Ein unbedachter Tweet hat weitreichende Folgen für eines der renommiertesten Esport-Teams der Welt: Team Liquid hat seinen lukrativen Sponsor Honda verloren, nachdem ein Spieler des Rainbow Six Siege-Rosters ein animiertes Bild eines nuklearen Angriffs auf Twitter postete.
Was genau ist passiert?
Der Auslöser war ein inzwischen gelöschter Tweet von einem Rainbow Six-Spieler von Team Liquid, der ein GIF zeigte, das einen Nuklearschlag symbolisierte – ein Thema, das angesichts globaler geopolitischer Spannungen, insbesondere mit Bezug zu Japan, als hochsensibel gilt. Die Verwendung solcher Symbolik stieß bei vielen auf Kritik. In sozialen Medien formierte sich schnell eine Welle der Empörung. Obwohl der Tweet schnell entfernt wurde, war der Schaden bereits angerichtet.
Honda, das als japanisches Unternehmen besonders sensibel auf das Thema Atomwaffen reagiert – nicht zuletzt aufgrund der historischen Traumata von Hiroshima und Nagasaki –, reagierte schnell. Der Automobilhersteller kündigte die Beendigung seiner Partnerschaft mit Team Liquid, eine Verbindung, die seit 2019 bestand.
Eine Partnerschaft mit Geschichte
Die Zusammenarbeit zwischen Team Liquid und Honda galt als eines der Paradebeispiele für erfolgreiche Markenintegration im Esport. Honda war nicht nur Trikotsponsor des League of Legends-Teams (das auch unter dem Namen „Team Liquid Honda“ firmierte), sondern trat auch bei Events und in Videoproduktionen gemeinsam mit der Organisation auf. Das Logo des Autoherstellers war ein fester Bestandteil von Livestreams, Social-Media-Postings und Merchandising-Produkten.
Die Partnerschaft symbolisierte auch die wachsende Akzeptanz des Esports im Mainstream – Honda war einer der ersten großen Automobilhersteller, der sich dauerhaft an ein Esport-Team band. Der Verlust dieses Sponsors ist für Team Liquid ein spürbarer Schlag, sowohl finanziell als auch für die Außenwahrnehmung.
Auswirkungen auf Team Liquid
Team Liquid hat bis jetzt noch kein offizielles Statement veröffentlicht. Doch hinter den Kulissen dürften Krisenmeetings und strategische Überlegungen im Gange sein. Der Verlust von Honda könnte Millionenbeträge betreffen – nicht nur in direkter Sponsoringleistung, sondern auch durch verlorene zukünftige Kampagnen und Glaubwürdigkeitsverlust bei anderen potenziellen Partnern.
Intern dürfte es ebenfalls Konsequenzen geben: Ob der betreffende Rainbow Six-Spieler suspendiert oder gar entlassen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. Beobachter vermuten jedoch, dass sich Team Liquid bemühen wird, klar Position zu beziehen – sei es durch personelle Maßnahmen, Schulungsinitiativen oder ein offizielles Rebranding.
Die Reaktion der Community
Die Reaktionen in der Esport-Community sind gemischt. Einige verteidigen den Spieler und verweisen auf die Überreaktion von Sponsoren in einem Bereich, der für seine humorvolle und teils provokante Netzkultur bekannt ist. Andere sehen den Vorfall als Mahnung, dass Profisportler – auch im Esport – eine Vorbildfunktion haben und sich ihrer Außenwirkung bewusst sein müssen.
Ein Twitter-User kommentierte:
„Es ist traurig, dass ein GIF ausreicht, um eine Millionenpartnerschaft zu beenden – aber so funktioniert nun mal Sponsoring. Spieler müssen smarter sein.“
Ein anderer schrieb:
„Honda hat richtig reagiert. Atombomben-GIFs sind kein Meme, sie sind ein Schlag ins Gesicht der Geschichte.“
Sponsoren und Verantwortung im Esport
Der Vorfall ist nicht der erste seiner Art – in der Vergangenheit haben unbedachte Aussagen, toxisches Verhalten oder politische Kommentare von Spielern und Streamern bereits mehrfach zu Sponsorverlusten geführt. Doch der Fall von Team Liquid und Honda ist besonders öffentlichkeitswirksam, da er ein global agierendes Unternehmen und eine der größten Esport-Organisationen betrifft.
Der Zwischenfall unterstreicht einmal mehr die Bedeutung von Social-Media-Training, internen Guidelines und einer klaren Kommunikationsstrategie in professionellen Esport-Organisationen.
Wie geht es weiter?
Noch ist nicht klar, wie schwer der Schaden für Team Liquid langfristig ausfallen wird. Möglich ist, dass sich neue Sponsoren finden lassen – aber ebenso denkbar ist, dass Unternehmen künftig vorsichtiger agieren und genau hinschauen, wie Teams ihre Spieler führen und mit der Öffentlichkeit kommunizieren.
Für den betroffenen Spieler könnte der Vorfall karriereentscheidend sein. Selbst wenn er Teil des Rosters bleibt, wird sein Name wohl noch lange mit diesem Eklat verbunden bleiben.
Und für die Branche insgesamt ist dies ein weiterer Beleg dafür, wie schmal der Grat zwischen Coolness und Unprofessionalität geworden ist – und wie viel auf dem Spiel steht, wenn Profis nicht wie Profis handeln.
