Die französische Organisation Gentle Mates hat ihren Ausstieg aus Counter-Strike 2 offiziell bestätigt. In einer kurzen Mitteilung auf den eigenen Kanälen erklärte der Verein, das Kapitel sei beendet, und bedankte sich bei Spielern, Mitarbeitern und Unterstützern. Eine Begründung nannte die Organisation nicht.
Die spanische Mannschaft dahinter ist bereits unter altem Namen wieder unterwegs: Als Iberian Soul spielt sie derzeit in der offenen Qualifikation zum Esports World Cup in Paris.
Der Ausstieg kam nicht überraschend
Ein Punkt, der in der aktuellen Meldung fehlt: Der Rückzug war seit Wochen bekannt. Bereits am 23. Juni berichtete der französische Streamer und Insider KRL von den Plänen, und mehrere Fachmedien griffen das damals auf. Verhandelt wurde zu diesem Zeitpunkt über einen Verkauf des kompletten Kaders, wobei Team Heretics, KOI und GiantX als Interessenten gehandelt wurden.
Zustande gekommen ist dieser Verkauf offensichtlich nicht. Die Spieler kehrten stattdessen zu ihrem ursprünglichen Namen zurück — dieselbe Situation, in der sie sich vor dem Einstieg von Gentle Mates befunden hatten.
Erschwert wurde die Sache durch das Interesse von FaZe an Antonio „MartinezSa“ Martínez, dem AWP-Spieler der Mannschaft. Die Gespräche scheiterten damals an der Ablösesumme, und die Unsicherheit über seinen Verbleib machte ein Gesamtpaket schwerer verkäuflich. Am 7. Juli wechselte Martínez dann zu HEROIC — womit die Kernidee eines geschlossenen Verkaufs endgültig hinfällig war.
Was die Mannschaft in diesem Jahr erreicht hat
Die Darstellung, das Team habe keine nennenswerten Ergebnisse erzielt, wird der Bilanz nicht ganz gerecht. Gentle Mates gewann die IstanbuLAN und kam bei mehreren Turnieren auf den zweiten Platz, darunter der Radio Popular Roman Imperium Cup II und V sowie die LORGAR Rankings Season 1. Dazu kommen Platzierungen unter den besten vier bei der Perfect World CS Challenge Series 2, der StarLadder StarSeries Fall und dem Roman Imperium Cup III.
In der Weltrangliste stand die Mannschaft zwischenzeitlich um Platz 25 und nahm etablierten Namen wie G2, NIP und BIG Karten oder ganze Serien ab. Das ist solides oberes Tier 2 — nur eben nicht das, was eine Organisation dieser Größenordnung sehen wollte.
Der Bruch kam mit einer Phase der Inaktivität, gefolgt von schwachen Ergebnissen bei genau jenen Turnieren, die vor dem Major zählten. Die Qualifikation für die IEM Cologne wurde knapp verpasst.
Warum Counter-Strike für Streamer-Organisationen schwierig ist
Gentle Mates wurde 2023 von den Streamern Corentin „Gotaga“ Houssein, Lucas „Squeezie“ Hauchard und Kevin „Brawks“ Georges gegründet und stieg im August 2025 in Counter-Strike ein, indem der damals vereinslose Kader von Iberian Soul verpflichtet wurde. Nach knapp einem Jahr ist die Sache beendet.
Der Fall steht exemplarisch für ein Grundproblem. Counter-Strike hat keinen geschlossenen Wettbewerb mit garantierten Startplätzen und keine Ligagebühren, die Planungssicherheit schaffen. Wer nicht in die oberste Gruppe vordringt, spielt Turniere mit überschaubarem Preisgeld und geringer Sichtbarkeit — und trägt dabei dieselben Kosten für Gehälter, Reisen und Betreuung wie alle anderen.
Für eine Organisation, deren Wert über Reichweite entsteht, rechnet sich das schwer. Bemerkenswert ist entsprechend, wohin Gentle Mates seine Mittel stattdessen lenkt: in Riots Ökosystem. Die Organisation unterhält bereits eine wettbewerbsfähige Valorant-Mannschaft und hat für 2026 zusätzlich einen Kader für die VCT Game Changers EMEA aufgestellt. Franchise-Strukturen mit festen Plätzen und planbaren Einnahmen sind für dieses Geschäftsmodell schlicht besser geeignet.
Wie es für die Spieler weitergeht
Iberian Soul tritt aktuell mit Alejandro „mopoz“ Fernández-Quejo, David „dav1g“ Granado, Pere „sausol“ Solsona, Alejandro „alex“ Masanet und einem Ersatz für Martínez in Paris an. Head Coach Eloy „deLonge“ Suárez wurde im April auf die Bank gesetzt, sein Vertrag lief am 5. August aus.
Die Ausgangslage ist damit dieselbe wie im Frühjahr 2025, als die Mannschaft nach dem Rückzug von KOI acht Monate ohne Organisation blieb. Ein Unterschied besteht allerdings: Diesmal bringt das Team eine dokumentierte Bilanz mit Turniersiegen und Weltranglistenpunkten mit — und steht mitten in einer Qualifikation, deren Ausgang für die eigene Verhandlungsposition erheblich wichtiger sein dürfte als alles andere.
Ob Gentle Mates irgendwann zurückkehrt, hat die Organisation offengelassen.

