Netflix könnte eine Anime-Serie zum Overwatch-Universum produzieren. Diese Behauptung kursiert seit dem Wochenende und stützt sich auf den Insider Naeri, der sich wiederum auf Berichte des Branchenportals What’s on Netflix beruft. Konkrete Details zu Handlung, Studio, Episodenzahl oder Termin gibt es nicht.
Der Zeitpunkt macht die Sache interessant: Die BlizzCon 2026 findet an diesem Wochenende statt. Ob dort tatsächlich eine Ankündigung fällt, weiß außerhalb von Blizzard niemand.
Woher das Gerücht stammt
Die Überlieferungskette ist länger, als die Meldung vermuten lässt. Ursprung ist ein Bericht des Puck-Journalisten Matthew Belloni, den What’s on Netflix aufgriff. Naeri gab diesen auf X weiter, von dort verbreitete er sich in der Spielepresse.
Bellonis Kern lautet: Microsoft bietet Hollywood ein Paket an Verfilmungsrechten für mehr als ein Dutzend Xbox-Marken an. Namentlich genannt werden dabei vier Franchises:
- Halo
- World of Warcraft
- The Elder Scrolls
- Diablo
Als Interessenten gelten Netflix, Paramount und Universal. Für einen langfristigen Vertrag soll Microsoft mehr als 300 Millionen US-Dollar (rund 258 Millionen Euro) verlangen. Unterschrieben ist nach bisherigem Stand nichts.
Overwatch steht in dieser Aufzählung nicht. Die Verbindung zwischen dem Rechtepaket und einem Overwatch-Anime ist eine Schlussfolgerung, keine Meldung. Das ist der entscheidende Unterschied, der bei der Weitergabe verloren gegangen ist.
Warum Overwatch trotzdem naheliegt
Die Schlussfolgerung kommt nicht aus dem Nichts. Vor der Microsoft-Übernahme entwickelte Netflix bereits Serien zu Overwatch, Warcraft und Diablo. Bloomberg-Journalist Jason Schreier bestätigte das 2024 im Rahmen einer Fragerunde zu seinem Blizzard-Buch Play Nice.
Diese Projekte wurden gestrichen, nachdem Activision Blizzard im Dezember 2020 Netflix verklagt hatte. Der Vorwurf: Netflix habe den damaligen Finanzchef des Publishers abgeworben und damit kalifornisches Arbeitsrecht verletzt. Erste Hinweise auf die Serien gab es sogar schon 2020, als im LinkedIn-Profil eines Activision-Blizzard-Studio-Managers eine entwickelte und verkaufte Overwatch-Animationsserie auftauchte.
Mit dem Verkauf an Microsoft und dem Abgang der alten Activision-Führung ist dieser Konflikt Geschichte. Ein Projekt, das damals fertig verhandelt war und aus konzernpolitischen Gründen starb, wieder aufzunehmen, wäre für beide Seiten der bequemste Weg.
Auch die Halo-Situation passt ins Bild: Nach der Absetzung der Serie durch Paramount+ fielen die Rechte an Xbox zurück, und die Lizenz, unter der die Staffeln derzeit bei Netflix laufen, beginnt bereits im Oktober auszulaufen.
BlizzCon 2026 als Prüfstein
Die Behauptung lässt sich schnell überprüfen, denn die Messe steht unmittelbar bevor.
| Angabe | Details |
|---|---|
| Termin | 12. und 13. September 2026 |
| Ort | Anaheim, Kalifornien |
| Eröffnungsshow | Samstag, 19:30 Uhr MESZ |
| Übertragung | Kostenlos auf YouTube und Twitch |
| Kanäle | Getrennte Streams für Warcraft, Diablo und Overwatch |
Ein Insider deutete an, dass auf der Eröffnungsshow eine Serie zu einem Blizzard-Universum gezeigt werden könnte, ließ aber offen, um welches es sich handelt. Overwatch, Diablo und Warcraft kommen gleichermaßen infrage.
Blizzard und Animation: eine lange, unvollendete Geschichte
Dass Blizzard das Handwerk beherrscht, steht außer Frage. Für Overwatch existieren inzwischen mehr als 90 Minuten animiertes Material in Form von Kurzfilmen, die einzelne Helden und Wendepunkte der Spielhandlung beleuchten. Dazu kommen digitale Comics und begleitende Kurzgeschichten.
Was fehlt, ist ein durchgehendes Format. Die Kurzfilme erscheinen unregelmäßig, oft mit Jahren Abstand, und setzen Vorwissen voraus. Eine Serie wäre die logische Konsequenz aus einer Erzählwelt, die Blizzard seit 2016 aufbaut, ohne sie je zusammenhängend erzählt zu haben. Mit dem im Februar 2026 gestarteten Story-Jahr Reign of Talon und dem laufenden Conquest-Event hat das Spiel zudem erstmals seit Langem einen erzählerischen Anker, an den eine Adaption andocken könnte.
Warum das Gerücht dünner ist, als es klingt
Nüchtern betrachtet steht hier eine unbestätigte Rechteverhandlung, in der Overwatch nicht einmal genannt wird, kombiniert mit einem abgebrochenen Projekt von vor sechs Jahren und einem Messetermin. Daraus wird in der Weitergabe eine geplante Anime-Serie. Weder Netflix noch Blizzard oder Microsoft haben sich geäußert.
Das heißt nicht, dass nichts dran ist. Die Ausgangslage spricht durchaus für eine Wiederbelebung, und Microsoft verwertet seine Marken ohnehin plattformübergreifend, wie die Fallout-Serie bei Amazon zeigt. Nur ist der Weg von „Microsoft verkauft ein Rechtepaket“ bis zu „Netflix produziert einen Overwatch-Anime“ deutlich länger, als die kursierende Meldung suggeriert.
Am Wochenende weiß man mehr. Oder eben nicht, was ebenfalls eine Antwort wäre.

