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Fabio | November 23, 2020

IEM Beijing NA: Ist der Sieg von Chaos wirklich bedeutungsvoll?

Mit der IEM Beijing haben die Jungs von Chaos ein durchaus relevantes nordamerikanisches Turnier gewonnen. Gut, FURIA waren nicht dabei, aber dafür sind sie an Liquid und den Evil Geniuses vorbeigezogen. Das ist für sich genommen bereits ein großer Erfolg, doch wie viel sagt das wirklich über die nordamerikanische Szene aus?

Chaos konnten im Halbfinale das große Upset gegen EG erreichen und mussten im Finale gegen Triumph antreten. Abgesehen von einer Mapniederlage spielten sich sich souverän durch das Match und konnten die Trophäe mit einem 3-1 ergattern.

Besonders ist, dass Nathan “leaf” Orf diesmal nicht oben auf dem Scoreboard stand. Er war tatsächlich sogar der schlechteste Fragger auf Seiten von Chaos, ganz untypisch für den Jungstar. Doch die gute Nachricht ist, dass das Team seine Performance nicht unbedingt braucht. An seiner Stelle ist Anthony “vanity” Malaspina in den Vordergrund getreten und hat sich ein 1.30er Rating für das Finale verdient. Jonathan “Jonji” Carey, Erick “Xeppaa” Bach und Edgar “MarKE” Maldonado haben ebenfalls ein fantastisches Finale hinter sich gebracht. Ein Schlüssel zu dem Sieg dieses Teams ist also die individuelle Glanzleistung der Spieler.

Viel wichtiger ist jedoch, dass die IEM Beijing NA inmitten der Reisepläne von Liquid und EG stattfand. Die Evil Geniuses waren bereits in Europa und beide planten, für die kommenden Turniere ihren Kontinent zu verlassen. Auch wenn EG diese Pläne nun aufgrund der Corona-Restriktionen zurückziehen mussten, so wussten sie das während des Turniers natürlich nicht. Während sie gegen Chaos und Triumph antraten, waren die beiden Top-Teams bereits damit beschäftigt, sich für den europäischen Wettkampf vorzubereiten. Sie haben der IEM mit Sicherheit nicht viel Aufmerksamkeit gewidmet und ihre Gegner haben die Gunst der Stunde genutzt, um das in einen Vorteil zu verwandeln. Doch nun sind EG und Liquid auf der Hut. Ob so etwas noch einmal passieren kann, ist also fraglich.

Dieser Turniersieg ist also nichts weiter als ein beeindruckendes Zusammenkommen von besonderen Zuständen. Chaos werden nicht in der Lage sein, diese Performance konsequent gegen Top-Teams abzuliefern. Das gilt insbesonders jetzt, denn EG und Liquid werden nicht noch einmal den Fehler machen, Triumph und Chaos zu unterschätzen.

DER HÄRTETEST FOLGT NOCH

Der domestische Vergleich ist für Chaos selbstverständlich unheimlich wichtig, doch bald müssen sie gegen die europäische Elite ran. Ihre Platzierung bei der IEM Beijing NA hat ihnen einen Spot bei der IEM Global Challenge verschafft. Das Turnier findet im Dezember statt und zwingt die Jungs nach Europa. Dort müssen sie nicht nur gegen Evil Geniuses und FURIA ran, sondern gegen Heroic, Vitality, Astralis, Complexity und NaVi. Auch wenn dieses Turnier nur online stattfindet, ist das das anspruchsvollste Lineup, gegen das Chaos jemals gekämpft haben.

Noch bevor sie ihren Kontinent verlassen, geht der regionale Vergleich wieder los. Bei den DreamHack Masters Winter stehen ihnen nur kleine Teams gegenüber, womit sie sofort eine Chance auf eine weitere Trophäe bekommen. Aber selbstverständlich ist ihnen nicht danach, die New England Whalers oder Mythic zu besiegen – sie wollen wieder gegen EG oder Liquid ran. Das gleiche gilt für diese Top-Teams, schließlich müssen sie nach der IEM-Flaute erst einmal wieder beweisen, dass noch an die Spitze gehören. Chaos haben also einen durchaus weiten Satz nach vorne gemacht, doch EG und Co. könnten sie auch bald wieder in ihre Schranken verweisen.