches Feedback vom Teamleiter
  • 20:00 Uhr: Feierabend

Wie man sieht: Auch der Beruf Esportler kann in der Theorie ein ganz normaler Job sein, wenn nicht sogar ein Job mit deutlich mehr Arbeitsstunden. In unserem Beispiel arbeitet der Esportler von 8 bis 20 Uhr und unterbricht seine Arbeit lediglich für eine einstündige Mittagspause. Die Arbeitszeit läge in diesem Fall also nicht bei den klassischen acht Stunden, sondern sogar bei elf Stunden.

Der Vorteil als Esportler ist aber die Tatsache, dass der Arbeitsalltag bis auf feste Termine frei geplant werden kann. Wer beispielsweise morgens Besorgungen machen muss oder einen Termin hat, kann die Konkurrenzanalyse beispielsweise auch in die Abendstunden verlegen.

Wichtig ist lediglich, dass die Disziplin und Selbstmotivation nie auf der Strecke bleiben, denn genau diese Dinge sind es, die Selbstständige – was Esportler meistens sind – oft vernachlässigen. Nur mit Routine und Disziplin sind auch in der Tat maßgebliche Verbesserungen möglich, die zwangsweise für entsprechende Erfolge in der Esport-Szene benötigt werden.

Wie lange kann ich den Beruf ausüben?

Diese Frage ist beim Esport ein wenig schwierig, denn die Esport-Branche ist sehr schnelllebig. Die jüngsten Esportler steigen heutzutage bereits in jungen Jahren ein, sodass Sportler mit knapp 30 Jahren schon als „älter“ eingestuft werden.

Da es beim Esport vor allem auf die Reaktionsfähigkeit ankommt, sind jüngere Sportler einfach oft im Vorteil. Natürlich können auch 30-jährige Sportler die gleiche Reaktionsfähigkeit wie ein 16-jähriger Esportler aufweisen, aber in einem gewissen Alter endet die Karriere unweigerlich, weil die eigene Leistung nachlässt.

Dennoch können sich Esportler im Verlauf von Jahren nicht nur als Esportler etablieren. Sie machen sich in der Branche einen Namen, sammeln Erfahrungen und können sich auch für Jobs außerhalb des Spielens qualifizieren. Einige Esportler können in späteren Jahren beispielsweise als Trainer oder Manager tätig sein oder in die allgemeine Gaming-Branche einsteigen.

Wie viel kann man im Beruf Esportler verdienen?

Der Verdienst hängt maßgeblich davon ab, wie erfolgreich ein Esportler ist. Je nach Spiel, Erfolg und weiteren Faktoren kann es hohe Preisgelder geben oder sogar ein monatliches Gehalt. Die erfolgreichsten Spieler weltweit haben bereits Millionen US-Dollar Preisgelder gesammelt, aber natürlich gibt es auch einen unendlich großen Teil an Spielern, die keine oder kaum Preisgelder einsacken.