In GTA 6 werden Fahrzeuge offenbar nicht mehr unbegrenzt fahren können. Spieler müssen Benziner auftanken und entsprechende Fahrzeuge beziehungsweise Antriebe mit Energie versorgen. Was zunächst durch Gameplay-Leaks bekannt geworden war, wurde nun im Rahmen einer Vorab-Präsentation bei Rockstar North erneut gezeigt.
Content Creator TGG konnte GTA 6 vorab sehen und berichtet, dass Tankstellen tatsächlich eine spielerische Funktion besitzen. Dort lassen sich Fahrzeuge reparieren oder auftanken. Der eigentliche Tankvorgang soll nur rund zehn Sekunden dauern und mit einer kurzen Interaktion beziehungsweise Animation verbunden sein.
Rockstar weiß dabei offenbar genau, dass die Mechanik nicht bei allen Spielern auf Begeisterung stoßen dürfte. Rob Nelson, Co-Studio-Head von Rockstar North, fragte während der Präsentation selbst, wie die Community wohl auf das System reagieren werde.
Tanken soll nur wenige Sekunden dauern
Die gute Nachricht für Spieler, die GTA nicht zum Tankstellen-Simulator werden sehen möchten: Rockstar scheint bewusst darauf zu achten, dass der Vorgang nicht viel Zeit kostet.
Nach der Schilderung von TGG dauert ein vollständiger Tankvorgang ungefähr zehn Sekunden.
Nelson kommentierte die Geschwindigkeit während der Preview scherzhaft mit dem Hinweis, dass man sich bei einem derart schnellen Tankstopp eigentlich kaum beschweren könne.
Damit wird deutlich, wie Rockstar das System offenbar versteht. Es soll die Welt glaubwürdiger machen und zusätzliche Entscheidungen erzeugen, ohne den Spielfluss regelmäßig minutenlang zu unterbrechen.
Benzin könnte bei Fluchten plötzlich wichtig werden
Interessanter als der Tankvorgang selbst sind die möglichen Auswirkungen auf das Gameplay.
Im normalen Straßenverkehr dürfte Kraftstoff laut TGG kaum zu einem ernsthaften Problem werden, solange Spieler halbwegs darauf achten. Spannender wird es allerdings während Verfolgungsjagden oder nach einem Verbrechen.
Stellt euch beispielsweise vor, ihr flieht nach einem Überfall vor der Polizei, springt in das erstbeste abgestellte Auto – und stellt anschließend fest, dass der Tank fast leer ist.
Dann wird aus einem bislang vollkommen austauschbaren Fluchtfahrzeug plötzlich eine taktische Entscheidung.
Genau solche Situationen könnten GTA 6 stärker von seinen Vorgängern unterscheiden.
Tankstellen bekommen erstmals eine echte Funktion
Tankstellen existierten bereits in früheren GTA-Spielen, erfüllten dort aber hauptsächlich eine dekorative Rolle.
In GTA 6 sollen sie offenbar tatsächlich Teil der Spielsysteme werden.
Nach dem bisherigen Preview-Material stehen mindestens zwei Optionen zur Verfügung:
- Fahrzeug auftanken
- Fahrzeug reparieren
Dadurch erhalten Tankstellen eine praktische Bedeutung innerhalb der offenen Welt.
Rockstar verfolgt damit eine grundsätzliche Designrichtung, die bereits bei mehreren anderen Details von GTA 6 sichtbar geworden ist: Orte sollen nicht nur hübsche Kulissen sein, sondern stärker auf den Spieler und seine Entscheidungen reagieren.
GTA 6 übernimmt mehr Ideen aus Red Dead Redemption 2
Das Tanksystem passt auch zu den jüngsten Aussagen von Rockstar über den höheren Realismusgrad von GTA 6.
Rob Nelson erklärte bereits, dass die Erfahrungen aus Red Dead Redemption 2 einen großen Einfluss auf die Entwicklung hatten. Rockstar möchte die stärkere Interaktivität und Glaubwürdigkeit der Western-Welt auf das GTA-Konzept übertragen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass GTA 6 zu einer kompromisslosen Simulation wird.
Vielmehr scheint Rockstar kleine realistische Systeme einzubauen und anschließend bewusst zu vereinfachen. Genau dafür ist das Tanken ein gutes Beispiel: Fahrzeuge besitzen Kraftstoff, der Vorgang selbst wird aber auf wenige Sekunden reduziert.
Auch Fahrzeuge sollen schwieriger zu stehlen sein
Das Kraftstoffsystem steht zudem nicht allein.
Rockstar hat im Rahmen der jüngsten Preview weitere Veränderungen rund um Fahrzeuge gezeigt. Bestimmte Autos lassen sich beispielsweise nicht mehr automatisch mit einer simplen Animation kurzschließen.
Für manche Modelle benötigen Spieler entsprechende Werkzeuge.
Damit soll Fahrzeugdiebstahl stärker davon abhängen, welches Auto man stehlen möchte und wie gut der Charakter vorbereitet ist.
Auch das neue Polizeisystem greift diese Idee auf. Beamte sollen sich unter bestimmten Umständen das verwendete Fahrzeug oder das Aussehen des Spielers merken können.
Wer nach einem Verbrechen sein Auto und seine Kleidung wechselt, kann dadurch möglicherweise seine Chancen erhöhen, unentdeckt zu bleiben.
Mehr Realismus kann schnell nerven
Natürlich birgt die Idee auch Risiken.
Viele GTA-Spieler schätzen die Serie gerade deshalb, weil sie sich nicht ständig mit alltäglichen Problemen beschäftigen müssen. Ein Tank, der regelmäßig leer ist, könnte schnell von einem interessanten Immersionssystem zu einer lästigen Pflicht werden.
Rockstar scheint sich dessen bewusst zu sein.
Dass Nelson selbst danach fragt, wie die Spieler wohl auf die Mechanik reagieren werden, deutet zumindest darauf hin, dass intern ebenfalls über diesen Punkt diskutiert wurde.
Entscheidend dürfte deshalb weniger sein, ob Autos Kraftstoff benötigen, sondern wie häufig Spieler tatsächlich tanken müssen.
Wenn ein voller Tank für längere Spielsitzungen ausreicht, dürfte die Mechanik hauptsächlich in besonderen Situationen auffallen. Müssen Spieler dagegen alle paar Minuten zur Tankstelle fahren, dürfte die Diskussion nach Release deutlich lauter werden.
GTA 6 setzt stärker auf Konsequenzen
Insgesamt fügt sich die Mechanik gut in das Bild, das Rockstar derzeit von GTA 6 zeichnet.
Fahrzeuge besitzen mehr Eigenschaften, Polizeibeamte reagieren detaillierter auf Verbrechen, Safehouses werden interaktiver und die offene Welt soll stärker auf das Verhalten des Spielers reagieren.
Tanken ist dabei nur ein kleines System, könnte aber genau jene spontanen Geschichten erzeugen, für die GTA bekannt ist.
Ein leerer Tank mitten während einer Polizeiverfolgung klingt zunächst nervig. Gleichzeitig kann daraus eine Situation entstehen, die Spieler noch lange nach dem Ende der Mission erzählen.
Ob die Community das genauso sieht, wird sich erst nach dem Release zeigen. Rockstar rechnet offenbar selbst mit Diskussionen – setzt aber darauf, dass ein rund zehn Sekunden langer Tankstopp kurz genug ist, um den zusätzlichen Realismus nicht zur Belastung werden zu lassen.

