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GTA 6: Take-Two verschärft Jagd auf die Leaker

Jonas Teichmann
Jonas Teichmann Chefredakteur & Esports-Experte

Die Suche nach den Verantwortlichen für die jüngsten GTA-6-Leaks wird konkreter. Take-Two Interactive hat bei einem US-Bundesgericht eine zweite DMCA-Subpoena gegen Discord beantragt und möchte die Details diesmal unter Verschluss halten. Nach Angaben des Publishers hat die Untersuchung inzwischen einen weiteren Discord-Nutzer identifiziert und zusätzliche Informationen zu einem bereits bekannten Account hervorgebracht. Gleichzeitig zieht Take-Two eine zuvor beantragte Auskunftsanordnung gegen Google beziehungsweise YouTube zurück, weil sich die Ermittlungen mittlerweile in eine andere Richtung entwickelt haben.

Von einer bereits festgestellten Identität des GTA-6-Leakers kann trotzdem noch keine Rede sein. Die Gerichtsdokumente zeigen vielmehr, dass Take-Two versucht, die Person oder Personen hinter den im August verbreiteten Aufnahmen Schritt für Schritt einzugrenzen.

Zweite Discord-Anfrage ist wesentlich gezielter

Die erste Auskunftsanfrage gegen Discord sorgte auch deshalb für Aufmerksamkeit, weil sie ausgesprochen breit formuliert war.

Take-Two verlangte unter anderem Identifikationsdaten von Accounts, die seit dem 1. Juni in drei genannten Discord-Servern beziehungsweise Kanälen aktiv waren. Damit konnten potenziell zahlreiche Nutzer erfasst werden, die selbst überhaupt nichts mit dem eigentlichen Leak zu tun hatten.

Die neue Anfrage sieht anders aus.

Laut dem am Freitag eingereichten Antrag hat Take-Two inzwischen:

  • einen weiteren Discord-Nutzer identifiziert,
  • zusätzliche Identifikationsinformationen über einen zuvor bekannten Nutzer erhalten,
  • und weitere Erkenntnisse zu den bereits untersuchten Community-Servern gesammelt.

Dadurch könne nun wesentlich gezielter nach bestimmten Daten gefragt werden.

Welche Accounts konkret gemeint sind, ist derzeit nicht öffentlich bekannt.

Take-Two will die Namen geheim halten

Genau darin liegt die wichtigste Neuerung.

Beim ersten Antrag waren die betroffenen Server und verschiedene Nutzernamen öffentlich in den Gerichtsdokumenten einsehbar. Take-Two möchte beim zweiten Versuch verhindern, dass sich dies wiederholt.

Der Publisher beantragt deshalb, die entsprechenden Unterlagen unter Verschluss zu halten.

Zur Begründung erklärt Take-Two, eine Veröffentlichung könnte den mutmaßlich Verantwortlichen verraten, welche Informationen bereits vorliegen und wie weit die Untersuchung fortgeschritten ist. Dadurch entstehe das Risiko, dass Beweismaterial gelöscht, versteckt oder anderweitig unbrauchbar gemacht werde.

Interessant ist dabei die Wortwahl des Unternehmens: In den Dokumenten spricht Take-Two stellenweise von mehreren mutmaßlichen Rechtsverletzern.

Ob tatsächlich mehrere Personen direkt an der Beschaffung des Materials beteiligt waren oder lediglich mehrere Accounts bei dessen Verbreitung untersucht werden, lässt sich daraus nicht ableiten.

Zweite Subpoena ist noch nicht ausgestellt

Ein wichtiger Punkt fehlt in einigen Meldungen zur Geschichte.

Take-Two hat die neue Discord-Subpoena beantragt. Sie war nach dem zuletzt öffentlich bekannten Stand noch nicht ausgestellt.

Auch über den Antrag, die Unterlagen dauerhaft beziehungsweise weiterhin versiegelt zu behandeln, hatte das Gericht zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschieden.

Der aktuelle Stand bedeutet deshalb nicht, dass Discord bereits neue Daten herausgegeben hat.

Take-Two versucht zunächst, die rechtliche Grundlage dafür zu schaffen.

Schon beim ersten Discord-Antrag gibt es widersprüchliche Angaben

Selbst beim Status der ersten Subpoena ist die Lage ungewöhnlich.

Take-Two erklärte in seiner jüngsten Einreichung, die erste Discord-Subpoena sei am 21. August ausgestellt und anschließend umgehend zugestellt worden.

Im öffentlichen Gerichtsregister ist diese Ausstellung allerdings nicht separat vermerkt.

Hinzu kommt eine widersprüchliche Aussage von Discord. Marketing Director Ryan Rigney erklärte am 24. August öffentlich, das Unternehmen habe zu diesem Zeitpunkt noch keine Subpoena von Take-Two erhalten. Sobald dies geschehe, werde Discord deren Rechtmäßigkeit und Umfang prüfen.

Welche Darstellung den aktuellen Stand korrekt wiedergibt, ist öffentlich bislang nicht abschließend geklärt.

Die Leaks begannen am 18. August

Auslöser der juristischen Offensive war eine Serie bislang unveröffentlichter GTA-6-Aufnahmen.

Am 18. August begann ein Nutzer beziehungsweise eine Persona unter dem Namen Cyberleek, Gameplay-Material im Netz zu veröffentlichen. Die Aufnahmen zeigten unter anderem Jason beim Fahren, Kämpfen, Fliegen und bei anderen Aktivitäten. Mehrere Videos verbreiteten sich anschließend über Discord, X, YouTube und andere Plattformen.

