Zum Inhalt springen
DE LIVE
GTA 6

GTA 6 ohne generative KI: Rockstar beschreibt, wie jeder Raum entstanden ist

Jonas Teichmann
Jonas Teichmann Chefredakteur & Esports-Experte

Rockstar hat in den vergangenen Tagen ungewöhnlich detailliert über die Produktionsweise von Grand Theft Auto VI gesprochen. Aaron Garbut, Co-Studioleiter von Rockstar North, schilderte gegenüber der New York Times, wie die Innenräume der Spielwelt entstanden sind. Parallel dazu bestätigte das Studio, bei der Erstellung der Inhalte vollständig auf generative KI verzichtet zu haben.

Wer wo sitzt, was auf dem Tisch steht

Garbuts Beschreibung dreht sich um eine Ebene, die den meisten Spielern kaum bewusst auffallen dürfte. Über jeden Raum im Spiel habe jemand nachgedacht: wer darin sitzt, was getrunken wird, welche Spuren auf dem Tisch zurückbleiben. Die Fotos an den Wänden zeigten die Bewohner der jeweiligen Wohnung, mitsamt ihren Tätowierungen und Familienmitgliedern im Hintergrund. All das sei gebaut, fotografiert und anschließend in einem beliebigen Raum eines beliebigen Gebäudes in einer riesigen Stadt platziert worden.

Dazu passt, dass in Grand Theft Auto VI nach Angaben mehrerer Studiobesucher deutlich mehr Gebäude betretbar sein sollen als in früheren Teilen. Rockstar hat allerdings klargestellt, dass sich nicht jedes Haus in Leonida öffnen lässt. Der Punkt ist ein anderer: Die vorhandenen Innenräume sollen keine endlos wiederholten Standardzimmer sein.

Ein eigenes Team nur für Passanten

Für die Bevölkerung der Spielwelt hat Rockstar in Los Angeles eine eigene Abteilung aufgebaut, besetzt mit Autoren, Regisseuren und Produzenten, die sich ausschließlich um die Nichtspielerfiguren kümmert. Statt Körper, Gesichter und Kleidung prozedural zu kombinieren, wurde nach Garbuts Darstellung jede einzelne Figur gestaltet.

Die Unterschiede reichen von Alter, Größe und Statur über Tätowierungen und Piercings bis zu Spuren kosmetischer Eingriffe. Auch Bewegungsabläufe, Interaktionen untereinander und Gesichtsausdrücke wurden entsprechend ausgearbeitet. Vorschauberichte beschreiben die Bevölkerung übereinstimmend als ungewöhnlich dicht und passend zur jeweiligen Umgebung.

Zahlen untermauern das. Berichten zufolge enthält Grand Theft Auto VI mehr als 600.000 Animationen. Zum Vergleich: Bei Grand Theft Auto V waren es rund 55.000, bei Red Dead Redemption 2 etwa 300.000. Der daraus abgeleitete Faktor von gut zehn gegenüber dem Vorgänger stammt allerdings aus dieser Rechnung und wurde von Rockstar nicht offiziell so verkündet.

Was der KI-Verzicht konkret bedeutet

Bei der Frage nach künstlicher Intelligenz lohnt eine Unterscheidung, die in der Berichterstattung häufig verwischt. Ausgeschlossen hat Rockstar den Einsatz generativer KI zur Erzeugung von Inhalten – also von Texten, Bildern, Dialogen, Klängen oder Texturen aus Eingabeaufforderungen. Klassische Spiel-KI kommt weiterhin zum Einsatz und steuert Verkehr, Fußgänger, Polizeiverhalten und vergleichbare Systeme.

Bestätigt wurde der Verzicht von Rob Nelson, ebenfalls Co-Studioleiter von Rockstar North, bei einem Besuch von Medienvertretern in Edinburgh. Nelson erklärte bei derselben Gelegenheit außerdem, dass sich im Einzelspielermodus zum Start kein Echtgeld ausgeben lässt. Auf Konzernebene hatte sich zuvor Take-Two-Chef Strauss Zelnick festgelegt: Generative KI spiele bei dem, was Rockstar baue, keinerlei Rolle; die Spiele des Studios seien handgemacht, Gebäude für Gebäude, Straße für Straße.

Wo das Bild komplizierter wird

Ganz so eindeutig ist die Lage auf Konzernebene nicht. Zelnick hat in derselben Quartalsvorlage erklärt, Take-Two setze generative KI aktiv ein und teste sie in hunderten Pilotprojekten quer durch das Unternehmen, auch in den Entwicklungsstudios – mit dem Ziel, Kosten zu senken und Routinearbeiten abzukürzen. Der Verzicht bezieht sich also auf Grand Theft Auto VI, nicht auf den Konzern.

Hinzu kommt, dass in einem laufenden arbeitsrechtlichen Verfahren gegen Rockstar Aussagen aufgetaucht sein sollen, wonach ein entlassener Mitarbeiter Bedenken zum Umgang mit KI-Werkzeugen im Studio geäußert habe. Diese Darstellung stammt aus Gerichtsunterlagen, ist von Rockstar nicht kommentiert und lässt sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.

Erscheinungstermin

Grand Theft Auto VI erscheint am 19. November für PlayStation 5 sowie Xbox Series X und S. Eine PC-Fassung ist angekündigt, aber weiterhin ohne Termin. Ob sich der beschriebene Aufwand im Spiel tatsächlich bemerkbar macht, lässt sich erst danach beurteilen – Garbuts Beschreibung bezieht sich auf Details, die viele Spieler nie zu Gesicht bekommen werden.

Für dich ausgewählt

Das könnte dich auch interessieren

Jonas Teichmann

Über den Autor

Jonas Teichmann

Jonas Teichmann ist Texter und E-Sport-Redakteur bei Fragster.de. In seinen Artikeln verbindet er aktuelle News mit klarer Einordnung und einem Blick für die Details, die in der Szene wirklich zählen. Ob CS2, League of Legends oder die großen internationalen Turniere: Jonas bereitet Themen so auf, dass sowohl eingefleischte Fans als auch Neueinsteiger schnell den Überblick bekommen. Sein Fokus liegt auf verständlicher Sprache, sauberer Struktur und dem Anspruch, Entwicklungen nicht nur zu melden, sondern auch nachvollziehbar zu erklären. Dabei greift er Trends, Meta-Änderungen und Teamdynamiken genauso auf wie relevante Hintergrundgeschichten.

Alle Artikel ansehen →
Gerade veröffentlicht

Neueste News

Alle ansehen →