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Guide: Das Swiss System

Fragster Fundamentals sind dein Einstieg in die Esports-Welt! Mit einsteigerfreundlichen Guides und Tipps für Fortgeschrittene helfen wir dir, kompetitives... Fabio | August 4, 2021

Fragster Fundamentals sind dein Einstieg in die Esports-Welt! Mit einsteigerfreundlichen Guides und Tipps für Fortgeschrittene helfen wir dir, kompetitives Gaming und deine Lieblings-Spiele besser zu verstehen.

Im Jahr 2017 holten Valve erstmals das Swiss Format ins CSGO-Ökosystem. Seitdem hat jedes Major-Turnier dieses System benutzt. Das Format ist auf andere Esports-Titel übergegangen und findet jetzt sogar bei Dota 2, Hearthstone, FIFA und Overwatch Anwendung. In dieser Ausgabe der Fragster Fundamentals erklären wir dir, wie das Format funktioniert und warum es so praktisch ist!

In unserem Beitrag zum GSL-Format haben wir bereits das Desaster der ESL One Cologne 2016 aufgeschlüsselt. Damals versiebten ESL das Seeding der Vierergruppen so sehr, dass die drei besten Teams der Welt in einer Gruppe landeten. Das zeigte eine der großen Schwächen des GSL-Formats auf, das nur mit guten Seeding wirklich funktioniert und sowieso keine echte Hackordnung der Teams produziert. Ob Valve das Swiss System als direkte Antwort auf diesen Vorfall eingeführt haben oder einfach nur Veränderung wollten, wissen wir nicht. Das nächste Major-Event kam aber ohne GSL und mit Swiss daher.

WIE FUNKTIONIERT DAS SWISS-SYSTEM?

Das Format arbeitet nach einer simplen Logik. Teams mit dem gleichen ‘Track-Record’ spielen gegeneinander. In der ersten Runde gibt es natürlich noch keine Sieger oder Verlierer, also treffen alle in einem Pool zusammen. In Runde zwei gibt es von den 16 Teams aber acht Sieger und acht Verlierer. Die Teams, die 1-0 stehen, treten also gegeneinander an, genau wie die Teams mit einem 0-1 Stand. In Runde drei gibt es also insgesamt drei Pools: 2-0, 1-1 und 0-2. Hier trennt sich wirklich die Spreu vom Weizen.

swiss format

Das Swiss System des Faceit Major London 2018 (via Reddit)

Denn mehr als drei Siege oder Niederlagen bekommt kein Team. Mit einem 3-0 geht es in die nächste Phase des Events, mit einem 0-3 geht es nach Hause. Nach Runde 3 verlassen also bereits vier Teams das Swiss Format. In Runde 4 gibt es auch nur noch zwei Pools: 2-1 und 1-2. Weitere drei Teams steigen auf und drei nehmen den Flug ins Heimatland. In der letzten Runde finden noch einmal drei Matches statt, in denen die übrigen drei Sieger gefunden werden. Auf diesem Weg bekommt jedes einzelne Team drei Chancen zur Qualifikation. Das beste ist: Keine Teilnehmer treffen sich zweimal!

WARUM SWISS WIRKLICH PRAKTISCH IST

Die Vorteile liegen auf der Hand: Bei GSL können Teams nach zwei Matches ausscheiden, hier gibt es zumindest eine weitere Chance. Das Swiss System sorgt für eine natürliche Gruppierung der Teams in starke und schwache Teilnehmer. Gute Teams können sich nach nur drei Matches qualifizieren und im schlimmsten Fall muss ein Squad mal fünf Matches ausspielen. Auch wenn hier mehr Matches als bei GSL stattfinden, kommt das Format trotzdem mit weniger Spielen als Round Robin aus.

Anders als Round Robin, bei dem jedes Match in erster Linie nur “ein Gruppenspiel” ist, hat jede Auseinandersetzung im Swiss Bracket eine klaren Storyline. Es hat beispielsweise durch die ‘2-1’ und ‘1-2’ Labels ganz klar eine Funktion, die jeder Zuschauer mit Verständnis des Formats erkennt. Niemand muss lange Rechnungen ausführen, um herauszufinden, was passiert, wenn Team A gewinnt, Team B verliert, Team C ein Unentschieden spielt…

Das ist vielleicht die größte Schwäche des Round Robin Formats, abgesehen von der offensichtlich größeren Anzahl an notwendigen Matches. Aber auch wenn das Swiss System mit seinen Runden und Pools schon eine gewisse Art von Seeding mit sich bringt, sollten die Teams nicht zufällig in das Bracket geworfen werden.

DIE SCHWÄCHEN DES SWISS SYSTEM

Es kommt leider noch viel zu oft vor, dass das Seeding zumindest die erste Runde versaut. Denn wenn dort Favoritenteams gegeinander aufgestellt werden, muss eines der Teams unweigerlich in den 0-1 Pool absteigen. Ein Spitzenreiter sollte es aus so einer Situation zwar heraus schaffen, aber für die anderen Teams in dem Pool ist das natürlich ein großes Problem. Es lohnt sich hier, den ELEAGUE Major: Boston 2018 zu studieren:

swiss boston2018

Runden 1 und 5 der New Challengers Stage in Boston (via Liquipedia)

Dort liefen in der Challengers Stage schon einige Favoriten gegeinander auf. FaZe und Liquid mussten für den Sieg kämpfen, aber G2 bekamen das 1-0 gegen Flash Gaming geschenkt. Später in Runde 5 wurden die verbleibenden drei Matches ausgelost. Das führte zu einem lächerlichen Bracket, bei dem mouz gegen Renegades und Quantum Bellator Fire gegen Avangar gewinnen durften, Liquid aber gegen Natus Vincere ran mussten. Beide Teams hätten es objektiv mehr als alle anderen verdient, durchzukommen. Stattdessen flogen Liquid aber gegen NaVi raus und kamen noch nicht einmal in die Top 16 des Majors.

Das Format braucht also genau wie GSL ein ordentliches Seeding. Besser noch ist es, nach jeder Runde neu zu seeden und die Matchups nicht zufällig auszuwürfeln. Ein weiteres Problem sind Best-of-One Matches. Denn auch wenn die Teams im Swiss Bracket eine Extra-Chance gegenüber GSL haben, sind einzelne Maps immer noch kein guter Messwert für die Stärke eines Teams. Deswegen führen StarLadder ihre Swiss Stages von Anfang bis Ende mit Best-of-Threes durch. Damit gibt es kaum die Chance für Upsets und die Teams können ihre wahren Stärken auf den Server bringen!

Wir melden uns bald mit mehr Fragster Fundamentals zurück! Das Thema der Turnierformate haben wir noch lange nicht hinter uns gelassen und es gibt im Esport noch so viel mehr zu entdecken und zu erklären. Wenn dich so etwas interessiert, solltest du also schnell ein Lesezeichen für Fragster.de setzen und bald wieder vorbeischauen!