Die Bezeichnung „Cyberleek“ sollte dabei nicht automatisch als Name einer bekannten Hackergruppe verstanden werden.

Bislang ist nicht öffentlich bestätigt, wer hinter der Persona steckt oder ob eine einzelne Person beziehungsweise mehrere Beteiligte die Accounts kontrollierten.

Die Videos wurden zusätzlich mit Werbung für einen Solana-Token versehen, was die Nachverfolgung der ursprünglichen Quelle weiter verkomplizierte.

Microsoft, Discord, X und YouTube gerieten ins Visier

Take-Two reagierte innerhalb weniger Tage mit mehreren rechtlichen Anträgen.

Zunächst wurden Daten von Microsoft und Discord angefordert. Microsoft sollte unter anderem Informationen aus einer eigenen Untersuchung zur Cyberleek-Persona, Gerätekennungen, IP-Daten und mit GTA zusammenhängende OneDrive-Informationen liefern.

Danach folgten weitere Anträge gegen:

  • X
  • Google beziehungsweise YouTube

Bei X ging es um mehrere Accounts, die mit der Weiterverbreitung der Aufnahmen in Verbindung gebracht wurden. Allerdings hatte die GTA-Community einige dieser Konten bereits zuvor als mögliche Nachahmer bezeichnet. Auch Cyberleek selbst behauptete später in einem Leak-Video, keinen Twitter-/X-Account zu besitzen.

Damit ist ebenfalls nicht geklärt, ob sämtliche von Take-Two untersuchten Profile tatsächlich zum ursprünglichen Leaker gehören.

YouTube-Anfrage wird überraschend zurückgezogen

Bei Google beziehungsweise YouTube ändert Take-Two seinen Kurs jetzt.

Die ursprüngliche Subpoena zielte auf drei Online-Personas ab, die mit einem geleakten Video in Verbindung gebracht wurden.

Richter John P. Cronan verlangte zunächst zusätzliche Informationen darüber, wie diese Accounts genau mit dem beanstandeten Material zusammenhängen.

Take-Two arbeitete nach eigener Darstellung bereits an einer entsprechenden Ergänzung, entschied sich dann aber für den Rückzug des Antrags.

In dem offiziellen Schreiben vom 28. August erklärt der Publisher, die Untersuchung entwickle sich „rapidly“ weiter und die ursprünglich verlangten Informationen würden inzwischen nicht mehr benötigt.

Das heißt nicht, dass YouTube dauerhaft aus der Untersuchung heraus ist.

Take-Two behält sich ausdrücklich vor, später einen neuen Antrag gegen Google einzureichen, falls weitere oder andere Daten erforderlich werden.

Noch läuft keine Klage gegen einen bekannten Leaker

Auch juristisch ist eine weitere Unterscheidung wichtig.

Bei den aktuellen Verfahren handelt es sich nicht um eine bereits erhobene Klage gegen eine identifizierte Person.

Take-Two nutzt Subpoenas nach Section 512(h) des amerikanischen Digital Millennium Copyright Act. Rechteinhaber können darüber bestimmte Plattformbetreiber zur Herausgabe von Informationen auffordern, um mutmaßliche Urheberrechtsverletzer überhaupt erst zu identifizieren.

Eine eigentliche Klage könnte anschließend folgen.

Ob es dazu kommt, hängt zunächst davon ab, welche Personen Take-Two mit den Plattformdaten tatsächlich identifizieren kann und welchen Anteil diese an Beschaffung und Veröffentlichung der GTA-6-Aufnahmen hatten.

GTA 6 erscheint am 19. November

Am Veröffentlichungsplan hat die Leak-Serie bislang nichts geändert.

Grand Theft Auto VI erscheint am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Rockstar veröffentlichte am 27. August seinen knapp halbstündigen offiziellen Extended Look, nachdem bereits Tage zuvor zahlreiche Ausschnitte des Spiels illegal im Netz kursierten.

Die eigentliche Geschichte spielt sich deshalb inzwischen weniger in den geleakten Videos selbst als in den Gerichtsunterlagen ab.

Die erste Runde von Take-Twos Ermittlungen war noch breit angelegt und erfasste potenziell tausende Discord-Nutzer. Die zweite Anfrage konzentriert sich dagegen bereits auf einzelne Accounts und zusätzliche Identifikationsmerkmale.

Das beweist noch nicht, dass Take-Two den GTA-6-Leaker bereits kennt. Es deutet aber darauf hin, dass der Publisher seine Suche inzwischen erheblich enger eingrenzen konnte – und diesmal verhindern möchte, dass die gesuchten Personen über öffentliche Gerichtsdokumente erfahren, wie nah ihnen die Ermittler möglicherweise bereits gekommen sind.

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Jonas Teichmann

Über den Autor

Jonas Teichmann

Jonas Teichmann ist Texter und E-Sport-Redakteur bei Fragster.de. In seinen Artikeln verbindet er aktuelle News mit klarer Einordnung und einem Blick für die Details, die in der Szene wirklich zählen. Ob CS2, League of Legends oder die großen internationalen Turniere: Jonas bereitet Themen so auf, dass sowohl eingefleischte Fans als auch Neueinsteiger schnell den Überblick bekommen. Sein Fokus liegt auf verständlicher Sprache, sauberer Struktur und dem Anspruch, Entwicklungen nicht nur zu melden, sondern auch nachvollziehbar zu erklären. Dabei greift er Trends, Meta-Änderungen und Teamdynamiken genauso auf wie relevante Hintergrundgeschichten.

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